Thomas Junker ergründet die verborgene Natur der Liebe

Thomas Junker findet in seinem neuen Buch „Die verborgene Natur der Liebe“ überraschende Antworten auf Fragen wie „Warum küssen wir?“ oder „Warum ist das Leben in einer Zweierbeziehung so erstrebenswert und das Fremdgehen manchmal so unwiderstehlich?“ Außerdem zeigt der Autor welche Formen der Liebe den tiefsten menschlichen Wünschen entsprechen und welch nicht. Wie die meisten Menschen wissen dürften, ist die Liebe nicht ohne Risiken verbunden. Aber sie gibt dem Leben Sinn und verspricht unvergessliche Augenblicke der Lust. Thomas Junker warnt zudem seine Leser vor falschen Ideen über das menschliche Liebesleben. Der Autor deckt die Weltfremdheit der traditionellen Sexualmoral ebenso auf wie die Lebensfeindlichkeit angesagter gesellschaftspolitischer Vorstellungen. Die Biologie der Liebe lässt einen Menschen verstehen, warum er in Liebesdingen so von seinen Gefühlen übermannt wird. Thomas Junker ist Professor für Biologiegeschichte an der Universität Tübingen.

Die Liebe ist nichts Selbstverständliches

Thomas Junker vertritt die These, dass das, was die Menschen Liebe nennen, nichts Selbstverständliches ist, sondern dass alles auch ganz anders sein könnte. Sein Buch gibt einen guten Eindruck davon, wie sehr die Menschen im Grunde ihres Herzens Naturwesen geblieben sind, denen die Kultur in ihren Formen der Moral und Erziehung nur wenig anhaben konnte. Außerdem betrachtet Thomas Junker unterschiedliche Strategien der Liebe in ihren Vor- und Nachteilen, ohne sie zu bewerten.

Im ersten Abschnitt schildert der Autor „Warum die Menschen Sex haben“ und zwar sehr viel häufiger uns spielerischer, als es zur Fortpflanzung nötig ist. Im zweiten Teil geht es um die Vielfalt der Beziehungsformen: „Entspricht das Singleleben, die Zweierbeziehung, der Harem oder die Kommune der menschlichen Natur?“ Im dritten Abschnitt steht die Suche nach dem richtigen Partner oder der Partnerin im Vordergrund. Im Leben eines jeden Einzelnen kommt diese Suche vor dem Sex und vor der Liebe.

Liebende zeigen eine beeindruckende Stärke und Unabhängigkeit

Thomas Junker betont: „Sexuelles Begehren und Liebe gehören zu den stärksten biologischen Instinkten und sie geben den Liebenden eine beeindruckende Stärke und Unabhängigkeit.“ Vertraute Gewohnheiten und weltanschauliche Überzeugungen, Familienehre und berufliche Karriere, Gewissen und Freundschaften können dann zweitrangig werden. Und nicht zuletzt nehmen Sex und Liebe wenig Rücksicht auf die Liebenden selbst. Die Partnerwahl ist auch davon abhängig, wie man leben will und was man begehrt.

Beides kann sich im Laufe der Jahre ändern. Insofern sollte man sich die Freiheit nehmen, die Chancen zu ergreifen, die jedes Lebensalter bietet, ohne vergangenen Zeiten und verlorenen Gelegenheiten zu sehr nachzutrauern. Aber nicht jeder muss alles mögen und alles ausprobieren. Das gilt für die Liebe und den Sex sowieso. Die Liebe ist also alles in allem verwirrend, kompliziert und in manchen Fällen sogar undurchführbar. Aber dennoch bleibt Sex mit einer reizvollen Partnerin oder einem attraktiven Partner eines der wichtigsten Ziele im Leben vieler Menschen.

Die verborgene Natur der Liebe
Sex und Leidenschaft und wie wir die Richtigen finden
Thomas Junker
Verlag: C. H. Beck
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten, Auflage: 2016
ISBN: 978-3-406-69789-0, 19,95 Euro

Von Hans Klumbies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.