Die Gesellschaft in Deutschland bricht auseinander

Völlig unbeeindruckt von Statusängsten oder Statusfatalismus bleibt nur die deutsche Oberschicht. Sie interessiert sich nicht für die Bindungskraft der Gesellschaft, weil sie sich international an ihresgleichen orientiert. Hoch mobil, gut ausgebildet, materiell abgesichert. Der Soziologe Lord Ralf Dahrendorf hatte sie einst als neue „globale Klasse“ bezeichnet. Für den Rest der deutschen Gesellschaft gilt – von der Sehnsucht nach der Verbesserung des eigenen Status, vom Glauben daran, dass jeder die soziale Leiter ein Stückchen weiter nach oben steigen kann, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Wenn es der Statushunger ist, der die Bundesbürger auf ein gemeinsames Wertesystem einschwört, dann haben die Deutschen an Gemeinsamkeiten kaum noch etwas zu verlieren.