
August 31, 2010 | veröffentlicht von
hkl
Es gibt Sehnsüchte, die von der Patina des Alterns verschont werden. Zu diesen ewig Jungen zählt laut Ludwig Marcuse das Glück. Babylonien, Juden, Inder, Griechen, Römer, Chinesen, Unglückliche und Glückliche haben seit Jahrtausenden über das Glücklichsein nachgedacht. So wie es heute Menschen gibt, die sich über das Glück ihre Gedanken machen, wird es auch morgen und übermorgen einen Menschen geben, der sich die Frage stellt: Was ist Glück? Schon 3.000 Jahre bevor „das Streben nach dem Glück“ als ein Grundrecht in die amerikanische Verfassung aufgenommen wurde, stritt Hiob für das Recht auf Glück.
Kategorie: Philosophie |
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August 25, 2010 | veröffentlicht von
hkl
Karl Jaspers vertritt die Auffassung, dass sich das Leben in einer Ordnung finden muss, wenn es nicht in Zerstreuung verloren gehen soll. Es muss im Alltag von einem Umfassenden getragen sein, Zusammenhang gewinnen im Aufbau von Arbeit, Erfüllung und hohen Momenten, sich vertiefen in der Wiederholung. Nur dann ist der Mensch geborgen in einem Welt- und Selbstbewusstsein, steht auf dem Boden der Geschichte, der er angehört und im eigenen Leben durch Erinnerung und Treue. Laut Karl Jaspers sucht der Mensch in der philosophischen Lebensführung aus eigenen Kräften sich aufzubauen, was die Umwelt ihm nicht mehr bringt.
Kategorie: Philosophie |
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August 19, 2010 | veröffentlicht von
hkl
In seinem bedeutenden Werk „Love and Will“ (1969), das 1970 unter dem Titel „Der verdrängte Eros“ in Deutschland erschien, nimmt Rollo May im ersten Teil des Buchs das Verhältnis des modernen Menschen zu Sex und Liebe genau unter die Lupe. Rollo May hob hervor, dass die Menschen am Rande oder schon inmitten eines sexuellen Chaos leben. Obwohl der Sexualtrieb befreit wurde, sind die Menschen damit nicht glücklicher geworden. Denn parallel zur Befreiung gab es eine Entwertung der Sexualität, die vielfach nur noch Triebgeschehen und sexuelle Abreaktion angesehen wird.
Kategorie: Psychologie |
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August 5, 2010 | veröffentlicht von
hkl
Thomas Szasz betrachtete die Tätigkeit der Psychotherapeuten als verwandt zur Freundschaft, Ehe, religiöser Sitte, Werbung oder Unterricht und als verbale Form der Behandlung, die sich gravierend von jedem somatischen Eingriff eines Arztes unterschied. Der Psychotherapeut hat die Aufgabe, dem Patienten mit Worten bestimmte Werte und Überzeugungen zu vermitteln und negative Gewohnheiten zum Guten hin zu verändern. Da das ursprünglich das Betätigungsfeld der Philosophen und Theologen war, stellt Szasz die Frage, ob die Psychotherapie nicht in der Nähe der Rhetorik, Philosophie oder gar Demagogie anzusiedeln sei.
Kategorie: Psychologie |
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Juli 30, 2010 | veröffentlicht von
hkl
Die amerikanische Schriftstellerin Djuna Barnes hat sich mit ihrem grandiosen Buch „Nachtgewächs“ in die Weltliteratur des 20. Jahrhunderts eingereiht. Über dieses Werk schreibt Djuna Barnes 1935 an ihre Freundin Emily Coleman: „Nachtgewächs, einfach so, ein einem Wort, es klingt nach Nachtschatten, nach Gift und Nacht und Wald, und nach Zähigkeit, im fleischlichen Sinn.“ Das ist sehr harmlos umschrieben. In Wirklichkeit verbergen sich in dem Meisterwerk sexuelle Übertretungen, vom Missbrauch Minderjähriger bis zum Inzest und Abarten der Bigamie. Man kann das „Nachtgewächs“ auch als ein Sittenbild der Pariser Boheme der zwanziger Jahre betrachten.
Kategorie: Literatur |
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Juli 7, 2010 | veröffentlicht von
hkl
Der französische Philosoph Alain Badiou unterscheidet in seinem neuen Buch „Logiken der Welten“, das gerade im Diaphanes-Verlag auf Deutsch erschienen ist, vier philosophische Wahrheitsprozeduren: Wissenschaft, Kunst, Politik und die Liebe. Die Mathematik, die Malerei, die Dichtung und die Liebe bringen ganz bestimmte Formen der Wahrheit hervor. Diese verschiedenen Wahrheiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie universell sind, nicht aufzählbar, sich in der Unendlichkeit verlierend und immer erkennbar. Es gibt laut Alain Badiou so viele Wahrheiten, dass kein Mensch sie alle aufzählen könnte. Das sei aber auch gar nicht nötig, da man diese Wahrheiten nicht verfehlen könne, wenn man an sie denke.
Kategorie: Philosophie |
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Juli 6, 2010 | veröffentlicht von
hkl
An der sexualmedizinischen Sprechstunde der Medizinischen Hochschule in Hannover hat Uwe Hartmann in den vergangen zehn Jahren eine Forschungsgruppe aufgebaut, die sich mit der weiblichen Sexualität beschäftigt. Der Therapeut erzählt, dass die Frauen in den siebziger Jahren über die Schwierigkeiten klagten, einen Orgasmus zu bekommen, während sie heute Rat suchen, weil ihnen die Lust am Sex abhanden gekommen ist. Viele Frauenärzte können in einem solchen Fall ihren Patientinnen nicht helfen, weil ihnen eine sexualtherapeutische Ausbildung fehlt. Bei den wenigen qualifizierten Sexualtherapeuten gibt es lange Wartezeiten.
Kategorie: Psychologie |
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Juli 2, 2010 | veröffentlicht von
hkl
Rollo May unterscheidet fünf Schichten oder Phasen der Macht, die potentiell im Leben jedes Menschen vorhanden sind. An erster Stelle steht die Macht zu sein, das heißt in der Welt zu leben und zu existieren. Eine weitere Phase ist die Selbstbestätigung, bei der jeder Mensch sich als anerkannt und als für andere bedeutsam empfindet. Aus diesem Gefühl heraus erwächst seine Sicherheit und Souveränität. Von der Selbstbehauptung ist es laut May nur ein winziger Schritt zur Aggression und Gewaltanwendung, die immer dann eingesetzt wird, wenn der Mensch die anderen Schichten und Phasen nicht erfolgreich leben konnte.
Kategorie: Psychologie |
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Juni 30, 2010 | veröffentlicht von
hkl
Jean-Jacques Rousseau bereicherte die abendländische Philosophie um drei revolutionäre, seitdem höchst einflussreiche Ideen. Erstens erklärte er, die Zivilisation sei nichts Gutes, wovon bisher ausgegangen worden war, sondern etwas grundsätzlich Schlechtes. Jean-Jacques Rousseau glaubte, dass die Menschen zwar gut geboren, aber durch die Erziehung zur Gesellschaft verdorben werden. Zweitens plädierte er, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben, für das Primat des Gefühls und der natürlichen Instinkte gegenüber der Vernunft.
Kategorie: Philosophie |
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Juni 25, 2010 | veröffentlicht von
hkl
Stendhal versuchte sich in seinen Schriften über die Liebe über jene Leidenschaft klar zu werden, deren aufrichtige Äußerungen stets das Merkmal der Schönheit tragen. Der Philosoph und Schriftsteller unterscheidet vier verschiedene Arten der Liebe. Als erstes nennt er die Liebe aus Leidenschaft, zu der er die Liebe der portugiesischen Nonne, die Liebe der Heloïse zu Abaelard zählt. An die zweite Stelle setzt Stendhal die Liebe aus Neigung, die in Paris um 1760 Mode war. Man findet sie in den Romanen und Memoiren jener Zeit, bei Crébillon, Lauzun, Cuclos, Marmontel, Chamfort, Frau von Epinay und anderen mehr. Sie gleicht einem Gemälde, auf dem alles, auch die Schatten, rosenfarbig sein muss, auf dem sich unter keinen Umständen irgendetwas Hässliches zeigen darf, wenn es nicht gegen Lebensart, guten Ton und Zartgefühl verstoßen will. Da in ihr keine Leidenschaft und nicht Unerwartetes mitspielt, hat sie oft mehr Zartgefühl als die wahre Liebe, denn sie ist großen Teils verstandesmäßig.
Kategorie: Philosophie |
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