Philosophie von Immanuel Kant bis John Rawls

Auch der zweite Band der Klassiker der Philosophie richtet sich weniger an Fachleute als an Studienanfänger und philosophisch interessierte Laien. Die einzelnen Beiträge sind von renommierten Kennern der jeweiligen Philosophen verfasst und vermitteln neben einer Einführung in das Werk mit seinen Fragen und Methoden des jeweiligen Denkers auch die sozial- und geistesgeschichtlichen Hintergründe. Der Herausgeber Otfried Höffe ist Professor für Philosophie an der Universität Tübingen.

Das erste Kapitel ist Immanuel Kant gewidmet, der den intellektuellen Höhepunkt und zugleich die Wende der europäischen Aufklärung prägte wie kein anderer Denker seiner Zeit. Kant Schlüsselbegriffe Vernunft und Freiheit waren nichts weniger als die entscheidenden Stichworte des Zeitalters der Französischen Revolution. Höffe geht nach einem kurzen Abriss über das Lebens Kants auf sein Werk ein und erklärt Kants Idee einer transzendentalen Vernunftkritik, die Grundzüge der „Kritik der reinen Vernunft“, der „Kritik der praktischen Vernunft“, der „Kritik der Urteilskraft“, Kants Rechts-, Staats- und Geschichtsphilosophie sowie seine Religionsphilosophie. Eine Analyse über die Wirkung Kants auf das neuzeitliche Denken beschließt das Kapitel.

Der Aufbau der einzelnen Kapitel folgt immer dem gleichen Muster. Es wird zunächst das Leben des Philosophen kurz beleuchtet, im Hauptteil das Werk des Denkers beschrieben und im Schlussteil die Wirkung des Philosophen auf seine Zeit und die nachfolgenden Philosophengenerationen analysiert. Im Kapitel über Hegel heißt es beispielsweise, dass seine Wirkung in den beiden letzten Jahrhunderten nur mit der ganz weniger Philosophen zu erklären ist, da sie sich nicht nur auf Philosophie, sondern auch auf die Öffentlichkeit und Politik sowie die Kunst und die Religion erstreckt.

Zu den Klassikern, die in diesem Buch vorgestellt werden, zählen unter anderen Fichte, Hegel, Schelling, Marx, Nietzsche, Husserl sowie Heidegger, Horkheimer, Adorno und Gadamer. Um sich dem Werk Horkheimers zu nähern, soll noch einmal exemplarisch auf den Mittelteil eines Kapitels eingegangen werden. Horkheimer war wie Marx der Überzeugung, dass die Erkenntnismöglichkeiten der Philosophie nicht ausreichen, um zu verstehen, welche Kräfte die gesellschaftlichen Subjekte davon abhalten, die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaftsform zu erkennen und entsprechend auf ihre Lösung hinzuarbeiten.

In seinem zentralen Text über „Traditionelle und kritische Theorie“, bestimmt Horkheimer den Unterschied zwischen den beiden Theorietypen dadurch, das der kritische Theoretiker sich in der Abgrenzung vom Positivismus wie auch von der Metaphysik seiner historischen und gesellschaftlichen Kontextualität bewusst ist. Er begreift seine Tätigkeit als eine Praxis, die vom Interesse an vernünftigen Zuständen innerhalb einer Gesellschaft bestimmt ist. Das kritische Verhalten ist darauf angelegt, die durch die Herrschaft des Kapitals erzeugten Widersprüche aufzulösen.

Auch der zweite Band der Klassiker der Philosophie eignet sich sehr gut für Leser, die in die spannende Welt der großen Denker einsteigen möchten und sich einen raschen Überblick über die Lebensgeschichten, die Werke und die Wirkungen der Philosophen verschaffen möchten. Umfangreiche Literaturhinweise am Ende eines jeden Kapitels laden zu weiterer, tiefer gehenden Studien ein.

Klassiker der Philosophie 2
Emanuel Kant bis John Rawls
Otfried Höffe (Hrsg.)
Verlag: C.H. Beck
Broschierte Ausgabe: 359 Seiten, Auflage: 2008
ISBN: 9783406568015, 14,95 Euro

Rüdiger Safranskis Liebe zu Arthur Schopenhauer

Mit seiner Biographie über Arthur Schopenhauer erklärt Rüdiger Safranski gleichzeitig seine Liebe zur Philosophie. Philosophie bedeutet für ihn mit heißem Herzen über Gott und die Welt nachzudenken. Kombiniert mit dem großen Staunen darüber, dass die Existenz der Dinge und der Menschen über das Nichts gesiegt haben. Im Untertitel nennt Rüdiger Safranski die Zeit in der Arthur Schopenhauer lebte, die wilden Jahre der Philosophie. Zu ihren prägenden Denkern zählt er Immanuel Kant, Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Ludwig Feuerbach und den jungen Karl Marx. Rüdiger Safranski, geboren 1945, lebte als Autor und Privatgelehrter in Berlin. Er wurde mit dem Friedrich-Märker-Preis, dem Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik, dem Friedrich-Nietzsche-Preis sowie dem Premio Internazionale Federico Nietzsche ausgezeichnet.

Die Philosophie des absoluten Idealismus

Johann Gottlieb Fichte wurde am 19. Mai 1762 in Rammenau bei Bischofswerda in ärmlichen Verhältnissen geboren. Ein Adliger, der das geistige Potential des Jungen erkannte, ermöglichte ihm eine gute Ausbildung. Zuerst erhielt Fichte Privatunterricht bei einem Pastor, besuchte anschließend die Fürstenschule Schulpforta und studierte schließlich an der Universität in Jena. Nach seinem Studium lebte der Philosoph in großer Armut, da sein Gönner gestorben war. Der Philosoph wurde gleich mit seinem ersten philosophischen Werk „Versuch einer Kritik aller Offenbarung“, dass 1792 anonym erschien, bekannt.

Der Naturphilosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling

Die einflussreichste und bekannteste Philosophie Friedrich Wilhelm Joseph Schellings ist seine Naturphilosophie. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling stellte die These auf, dass die Menschen nicht nur aus der Natur hervorgegangen sind, sondern auch ein Bestandteil der Prozesse bleiben, die in ihr stattfinden. Er stellte sich damit bewusst gegen die Theorie Fichtes, der das Universum als eine Schöpfung des lebenden Ichs aus lebloser Materie betrachtete.Für Friedrich Wilhelm Joseph Schelling dagegen war das Leben eine Schöpfung der Natur, die einmal eine Welt lebloser Materie war.

Die Theorie der Lebenswelt des Hans Blumenberg

Für Hans Blumenberg existiert die Lebenswelt nicht als reale oder Alltagswelt, sondern als ein Universum, wie es wäre, wenn es in einer Welt keine offenen Fragen, keine unerfüllten Wünsche und eine ungewissen Thesen gäbe. Hans Blumenberg beweist in seiner Theorie der Lebenswelt, dass die Wissenschaft nichts anderes ist, als der Versuch, mit den Folgen der Auflösung einer alltäglichen, selbstverständlichen Lebenswelt fertig zu werden. Der Philosoph Hans Blumenberg, der von 1920 bis 1996 lebte, war Professor für Philosophie an der Universität Münster.