Das Glücksversprechen der Arbeit hat eine Kehrseite

Im Titelthema seiner zweiten Ausgabe stellt das Philosophie Magazin die Frage: „Macht Arbeit glücklich?“ Denn nichts charakterisiert den modernen Menschen der Gegenwart so sehr wie seine Arbeit. Sie kann sowohl Erfüllung mit sich bringen, aber auch leicht zur Selbstversklavung führen. Svenja Flaßpöhler, stellvertretende Chefredakteurin des Philosophie Magazins schreibt, dass das, was viele Menschen in ihrem [...]

Erich Fromm spekuliert über das richtige Lesen

Was für das Gespräch gilt, trifft gleichermaßen für das Lesen zu, das laut Erich Fromm eine Zwiesprache zwischen Autor und Leser ist oder sein sollte. Selbstverständlich ist es beim Lesen, ebenso wie beim Gespräch wichtig, was jemand liest oder mit wem er redet. Einen kunstlosen, billig gemachten Roman zu lesen ist eine Art des Tagträumens und eine Flucht aus der Gegenwart, die mitunter schmerzt, vor allem in den Zeiten der Wirtschaftskrise. Dieser Lesestoff gestattet keine produktive Reaktion des Lesers, der Text wird geschluckt und verdaut wie eine bedeutungslose Fernsehsendung oder die Kartoffelchips, die der Mensch beim Zuschauen isst.

Philosophie von Immanuel Kant bis John Rawls

Auch der zweite Band der Klassiker der Philosophie richtet sich weniger an Fachleute als an Studienanfänger und philosophisch interessierte Laien. Die einzelnen Beiträge sind von renommierten Kennern der jeweiligen Philosophen verfasst und vermitteln neben einer Einführung in das Werk mit seinen Fragen und Methoden des jeweiligen Denkers auch die sozial- und geistesgeschichtlichen Hintergründe. Der Herausgeber Otfried Höffe ist Professor für Philosophie an der Universität Tübingen.

Das erste Kapitel ist Immanuel Kant gewidmet, der den intellektuellen Höhepunkt und zugleich die Wende der europäischen Aufklärung prägte wie kein anderer Denker seiner Zeit. Kant Schlüsselbegriffe Vernunft und Freiheit waren nichts weniger als die entscheidenden Stichworte des Zeitalters der Französischen Revolution. Höffe geht nach einem kurzen Abriss über das Lebens Kants auf sein Werk ein und erklärt Kants Idee einer transzendentalen Vernunftkritik, die Grundzüge der „Kritik der reinen Vernunft“, der „Kritik der praktischen Vernunft“, der „Kritik der Urteilskraft“, Kants Rechts-, Staats- und Geschichtsphilosophie sowie seine Religionsphilosophie. Eine Analyse über die Wirkung Kants auf das neuzeitliche Denken beschließt das Kapitel.

Der Aufbau der einzelnen Kapitel folgt immer dem gleichen Muster. Es wird zunächst das Leben des Philosophen kurz beleuchtet, im Hauptteil das Werk des Denkers beschrieben und im Schlussteil die Wirkung des Philosophen auf seine Zeit und die nachfolgenden Philosophengenerationen analysiert. Im Kapitel über Hegel heißt es beispielsweise, dass seine Wirkung in den beiden letzten Jahrhunderten nur mit der ganz weniger Philosophen zu erklären ist, da sie sich nicht nur auf Philosophie, sondern auch auf die Öffentlichkeit und Politik sowie die Kunst und die Religion erstreckt.

Zu den Klassikern, die in diesem Buch vorgestellt werden, zählen unter anderen Fichte, Hegel, Schelling, Marx, Nietzsche, Husserl sowie Heidegger, Horkheimer, Adorno und Gadamer. Um sich dem Werk Horkheimers zu nähern, soll noch einmal exemplarisch auf den Mittelteil eines Kapitels eingegangen werden. Horkheimer war wie Marx der Überzeugung, dass die Erkenntnismöglichkeiten der Philosophie nicht ausreichen, um zu verstehen, welche Kräfte die gesellschaftlichen Subjekte davon abhalten, die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaftsform zu erkennen und entsprechend auf ihre Lösung hinzuarbeiten.

In seinem zentralen Text über „Traditionelle und kritische Theorie“, bestimmt Horkheimer den Unterschied zwischen den beiden Theorietypen dadurch, das der kritische Theoretiker sich in der Abgrenzung vom Positivismus wie auch von der Metaphysik seiner historischen und gesellschaftlichen Kontextualität bewusst ist. Er begreift seine Tätigkeit als eine Praxis, die vom Interesse an vernünftigen Zuständen innerhalb einer Gesellschaft bestimmt ist. Das kritische Verhalten ist darauf angelegt, die durch die Herrschaft des Kapitals erzeugten Widersprüche aufzulösen.

Auch der zweite Band der Klassiker der Philosophie eignet sich sehr gut für Leser, die in die spannende Welt der großen Denker einsteigen möchten und sich einen raschen Überblick über die Lebensgeschichten, die Werke und die Wirkungen der Philosophen verschaffen möchten. Umfangreiche Literaturhinweise am Ende eines jeden Kapitels laden zu weiterer, tiefer gehenden Studien ein.

Klassiker der Philosophie 2
Emanuel Kant bis John Rawls
Otfried Höffe (Hrsg.)
Verlag: C.H. Beck
Broschierte Ausgabe: 359 Seiten, Auflage: 2008
ISBN: 9783406568015, 14,95 Euro

Das ganzheitliche Denken Carl Friedrich von Weizäckers

Wenn Carl Friedrich von Weizsäcker in den physikalischen Gesetzmäßigkeiten einen Abglanz Gottes zu erkennen glaubte, bewegte er sich bei seiner Erforschung der Natur ganz in der Tradition eines Johannes Keplers oder Werner Heisenbergs. Carl Friedrich von Weizsäcker war auf der Suche nach einer Einheit von Physik und Metaphysik und wollte die physikalische mit der religiösen Welterklärung versöhnen. Alle natürlichen Gesetzmäßigkeiten lassen sich hypothetisch auf physikalische reduzieren. Die physikalischen Gesetze formulieren dabei die Bedingungen der Möglichkeit objektivierender Erfahrungen. Die Zeit nimmt dabei eine zentrale Stellung ein.

Die größten Schwächen der Europäischen Union

Die Europäische Union war wahrscheinlich das Beste, was der Kontinent jemals hervorgebracht hat. Doch im Laufe der Geschichte hat sich das Bündnis zu einem unkontrollierbaren und unabwählbaren Monster entwickelt. Die europäische Idee war im Grunde sehr einfach: durch eine allmähliche Verschränkung der Volkswirtschaften würde bald jedes Motiv, ja jede logistische Möglichkeit wegfallen, um in Europa Kriege zu führen. Schon Immanuel Kant träumte den Traum vom ewigen Frieden, der mit der Einführung des Euro scheinbar auszubrechen schien. Das friedliche Europa ist heute keine Fiktion mehr, sondern Realität geworden. Es gibt keine Binnenkonflikte mehr, auch Massenarmut und Diktaturen gehören der Vergangenheit an. Der Kontinent hat sich zudem zum stärksten Wirtschaftsraum der Welt entwickelt.