Die Neurose findet ihre Heimat in der Verzweiflung der Menschen

Die Großstadt, so heißt es, sei ein gefährliches Pflaster für den Fremden. Die Fremdheit, die Undurchsichtigkeit schafft Angst und Abenteuer. Alle diese Effekte gehen darauf zurück, dass die Großstadt, eben wie Babylon, die große Hure ist. Der vagen Behauptung, die Großstadt erzeuge Neurosen, erwidert Alexander Mitscherlich mit einer auf viel Erfahrung sich stützenden Gegenbehauptung, dass […]


Das Internet ist ein Schauplatz von Mobbing und Hetzkampagnen

So wie das Internet jetzt ist, versagt es. Die digitale Revolution hat laut Andrew Keen alles verändert. Seiner Meinung nach wird es nie wieder eine Zeit geben, in der die Menschen offline leben. Aber es wird die Zeit kommen, in der man sich nach einem Leben ohne Internet zurücksehnt. Mit „Internet“ meint Andrew Keen übrigens […]


Herbert Marcuse analysiert Sigmund Freuds Psychoanalyse

Herbert Marcuse behauptet, dass die Theorie von Sigmund Freud veraltet ist. Das Individuum als die Verkörperung von Es, Ich und Über-Ich entspricht nicht mehr der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Herbert Marcuse schreibt: „Die Entwicklung der gegenwärtigen Gesellschaft hat das Freudsche Modell durch ein soziales Atom ersetzt, dessen seelische Struktur nicht mehr die Qualitäten aufweist, die Freud dem […]


Erich Fromm begibt sich auf die Spur des Menschen

Erich Fromm

Erich Fromm stellt sich die Frage, was die Menschen tun können, um eine technologische Gesellschaft zu humanisieren. Um eine Antwort zu finden, muss man sich zuerst allerdings damit beschäftigen, was es eigentlich heißt, menschlich zu sein. Der Mensch war, und ist es noch immer, leicht dazu zu verleiten, eine bestimmte Form des Menschseins als dessen […]


Der Rang in der Hierarchie wird über Statussymbole ausgedrückt

Schon im Jahr 1974 stellt der amerikanische Ökonom Richard Easterlin die Frage, ob höhere Einkommen für alle, wenn sie nur gerecht verteilt wären, auch das Glück aller mehren würden. Er beantwortete diese Frage mit einem klaren Nein. Denn wenn die Menschen alle gleichzeitig reicher werden, verschieben sich auch die Ansprüche in einer Gesellschaft. Die Zufriedenheit […]


Ein natürliches Zeitmanagement macht die Menschen belastbar

Wake up

Die meisten Menschen haben den natürlichen Umgang mit der Zeit eingebüßt. Peter Spork nennt als Beispiele die Sommerzeit, die Schichtarbeit und den Schulbeginn um 8 Uhr. Damit die Menschen wieder im Einklang mit dem Rhythmus der Natur leben können, hat Peter Spork einen 8-Punkte-Plan entworfen, in den er die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft integriert hat. […]


Depressionen verursachen pro Jahr Kosten in Milliardenhöhe

Rund vier Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer Depression. Für sie ist das Leben nur noch grau und trist. Stephan Grünewald, Mitbegründer des Marktforschungsunternehmen Rheingold, hat durch eine Studie herausgefunden, dass Depression immer noch ein Tabuthema ist: „Die Furcht, sich in seiner Praxis einem Arzt oder Psychologen zu öffnen, ist groß, weil die Betroffenen […]


Keine menschliche Existenz verläuft ohne Sinnkrisen

Philosophie Magazin_02_2015

Das aktuelle Philosophie Magazin 02/2015 beschäftigt sich in seinem Titelthema mit der Frage: „Machen uns Krisen stärker?“ Krisen sind immer Wendepunkte im Leben eines Menschen. Das Philosophie Magazin beantwortet die Frage, woran es sich entscheidet, ob ein Individuum an ihnen zerbricht oder wächst. Friedrich Nietzsche behauptet: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“ Seiner Meinung […]


Die Kultur des Rokoko bevorzugt die Sphäre des Weiblichen

Rokoko

Im 18. Jahrhundert nehmen die leidenschaftlichen Versuche kein Ende, die überkommenen Ordnungen und Einrichtungen auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens zu reformieren, die verkrusteten Traditionen in der Politik, den Wissenschaften und Künsten aufzulösen und das Festgefahrene wieder in Fluss zu bringen. Diese Innovationen vollziehen sich in mehreren Phasen an den höfischen Zentren und […]


John Stuart Mill plädiert für die Freiheit des Menschen

John Stuart Mill plädiert in seinem Essay „Über die Freiheit“ in zweifacher Hinsicht für die individuelle Freiheit des Menschen. Erstens geht ihm in seiner Schrift darum, die Autonomie von persönlichen Handlungen und Meinungsäußerungen gegenüber Einschränkungen des Staates zu verteidigen. Zweitens möchte er den Entfaltungsspielraum eines Menschen gegenüber dem Druck der öffentlichen Meinung sichern. Mill kämpft nicht nur für eine größtmögliche politische Freiheit des Menschen, sondern plädiert darüber hinaus auch für die Notwenigkeit, starke und selbstbewusste Persönlichkeiten zu entwickeln, die innerlich so frei sind, dass sie dem Anpassungsdruck der Öffentlichkeit standhalten können.


Die meisten guten Freundschaften sind gleichgeschlechtlich

Was Freundschaft ist, wird laut Wilhelm Schmid zunächst von herkömmlichen und gegenwärtig gängigen Vorstellungen im sozialen Umfeld bestimmt. Dabei spielen das gegenseitige Vertrauen, das Verständnis füreinander, Verlässlichkeit, Wahrhaftigkeit und Mitgefühl eine große Rolle. Wilhelm Schmid erklärt den Unterschied von Freundschaften in früheren Zeiten und in den Gesellschaften der Gegenwart: „War die Art und Weise der […]


Pisa und andere Tests konstruieren nur Bildungskatastrophen

Geisterstunde

Konrad Paul Liessmann behauptet in seiner Streitschrift „Geisterstunde“, dass niemand mehr weiß, was Bildung ist, aber alle ihre Reform fordern. Was sich aktuell in Klassenzimmern und Unihörsälen, in Seminarräumen und Redaktionsstuben vollzieht, unterzieht Konrad Paul Liessmann einer scharfen und pointierten Kritik. Trotz seines Tadels verfolgt der Autor aber ein ernstes Anliegen: der Bildung und dem […]


Ständiges Wachstum macht die Menschen nicht zufriedener

Gerhard Schick stellt sich die Frage, ob die Menschen nicht immer mehr eingespannt sind in ein Hamsterrad wirtschaftlicher Entwicklung, das zwar mehr produziert, aber den Wohlstand des Einzelnen nicht mehrt, ihn nicht glücklicher macht, sondern ihm sogar schadet. In den letzten Jahrzehnten wurde den Menschen immer wieder eingebläut: „Wachstum schafft Wohlstand.“ Die meisten Deutschen konzentrieren […]


Woody Allens Filme kosten weit unter 20 Millionen Dollar

Der amerikanischen Regisseur Woody Allen erhält auch im Alter von 79 Jahren noch immer aus vielen Ländern Finanzierungsangebote für seine Filmprojekte. In den letzten Jahren erreichten ihn Anfragen aus Brasilien, Argentinien, Schweden, Russland und China. Woody Allen braucht im Vergleich zu den Hollywoodproduktionen nicht viel Geld für seine Filme – weit unter 20 Millionen Dollar. […]


Aggression und Gewalt sind in der Gesellschaft allgegenwärtig

Die reuelose Gesellschaft

Als Psychoanalytikerin weiß Rotraud A. Perner, dass Drohungen partiell vorweggenommene Aggressionen sind. In Sprache verpackt hört sich die, zwar noch zivilisiert an, aber der darin versteckte nonverbale Inhalt soll neuronale Reaktionen auslösen, deren Potential in der frühen Kindheit vermittelt wurde. Auch ohne Worte, manchmal sogar entgegen dem, was gesagt wurde, erkennen manche Menschen oft nur […]


Größerer Reichtum führt nicht automatisch zu mehr Glück

In jedem Land sind reiche Menschen im Schnitt glücklicher als arme. Aber die Bandbreite, wie glücklich sich Menschen fühlen, ist groß, und Reichtum erklärt nur einen sehr kleinen Teil dieser Unterschiede. Auf die Frage, was denn wichtiger als Geld wäre, antwortet Richard Layard: „Die Beziehungen der Menschen, ihr Familienleben. Die Frage, ob sie einen Job […]


Die Geschichte Deutschlands ist im 20. Jahrhundert zweigeteilt

Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert

In Deutschland ist das 20. Jahrhundert von zwei Weltkriegen, einer gescheiterten Demokratie, der Hitler-Diktatur und dem Holocaust geprägt. Und vierzig Jahre war Deutschland ein geteiltes Land. Wer dagegen heute von Deutschland spricht, denkt unter anderem an den Sozialstaat, Wohlstand, Liberalisierung, Globalisierung, eine erfolgreiche Demokratie und die längste Friedensperiode in der europäischen Geschichte. Das Projekt Europa […]


Ulrich Greiner beschreibt die außergewöhnliche Macht der Blicke

Fast jeder Mensch kennt auf irgendeine Art und Weise die große Macht der Blicke. Im schönsten Fall enthüllt sich in ihnen eine jäh erwachte Liebe, und es mag gut sein, dass in einem solchen Gewitter der Gefühle auch eine Spur von Scham mitschwingt, verbunden mit einem Erröten der Wangen, weil das Geständnis der Liebe über […]


Industriell erzeugte Lebensmittel verursachen Krankheiten

Machtwirtschaft - nein danke!

Fast jeder kennt das Gefühl, sich nach dem Kauf eines Produktes geärgert zu haben, weil man es gekauft hat. Dabei gibt es Einzelfälle, die es immer wieder geben wird, wenn beispielsweise das gekaufte Obst nicht reif ist. Was Gerhard Schick dagegen beobachtet, ist, dass es ganze Bereiche gibt, in denen – häufig für den Kunden […]


David Hume will die Gelehrten über die Gesellschaft aufklären

Vom schwachen Trost der Philosophie

Die gebildete Welt, der Teil der Menschheit, der nicht in den Verrichtungen des kreatürlichen Lebens aufgeht, sondern sich geistigen Beschäftigungen widmet, lässt sich laut David Hume in die gelehrte Welt und in die Welt der Konversation einteilen. Zur gelehrten Welt zählt, wer sich den höheren und schwierigeren geistigen Unternehmungen verschreiben hat, die Einsamkeit und Muße […]


Wolfgang Streeck hat dem Kapitalismus nie über den Weg getraut

Wolfgang Streeck_Gekaufte Zeit

Wolfgang Streeck ist einer der bedeutendsten Sozialforscher Deutschlands. Der Zusammenbruch der Lehman-Bank am 15. September 2008 hat aus ihm einen enttäuschten Pessimisten gemacht, der zuvor nur als Skeptiker von sich reden machte. Kein anderer Sozialwissenschaftler außerhalb der Wirtschaftswissenschaften hat sich in seinem Leben so intensiv mit dem Kapitalismus beschäftigt wie Wolfgang Streeck. Er hat dieses […]


Alexander Mitscherlich analysiert den Prozess der Anpassung

Alexander Mitscherlich

Die Psychologie und Sozialpsychologie versteht unter Anpassung keineswegs den Vorgang einer einseitigen Unterwerfung des Individuums unter herrschende soziale und natürliche Bedingungen, sondern das Verhältnis einer gelungenen Einordnung im Sinne passiver Übernahme des Verhaltensstiles – etwa durch die Erziehung – im Zusammenspiel mit der aktiven Entfaltung der Eigenschaften des Einzelnen. Alexander Mitscherlich erklärt: „Ein wirklich sozial […]


Robert Pfaller klärt über die Kunst des klaren Wollens auf

Für viele Menschen ist es heutzutage sehr schwer, zu wissen, was sie eigentlich wollen. Das liegt unter anderem daran, dass die Individuen heute viel mehr Möglichkeiten haben als noch vor sehr kurzer Zeit, zumindest in den westlichen Gesellschaften. Es ist aber laut Robert Pfaller nicht die Zahl der Wahlmöglichkeiten, die eine Person überfordert, sondern es […]


Die Philosophin Rahel Jaeggi denkt über das “wahre Selbst” nach

Viele Menschen kennen das Gefühl: „Nicht ich lebe mein Leben, sondern mein Leben lebt mich.“ Für Rahel Jaeggi sind die meisten Individuen in der heutigen Gesellschaft nicht direkt fremdbestimmt. Sie gibt zwar zu, dass es im Kapitalismus unbestritten Formen gezielter Einflussnahme auf menschliche Wünsche gibt – Manipulation durch Werbung zum Beispiel, die mein Verlangen nach […]


Das Gegenteil des Denkens ist die Gedankenlosigkeit

Philosophie Magazin

Im neuen Philosophie Magazin Nr. 6/2014 für die Monate Oktober/November beschäftigt sich das Titelthema mit „Denken lernen“. Denn denken zu können unterscheidet den Menschen mutmaßlich von allen anderen Lebewesen. Für die Philosophin Hannah Arendt ist beispielsweise die Fähigkeit zu denken, weder an eine besonders hohe Intelligenz oder Begabung gebunden, noch steht sie in einem direkten […]