Joseph Stiglitz erklärt die Weltwirtschaftskrise

In seinem Buch „Im freien Fall“ beschreibt der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stieglitz wie es zur weltweiten Wirtschaftskrise, die im Herbst 2008 ausbrach, kommen konnte. Für ihn ist klar, dass falsche Anreize, entfesselte Märkte und eine ungerechte Verteilung des Wohlstands, die Welt beinahe in den Abgrund gerissen haben. Begonnen hatte die Weltwirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten von Amerika. Joseph Stieglitz fordert die Manager, Banker und Politiker auf, beim Abflauen der Krise nicht wieder zur gewohnten Tagesordnung überzugehen, sondern ein neues globales Wirtschafts- und Finanzsystem aufzubauen.

Der Kapitalismus braucht Schutz vor den Kapitalisten

Raghuram Rajan hat sich eine kaum zu lösende Aufgabe vorgenommen: Er will den Kapitalismus vor den Kapitalisten retten. Und dennoch, wenn das einer schaffen könnte, dann er. Denn die Finanzkrise hat er so gut verstanden wie kaum ein anderer. Der Ökonom kümmert sich nicht um den Streit zwischen Keynesianismus und Neoklassik oder Monetarismus. Er hat eine eigenständige Theorie der Finanzkrise entwickelt. Zu den Faktoren, die zur weltweiten Wirtschaftskrise führten, zählt er gleichermaßen die Untaten der Manager, das Versagen der Politiker und die Armut auf der Welt.

Die Symbiose zwischen Staaten und Märkten

Lange Zeit funktionierte die Beziehung zwischen den Staaten und den Wirtschaftsmärkten hervorragend. Weil die Staaten Sozialpolitik gegen die Kälte der Märkte betreiben, sind sie auf das Geld der Finanzmärkte angewiesen. Doch die Weltwirtschaftskrise zeigt allzu deutlich, dass die heilige Allianz nicht mehr funktioniert. Da die Staaten ihren Bürgern immer mehr Wohltaten zur Verfügung stellen wollten, mussten sie für die öffentlichen Leistungen auch immer mehr Schulden aufnehmen. Das Geld für die Straßen, Schulen, Pensionen und Renten holt sich der Staat von den Finanzmärkten und privaten Anlegern, die Staatsanleihen kaufen, aber nicht von seinen Steuerzahlern.

In Deutschland fühlt sich die Mittelschicht bedroht

Die deutsche Gesellschaft entwickelt sich infolge der Weltwirtschaftskrise immer mehr in eine Gesellschaft, in der Menschen aus der Mittelschicht ganz schnell nach unten bis zu Hartz IV durchgereicht werden können. Keiner kann sicher sein, es im Leben zu etwas gebracht zu haben, denn ganz schnell kann er wieder zu den Gestrandeten gehören, weil der globale Kapitalismus seinen Arbeitsplatz vernichtet hat.

Die Zyklen des Nikolai Kondratieff

Diese Basisinnovationen waren laut Nikolai Kondratieff deshalb so entscheidend für die Entwicklung der Wirtschaft, weil sie Produktionsschübe auslösten. Der berühmte Ökonom Joseph Schumpeter hat diesen langen Wellen den Namen „Kondratieff-Zyklen“ gegeben. Laut vorherrschender Meinung gibt es bislang folgende fünf Zyklen: 1800 bis 1850 die Dampfmaschine, 1850 bis 1900 die Eisenbahn, 1900 bis 1950 die Elektrotechnik, 1950 bis 1990 das Auto und seit 1990 der Zyklus der Informationstechnik.

Der Staat muss die Banken verstaatlichen

Wirtschaftsforscher und Politiker sind sich einig, dass die Finanzkrise noch nicht bewältigt ist. Um die drohende Kreditklemme abzuwenden, müsse der deutsche Staat Banken verstaatlichen, forderte der Chef des Ifo-Instituts auf dem „Führungstreffen Wirtschaft“ der Süddeutschen Zeitung. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist sich dem Ernst der aktuellen Lage voll bewusst: „Die Krise wird die Welt [...]