Susan Pinker: "Das 21. Jahrhundert gehört den Frauen"

Die Psychologin und Bestsellerautorin Susan Pinker macht sich Sorgen um die Männer von morgen. Unter ihnen werden sich ihrer Meinung nach viele Verlierer befinden. Schon jetzt gibt es deutlich mehr auffällige Jungen als Mädchen – Jungen leiden häufiger unter Konzentrations- und Lernschwächen sowie der Unfähigkeit im sozialen Umgang mit anderen Menschen. Susan Pinker behauptet, dass das 21. Jahrhundert den Frauen gehören wird, da die Mädchen die Jungs schon jetzt abhängen, nicht nur an der Schule, sondern auch an der Universität.

Die Frau ist nicht das Abziehbild des Mannes

Zurück bleibt eine beunruhigende Zahl junger Männer, die vielfältige Probleme haben. Dazu bestätigen alle wissenschaftlichen Studien aus dem Bereich, dass sich die Gesellschaft besser um den männlichen Nachwuchs kümmern muss. Die Psychologin macht vor allem die genetischen Unterschiede zwischen Männer und Frauen für diese Entwicklung verantwortlich.

Sie verweist dabei auf neueste Studien der Neurowissenschaften, die deutlich zeigen, dass die Frau nicht das Abziehbild des Mannes ist. Sondern es gibt angeborene Unterschiede, auch wenn die Vorstellung abschreckt, weil sie lange als Vorwand für die Unterdrückung der Frau missbraucht wurde.

Susan Pinker: “Der Chefsessel ist den meisten Frauen nicht wichtig”

Susan Pinker macht die Hormone dafür verantwortlich, dass Jungs lieber mit Autos spielen und Mädchen eher mit Puppen. Bei den Männern spielt das Testosteron eine bedeutende Rolle, es macht sie angriffslustig, aggressiv und kampfbereit. Frauen werden vom Hormon Oxytozin gesteuert, wodurch sie sich gut in andere Menschen einfühlen können und Mitgefühl für sie aufbringen. Schon im Säuglingsalter faszinieren Mädchen eher Gesichter, während Jungs eher auf ein mechanisches Pendel reagieren.

Die Frauenversteherin Susan Pinker ist davon überzeugt, dass es eine weibliche Natur gibt, die dafür verantwortlich ist, dass weniger Frauen als Männer Karriere machen. Nur zehn bis fünfzehn Prozent der Frauen wollen sich bis an die Spitze durchbeißen – die meisten sind nicht bereit dafür soviel zu opfern wie Männer das tun. Die Frauen beschäftigen sich in der Regel lieber mit Dingen, die ihnen wichtig sind. Der Chefsessel ist den allermeisten Frauen nicht wichtig.

Männer setzen alles auf eine Karte: Karriere, Macht und Geld

Die Psychologin verurteilt strikt die These, dass Frauen an den Herd gehören. Ihrer Meinung nach sollen die Frauen natürlich Karriere machen, wenn sie dazu Lust verspüren. Aber die Gesellschaft muss aufhören, den Mann als Standard zu sehen. Denn Männer setzen alles auf eine Karte, auf der geschrieben steht: Karriere, Macht und Geld. Bei den Frauen steht daneben noch einiges mehr, das ihnen genauso wichtig erscheint.

Susan Pinker sorgt sich dennoch um die Jungen, obwohl die Chefetagen überwiegend in Männerhand bleiben werden. Der Grund ist folgender: Kampfgeist und Wagemut verhelfen Männern zu spektakulären Erfolgen, aber auch zu Rekordzahlen bei Selbstmorden und Unfällen, bei Arbeitslosen und Schulabbrechern. Männer sind meist ganz oben oder ganz unter – Frauen bewegen sich überwiegende im Mittelfeld. Um die da unten kümmert sich und interessiert sich niemand.

Kurzbiographie: Susan Pinker

Die Kanadierin Susan Pinker, 52, ist Entwicklungspsychologin, Bestsellerautorin und Zeitungskolumnistin. International bekannt wurde sie mit ihrem berühmtesten Buch „The sexual paradox“, das in Deutsch unter dem Titel „Begabte Mädchen, schwierige Jungs – der wahre Unterschied zwischen Männern und Frauen“ erschienen ist. 25 Jahre behandelte die Psychologin verhaltensauffällige Kinder. Eine Zeitlang lehrte sich außerdem als Dozentin and er McGill-Universität in Montreal. Susan Pinker lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Montreal.

Von Hans Klumbies

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