Sigmund Freud erklärt das Wesen der Zwangsneurose

Die Zwangsneurose äußerst sich laut Sigmund Freud darin, dass die Kranken von Gedanken beschäftigt werden, für die sie sich eigentlich gar nicht interessieren, Impulse in sich verspüren, die ihnen sehr fremdartig vorkommen oder zu Handlungen veranlasst werden, deren Ausführung ihnen zwar kein Vergnügen bereitet, deren Unterlassung ihnen aber ganz unmöglich ist. Die Gedanken beziehungsweise Zwangsvorstellungen können an sich unsinnig sein oder auch für den Betroffenen gleichgültig, oft sind sie ganz und gar läppisch, in allen Fällen sind sie aber gemäß Sigmund Freud der Ausgang einer angestrengten Denktätigkeit, die den Kranken erschöpft, weshalb er auch nur ungern diesen Gedanken nachgeht. Sigmund Freud erklärt: „Er muss gegen seinen Willen grübeln und spekulieren, als ob es sich um seine wichtigsten Lebensaufgaben handelte.“

Der harmlose Charakter von Zwangshandlungen

Die Impulse, die der Kranke verspürt, können gleichfalls einen kindischen und unsinnigen Eindruck machen, meist haben sie laut Sigmund Freud aber den schreckhaftesten Inhalt wie Versuchungen zu schweren Verbrechen, so dass der Kranke sie nicht nur als fremd verleugnet, sondern entsetzt vor ihnen flieht und sich durch Verbote, Verzichte und Einschränkungen seiner Freiheit vor ihrer Ausführung schützt. Sigmund Freud schreibt: „Dabei dringen sie niemals, aber wirklich kein einziges Mal, zur Ausführung durch; der Erfolg ist immer, dass die Flucht und die Vorsicht siegen.“

Was der Kranke wirklich ausführt, die so genannten Zwangshandlungen, sind für Sigmund Freud sehr harmlose, sicherlich geringfügige Dinge, meist Wiederholungen, zeremoniöse Verzierungen an Tätigkeiten des gewöhnlichen Lebens, wodurch sich aber diese notwendigen Verrichtungen wie zum Beispiel das ins Bett gehen, das Waschen oder Spazierengehen zu höchst langwierigen und kaum lösbaren Aufgaben verwandeln.  

Ein Zwangsneurotiker kann seinen Zwang nicht selbst aufheben

Sigmund Freud erklärt: „Die krankhaften Vorstellungen, Impulse und Handlungen sind in den einzelnen Formen und Fällen der Zwangsneurose keineswegs zu gleichen Anteilen vermengt; vielmehr ist die Regel, dass das eine oder das andere dieser Momente das Bild beherrscht und der Krankheit den Namen gibt, aber das gemeinsame dieser Formen ist unverkennbar genug.“ Sigmund Freud bezeichnet die Zwangsneurose als „tolles“ Leiden, denn selbst der ausschweifendsten psychiatrischen Phantasie wäre es nicht gelungen, etwas Vergleichbares zu konstruieren.  

Was sich bei der Zwangsneurose zur Tat durchsetzt, wird gemäß Sigmund Freud von einer Energie getragen, für die einen Gesunden wahrscheinlich der Vergleich aus dem normalen Seelenleben abgeht. Sigmund Freud schreibt über den Zwangsneurotiker folgendes: „Er kann nur eines: verschieben, vertauschen, anstatt der einen dummen Idee eine andere, irgendwie abgeschwächte setzen, von einer Vorsicht oder Verbot zu einem anderen fortschreiten, anstatt des einen Zeremoniells ein anderes ausführen. Er kann den Zwang verschieben, aber nicht aufheben.“

Sigmund Freud: Kurzbiographie

Sigmund Freud wurde 1856 in Freiberg in Mähren geboren. Im Alter von vier Jahren kam er nach Wien. 1873 schrieb er sich an der Wiener Universität als Medizinstudent ein. Nach dem Studium arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, wo er sich auf Zerebralanatomie spezialisierte. 1893 verfasste er zusammen mit dem Psychologen Josef Breuer Studien über die Hysterie. Im Jahr 1902 wurde Sigmund Freud zum Professor für Psychopathologie an der Wiener Universität ernannt.

Zwei seiner Bücher „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ und „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ erschienen 1905. Die Psychoanalyse entwickelte sich zu einem internationalen Phänomen. Das erste große Treffen von Psychoanalytikern aus aller Welt fand 1908 in Wien statt. Im Jahr 1920 veröffentlicht Sigmund Freud „Jenseits des Lustprinzips“, 1922 „Das Ich und das Es“, 1925 „Selbstdarstellung“ und 1927 „Die Zukunft einer Illusion“. Von den Nazis vertrieben, floh Sigmund Freud mit seiner Familie nach London, wo er 1939 an Gaumenkrebs starb.

Von Hans Klumbies

 

 

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