Sigmund Freud analysiert das Unbewusste

Das Buch „Die Traumdeutung“, das Sigmund Freud schrieb, als er bereit Mitte vierzig war, wurde eines der einflussreichsten Werke in der Geschichte. „Die Traumdeutung“ ist eine medizinische und wissenschaftliche Annäherung an ein Thema, dass sich bisher einer Analyse entzogen hatte. Sigmund Freud schuf damit die Wissenschaft vom Unbewussten. Der Mediziner und Wissenschaftler glaubte nicht, dass Träume mit sinnlichen Reizen zu erklären sind, denn viele Träume enthalten zu viele ethische und moralische Bestandteile, als dass sie auf rein physische Ursachen zurückzuführen wären. Sigmund Freud erkannte als erster, dass die Trauminhalte seiner psychotischen Patienten etwas über deren Geisteszustand aussagten und wie andere Symptome deutbar waren.

Fast alle Träume sind Wunscherfüllungen

Bevor er „Die Traumdeutung“ schrieb, hatte Sigmund Freud über 1.000 Träume analysiert. Er kam dabei unter anderem zu folgenden Schlussfolgerungen: Träume beziehen sich vorzugsweise auf Erinnerungen aus den letzten Tagen, können allerdings auch bis auf frühe Kindheitserinnerungen zurückgehen. Träume spiegeln meistens nicht große Ereignisse, sondern das Triviale oder Unbemerkte.

Sie weisen ein einheitliches Motiv auf und bündeln Menschen, Ereignisse und Empfindungen in eine zusammenhängende Geschichte. Träume handeln stets vom Ich, können mehrere Bedeutungsebenen haben und viele Ideen in einem einzelnen Bild vereinen. Fast alle Träume sind Wunscherfüllungen, das heißt sie decken einen tief verwurzelten Plan oder eine Sehnsucht auf, die auf Erfüllung wartet. Der Wunsch kann auch aus der frühesten Kindheit stammen.

Die Menschen unterdrücken ihre Wünsche

Als Sigmund Freud der Frage nachging, warum die Wünsche im Traum so verschleiert dargestellt werden, kam er zu dem Schluss, dass viele Wünsche der Menschen unterdrückt sind und nur eine Chance haben ins Bewusstsein vorzudringen, wenn sie sich irgendwie maskieren. Ein Traum zeigt oft das Gegenteil von dem, was sich ein Mensch wünscht.

Das Individuum wehrt sich gegen viele seiner Wünsche oder hält sie lieber bedeckt. Der Grund für das schnelle Vergessen der Träume liegt für Sigmund Freud darin, dass das bewusste Ich, das Unbewusste im Wachzustand abwehrt. Träume können auch Botschaften vermitteln, die vom wachen Ich unterdrückt werden.

Sigmund Freud erfindet die Gesprächstherapie

Nicht nur als Begründer der Wissenschaft des Unbewussten gelangte Sigmund Freud zu Weltruhm. Er gilt ebenso als Erfinder der Gesprächstherapie, da er seinen Patienten zuhörte und deren Gedanken analysierte. Er erkannte als erster, dass die Menschen von ihrem irrationalen Inneren sabotiert werden können.

Doch sein größter Verdienst liegt wohl darin, dass er die Psychologie zu einem Thema gemacht hat, die durch seine Schriften für jeden Menschen faszinierend und zugänglich geworden ist.

Sigmund Freud: Kurzbiographie

Sigmund Freud wurde 1856 in Freiberg in Mähren geboren. Im Alter von vier Jahren kam er nach Wien. 1873 schrieb er sich an der Wiener Universität als Medizinstudent ein. Nach dem Studium arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, wo er sich auf Zerebralanatomie spezialisierte. 1893 verfasste er zusammen mit dem Psychologen Josef Breuer Studien über die Hysterie. 1902 wurde Sigmund Freud zum Professor für Psychopathologie an der Wiener Universität ernannt.

Zwei seiner Bücher „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ und „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ erschienen 1905. Die Psychoanalyse entwickelte sich zu einem internationalen Phänomen. Das erste große Treffen von Psychoanalytikern aus aller Welt fand 1908 in Wien statt. 1920 veröffentlicht Sigmund Freud „Jenseits des Lustprinzips“, 1922 „Das Ich und das Es“, 1925 „Selbstdarstellung“ und 1927 „Die Zukunft einer Illusion“. Von den Nazis vertrieben, floh Sigmund Freud mit seiner Familie nach London, wo er 1939 an Gaumenkrebs starb.

Von Hans Klumbies

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