Shirley P. Glass rät zwanghafte Gedanken aufzuschreiben

Es ist wichtig zu begreifen, dass zwanghaftes Denken keine krankhafte Reaktion auf ein Trauma ist. Es ist eine normale Reaktion. Shirley P. Glass rät: „Schreiben Sie ihre Gedanken auf. Aufschreiben liefert Ihnen ein Ventil, das ihnen beim „Loslassen“ hilft, zumindest für eine Weile. Nachdem Sie Ihre Gedanken dem Papier anvertraut haben, müssen Sie nicht länger Ihr Gehirn damit verstopfen.“ Aufschreiben bietet einen sicheren Weg, Gedanken und Gefühle auszudrücken und zu erforschen, ohne sich darum kümmern zu müssen, wie sie sich auf andere Menschen auswirken. Man muss sich dabei selbst die Erlaubnis erteilen, die Gedanken unzensiert niederzuschreiben und der eigenen Besessenheit bis an den Rand der Erschöpfung nachzugeben. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.

Das Schreiben eines Tagebuchs kann das Immunsystem stärken

Im Laufe dieses Prozesses kann man neue Einsichten gewinnen, den eigenen Standpunkt klären, Themen herausfinden, die man weiterverfolgen will und neue Stärken entdecken – und das alles frei und ungestört. Den Heilungsprozess bei traumatischen Erfahrungen kann man auch fördern, indem man seine Gedanken und tiefsten Gefühle in einem Tagebuch festhält. Man kann zu einer regelmäßigen Uhrzeit schreiben oder wann immer man mag. Dadurch wird das Immunsystem gestärkt, die Besuche beim Arzt werden seltener und die physische Gesundheit wird verbessert.

Für Fragen gilt das Gleiche. Shirley P. Glass rät: „Jedes Mal, wenn Sie zwanghaft über unbeantwortete Fragen nachgrübeln, scheiben Sie sie auf. Bewahren Sie die Liste an einem sicheren Ort auf.“ Man kann seine Gedanken auch durch unterschiedliche Techniken kontrollieren, ihnen zum Beispiel einen bestimmten Tageszeitpunkt zugestehen, sich mit anderen Gedanken ablenken oder sich selbst den Befehl geben, sie aus dem Gehirn zu verbannen. Es ist auch ratsam, sich bestimmte Zeiten festzulegen, in denen man sich Sorgen machen darf.

Flashbacks treten ohne jede Vorwarnung auf

Wer sich auf diese Weise selbst beschränkt, wird verhindern, dass seine Sorgen alle seine anderen Lebensbereiche vergiften. Man kann also zwanghafte Gedanken, zumindest bis zu einem gewissen Grad kontrollieren, doch Flashbacks sind unfreiwillige, lebhafte Bilder, die traumatische Momente unerwartet wieder aufleben lassen. Sie können mit visuellen, auditiven, olfaktorischen oder physikalischen Empfindungen verbunden sein. Flashbacks können durch jeden Reiz ausgelöst werden, der mit einer traumatischen Erfahrung verknüpft ist.

Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Reiz bewusst ist oder nicht. Flashbacks sind verstörend, denn sie treten spontan, ohne jede Vorwarnung auf. Das tägliche Leben ist für einen traumatisierten Menschen ein Minenfeld, in dem alles ein Auslöser sein kann. Wenn man einen Flashback hat, spielt es keine Rolle, dass die Wahrheit mittlerweile bekannt ist und die Dinge wieder im richtigen Gleis laufen. Man erlebt das traumatische Geschehen erneut, beinahe so, als wäre es das erste Mal. Auch muss man damit rechnen, dass Flashbacks immer wieder auftreten werden. Quelle: „Die Psychologie der Untreue“ von Shirley P. Glass

Von Hans Klumbies

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