Serge Latouche geißelt die Maßlosigkeit des Wirtschaftssystem

Laut Professor Dominique Belpomme (französischer Krebsforscher) sind fünf Szenarien denkbar, wie die Menschheit aussterben könnte: Erstens durch einen gewaltsamen Selbstmord wie etwa einem Atomkrieg. Zweitens durch den Ausbruch extrem schwerer Krankheiten, wie zum Beispiel einer Pandemie oder Unfruchtbarkeit aufgrund eines nicht reversiblen demografischen Verfalls. Drittens durch die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen. Viertens durch die Zerstörung der Artenvielfalt und fünftens durch die extremen physikalisch-chemischen Veränderungen der anorganischen Umwelt wie das Verschwinden des stratosphärischen Ozons und den zunehmenden Treibhauseffekt. Für Serge Latouche gehen solche Überlegungen an dem Hauptproblem vorbei: „Der Logik der Maßlosigkeit unseres Wirtschaftssystems.“ Serge Latouche ist ein französischer Ökonom und Philosoph, Professor a.D. der Universität Paris-XI und gilt als einer der Vertreter des Konzepts der Rücknahme des Wirtschaftswachstums.

Die Ideologie des Wachstums führt ins Verderben

Serge Latouche kritisiert den übermäßigen Fleischkonsum der Reichen, der die Ursache zahlreicher Krankheiten und ökologischer Schäden ist. Durch ihn werden über ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der Erde für die Produktion von Viehfutter verwendet. Ein Zurückfahren der Viehzucht, mit der auch eine bessere Behandlung der Tiere möglich wäre, würde seiner Meinung nach die Ernährung von noch mehr Menschen auf eine dazu noch gesündere Art und Weise ermöglichen und die CO2-Emissionen vermindern.

„Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung“, schreibt Frans de Waal (niederländischer Zoologe und Verhaltensforscher), „stellt sich nicht so sehr die Frage, wie wir mit der drangvollen Enge umgehen, sondern ob wir die Ressourcen fair und gerecht verteilen können.“ Das ist die Herausforderung, vor die die Menschheit die Abkehr von der Ideologie des Wachstums stellt. In der Zeit des Wirtschaftswunders war es kaum möglich, die schädlichen Folgen von Wachstum und Entwicklung anzuprangern, es sei denn im Süden, wo sie zum Verfall der lokalen Kultur, der Einebnung von Unterschieden und zu Verarmung führten.

Die Globalisierung zerstört Lebenskultur

Obwohl laut Serge Latouche in der Konsumära des Nordens nicht von wirtschaftlicher Verarmung geredet werden konnte, nahmen Kulturverlust und Entpolitisierung rasant zu. Die Zerstörung von Städten in Friedenzeiten und die damit verbundene Verdrängung der neuen Mittelschichten und Immigranten an die Peripherie, zunehmende Macht und wachsender Einfluss der Massenvermarkter wie Supermärkte und Einkaufszentren, des Autos und des Fernsehens untergruben zunächst unbemerkt den zivilgesellschaftlichen Bürgersinn.

Es wurde quasi eine unsichtbare Parallelgesellschaft geschaffen, ohne eigene Stimme, die sich bereitwillig durch skrupellose Medien mit Verbindungen zu multinationalen Konzernen beeinflussen ließ. Serge Latouche ergänzt: „Die Globalisierung vollendete die Zerstörung der Lebenskultur, indem sie die Menschen bewog, aus den Innenstädten wegzuziehen, und den Sozialabbau förderte. Diese Entwicklungen haben einer populistischen, korrupten, wenn nicht sogar kriminellen politischen Klasse den Weg geebnet.“ Quelle: „Es reicht!“ von Serge Latouche

Von Hans Klumbies

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