Schwarzarbeit – Liechtenstein des kleinen Mannes

Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland gleichen ihre Einkommensverluste durch Schwarzarbeit aus. In der Reinigungsbranche, auf dem Bau und in der Pflege wird am meisten illegal gearbeitet. Die Steuermoral der Deutschen zerbröselt in den Zeiten der Wirtschaftskrise. Für das Institut der deutschen Wirtschaft hat die Schwarzarbeit aber nicht nur negative Folgen sondern auch positive Auswirkungen: Der private Konsum wird zusätzlich angekurbelt.

95 Prozent der Haushaltshilfen in Deutschland arbeiten schwarz

Arbeiten, ohne dafür Steuern zu zahlen, ist in Deutschland zum Volkssport geworden. Etwa 20 Prozent der Deutschen gehen irgendeiner Form der Schwarzarbeit nach. Fast jeder dritte Deutsche beschäftigt Schwarzarbeiter und gibt im Jahr dafür etwa 1.000 Euro aus. Außerdem hat das Institut der deutschen Wirtschaft herausgefunden, dass rund vier Millionen Haushalte in Deutschland eine Hilfe beschäftigen, die in 95 Prozent der Fälle schwarzarbeiten.

Der österreichische Ökonom Friedrich Schneider ist ganz sicher: „In der Rezession boom die Schwarzarbeit wie lange nicht.“ Der Wissenschaftler begründet seine These mit den Einnahmeverlusten der Menschen in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise. Friedrich Schneider behauptet: „Die Arbeitslosigkeit steigt, die Kurzarbeit hat extrem zugenommen, die Überstunden gehen zurück – diese Verdienstverluste versuchen die Leute auszugleichen, indem sie illegal nebenbei Geld verdienen.“

Der Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland beträgt 365 Milliarden Euro

Friedrich Schneider geht davon aus, dass der Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland in diesem Jahr um mindestens 15 Milliarden Euro auf 365 Milliarden Euro gestiegen ist. Dieser Wirtschaftszweig besteht nicht nur aus Schwarzarbeit, sondern auch aus der Beschaffung von Material ohne Rechnung und aus der so genannten Untergrundwirtschaft wie Schmuggel, Drogen- und Menschenhandel und aus verbotenen Glücksspielen und vielem mehr.

Der Wirtschaftsethiker Dominik Enste vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ist davon überzeugt das die Hemmschwelle für Schwarzarbeit in der Krise gesunken ist: „Wenn Banken vom Staat trotz ihrer Verfehlungen in der Finanzkrise viele Milliarden zu ihrer Rettung bekommen, drückt dies auf die Steuermoral.“ Für ihn ist es auch ein Vorurteil, dass Schwarzarbeit besonders unter Arbeitslosen verbreitet ist. Umfragen zeigen vielmehr, dass auch Facharbeiter und Selbstständige häufig schwarzarbeiten.

Eine offizielle Bestätigung für die Zunahme der Schwarzarbeit in Deutschland gibt es allerdings nicht. 6.500 Zollbeamtes sind hierzulande im Kampf gegen die Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung im Einsatz. Den Gesamtüberblick hat die Bundesfinanzdirektion in Köln. Warum es keine konkreten Zahlen gibt, erklärt ein Sprecher der Behörde: „Schwarzarbeit spielt sich im Verborgenen ab. Es liegt deshalb in der Natur der Sache, dass wir keine konkreten Zahlenangaben machen können.“

Von Hans Klumbies

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