Der Tod jedes Glücks ist der Vergleich

Das Vorbild definiert einen Sollwert, dem andere Menschen nacheifern. Dazu ist ein Vergleich nötig: Man ist offensichtlich nicht so, wie man sein sollte. Etwas fehlt im Vergleich zum Vorbild. Das Anerkennen des Vorbildlichen ist also eine vergleichende Handlung. Das es Reinhard K. Sprenger vor allem um die Bedingungen geglückten Lebens geht, bietet er diesen Gedanken an: „Der Tod jedes Glücks ist der Vergleich.“ Er weiß zwar, dass das eine gewagte These ist, die aber dennoch einen Moment des Nachdenkens wert ist. Denn ist gibt das interessante Phänomen, dass einerseits die Individualisierung der wohl bedeutendste gesellschaftliche Gegenwartstrend ist. Andererseits gestalten viele Menschen ihren Lebensentwurf über den Vergleich mit anderen. Reinhard K. Sprenger ist promovierter Philosoph und gilt als einer der profiliertesten Managementberater und Führungsexperte Deutschlands.

Der Vergleich tötet die eigene Einzigartigkeit

Zunächst einmal ist der Moment des Glücks „bewusst-los“. Raum und Zeit sind aufgehoben. Der Mensch befindet sich vollständig „in“ der Situation. Er erhebt sich nicht „über“ sie, hat keine analysierende Distanz. Es ist das absolute „Jetzt“. Und es ist im Regelfall „sprach-los“. Wenn man nicht mehr sprachlos ist, wenn man sagt: „Ich bin glücklich“, dann ist man es eigentlich schon nicht mehr. Man ist dann der Situation entstiegen. Man betrachtet und bewertet sie und schaut auf sie zurück. Man kann streng genommen nur sagen: „Ich war glücklich.“

Und diese Bewertung einer vergangenen, glücklichen Situation findet notwendig über den Vergleich mit der Gegenwart statt, die als weniger glücklich erlebt wird. Sobald ein Mensch vergleicht, gehört das Glück schon der Vergangenheit an. Beim Vergleich wird etwas gleichgesetzt. Aber niemand ist gleich. Jeder ist unvergleichlich. Jeder ist ein Unikat. Wer vergleicht, vergleicht also immer Unvergleichliches wie Äpfel mit Birnen. In einer Welt voller Individuen ist es einfach sinnlos, Vergleiche anzustellen, denn damit meuchelt man die eigene Einzigartigkeit.

Neid verhindert die Zufriedenheit

Der Neid ist allgegenwärtig in den modernen Gesellschaften des Westens. Er vergiftet private Beziehungen und verschlechtert das Klima am Arbeitsplatz. Vor allem verhindert Neid, was alle Menschen sehnlichst erstreben: Zufriedenheit. Wenn ein anderer mehr hat, fehlt einem selbst keineswegs automatisch etwas. Befreiend ist der Umgang mit Menschen, die selbst wissen, was für sie wichtig ist, die ihre Lebensqualität selbst definieren und nicht in Beziehung auf andere. Reinhard K. Sprenger erklärt: „Der einzig zulässige Vergleich ist der Vergleich mit mir selbst.“

Mit sich selbst kann man sich vergleichen: ob man etwas gelernt hat, seinen eigenen Ansprüchen gerecht wurde, seinen selbst gewählten Maßstäben genügte. Reinhard K. Sprenger ergänzt: „Und wenn es mir um Leistung geht: dass ich selbst besser werde, heute besser als früher, dass ich mich selbst übertrumpfe, nicht andere.“ Das hat auch einen weiteren praktischen Vorteil: Das „Ich“ ist ein stabiles, berechenbares Bezugssystem. Man braucht nicht permanent nach anderen Maßstäben zu suchen. Quelle: „Die Entscheidung liegt bei dir! Von Reinhard K. Sprenger

Von Hans Klumbies


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