Der spekulative Realismus vertritt die Existenz eines Absoluten

Der Herausgeber des Buchs „Realismus Jetzt. Spekulative Philosophie und Metaphysik für das 21. Jahrhundert“ Armen Avanessian stellt die vier bedeutendsten spekulativen Realisten vor. Er zählt dazu Quentin Meillassoux, Ray Brassier, Iain Hamilton Grant und Graham Harman. „Wenn man den neuen Realisten oder Materialisten folgt, sind die gegenwärtigen experimentellen Wissenschaften in der Lage, erstmals eine Welt und ein Universum zu beschreiben, das der Emergenz der menschlichen Intelligenz vorausgeht“, schreibt Armen Avanessian in seinem Editorial. Viele Aussagen der zeitgenössischen Physik übersteigen für Quentin Meillassoux schlichtweg die konzeptionellen Möglichkeiten der korrelationistischen Philosophie. Wissenschaftliche Aussagen erfordern seiner Meinung nach deshalb einen spekulativen Materialismus oder Realismus. Er vertritt die These, dass man sich eine Welt ohne Denken vorstellen kann, wodurch ein Absolutes existieren müsste, das nicht auf ein Denken angewiesen ist, sondern unabhängig von jeder kognitiven Bezugnahme existiert.

Qentin Meillassoux denkt das Absolute mit Hilfe des Satzes vom zureichenden Grund

Quentin Meillassoux und seine Mitstreiter lassen sich in ihrer spekulativen Philosophie und Metaphysik von folgender Arbeitsthese leiten: „Wir glauben, dass der Verfall der Metaphysik keine Auswirkungen auf den spekulativen Anspruch hat, gemäß dem Absoluten zu denken, sondern auf den Willen, das Absolute mit Hilfe des Satzes vom zureichenden Grund zu denken.“ Es ist in seinen Augen der Glaube, demzufolge die Dinge einen notwenigen Grund haben, das zu sein, was sie sind, und die Idee, dass eine solche Notwendigkeit uns zu einem Grund der Gründe führen muss, zu einem höchsten, göttlichen oder sonstigen Grund.

Für Iain Hamilton Grant bedingen Kräfte notwendig modale Begriffe, wobei die Objekthaftigkeit nichts anderes als eine Reihe von Potentialen für die Verwirklichung darstellt. Iain Hamilton Grant behauptet: „Die Kräfte verwandeln die Zufälligkeit in eine Ontologie, eine Metaphysik und eine Physik.“ Zweitens bedingen seiner Meinung nach die Kräfte eine Zeitbestimmung, und zwar nicht als die transzendentale Form des inneren Sinns, sondern als dasjenige, was die Veränderung bestimmt.  

Dem Denken ist kein Zugang zum Sein garantiert

Die Philosophie von Graham Harman ist am Objekt orientiert. Er beklagt, dass das Objekt bei vielen Philosophen zum bloßen Slang für irgendeinen Bereich der totalen Konkreszens verkommen ist. Graham Harman erläutert: „Es ist allem beraubt, was nicht im Weltsystem hic und nunc ausgedrückt werden kann, bar jeder Rüstung, jeder Brandmauer und jeder Privatheit.“ Das Objekt wird dadurch seiner Meinung nach in ein unendlich vernetztes Reich aufgelöst. Martin Heidegger und Alfred North Whitehead wirft Graham Harman vor, die Welt auf nichts anderes als ein sich wandelndes System von Beziehungen zu reduzieren.

Ray Brassier vertritt die These, dass dem Denken kein Zugang zum Sein garantiert ist, da das Sein selbst nicht schon denkbar ist. Für ihn gibt es keinen kognitiven Zugang zum Realen, außer durch den Begriff. Ray Brassier erläutert: „Doch das Reale an sich darf nicht mit den Begriffen verwechselt werden, durch die wir es erkennen. Das grundlegende Problem der Philosophie ist, zu verstehen, wie sich diese beiden Aussagen vereinbaren lassen.“ Ray Brassier hält zudem nichts von der Auffassung, dass Bedeutung als ursprünglicher Bestandteil der Realität, wie bei Aristoteles, oder als ursprüngliche Bedingung des Zugangs zur Welt, wie bei Martin Heidegger, geltend gemacht werden kann.

Realismus Jetzt
Spekulative Philosophie und Metaphysik für das 21. Jahrhundert
Armen Avanessian (Hg.)
Verlag: Merve Berlin
Broschierte Ausgabe: 248 Seiten, Auflage: 2013
ISBN: 978-3-88396-285-6,  22,00 Euro
Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Der spekulative Realismus vertritt die Existenz eines Absoluten

  • 1. April 2013 um 11:12
    Permalink

    Schön, dass ihr eine Zusammenfassung postet, aber diejenige zu Meillassoux ist leider ABSOLUT falsch, es ist genau umgekehrt. Meillassoux versucht das Absolute nach seiner Meinung nicht-metaphysisch, sondern spekulativ zu erfassen. Und zwar in rigoroser Ablehnung des Satzes vom Grund. Das Absolute ist für ihn die totale Grundlosigkeit, das Hyperchaos, weil sich das Prinzip vom Grund als „absolut falsch“ herausgestellt hätte.

    Vielleicht solltet ihr das ändern….

    Grüße

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