Rammstein macht Musik für Menschen mit eigenen Gesetzen

Überall wo die deutsche Band Rammstein auftritt, startet sie eine der größten Shows der jüngeren Popgeschichte. Die aktuelle Produktion kostet insgesamt rund eine halbe Million Dollar – pro Abend. Laut Veranstaltungstechniker Thilo Goos ist die Bühne, auf der Rammstein auftritt, eine der größten die momentan im Musikgeschäft auf Tour ist. Thilo Goos hat noch mehr Highlights auf Lager: „Die Anlage hat 380.000 Watt. Es muss dengeln. Es ist Rammstein. Zwei der 24 Trucks hat die US Trucking Company alleine für die  beiden Kraftwerke dabei. Das sind zwei Megawatt-Aggregate, und die ziehen rund 1.000 Liter Diesel pro Show aus dem Tank.“ Zu Rammstein gehören: der Sänger und Texter Till Lindemann, der Gitarrist Paul Landers, der Gitarrist Richard Kruspe, der Bassist Oliver Riedel, der Schlagzeuger Christoph Schneider sowie der Keyboarder Christian Flake Lorenz.

Gute Kunst entsteht ohne Absicht und aus Lust

Für Christian Flake Lorenz ist alles, was aus Anstrengung entsteht, nur Mist. Man braucht sich seiner Meinung nach nur die Musik im Radio anzuhören, den ewig wehleidigen, leiernden, stumpfen Dreck, der noch dazu aus Anstrengung entstanden ist. Gemacht von Musikern und anmoderiert von Radiomachern, die alle ihre Häuser abbezahlen müssen. Der Keyboarder von Rammstein erklärt: „Ich habe mich noch keine fünf Minuten im Leben angestrengt. Man muss sich entscheiden. Gute Kunst entsteht nicht aus Anstrengung. Sondern absichtslos. Aus Lust.“

Wer Rammstein auch nur ansatzweise verstehen möchte, muss sich mit den Widersprüchen der Band abfinden. Der Bassist Oliver Riedel ist zum Beispiel fest davon überzeugt, dass Gutes aus Freundschaft entsteht und Böses aus Fanatismus. Rammstein war für ihn immer ein Ding unter Freunden. Oliver Riedel erzählt: „Wir sind etwas extrem und widersprüchlich. Jeder tut es auf seine Weise. Narziss und Goldmund. Meine Mutter schenkt mir immer noch jedes Jahr einen Hermann Hesse. Mein Lieblingsautor? Haruki Murakami.“

Rammstein war schon immer auch ein Rollenspiel

Alle guten Liedtexte dichtet der Sänger und Texter Till Lindemann auf dem Land. Wie zum Beispiel: „Die Sonne scheint mir aus den Augen, Sie wird heut Nacht nicht untergehn, Und die Welt? Zählt laut bis zehn.“ Er lebt sehr gerne in seinem Dorf, oben, zwischen Schwerin und Wismar. Dort fühlt er sich wie in einer großen Familie. Till Lindemann erzählt: „Ich angle. Ich jage. Ich starre auf den See. Ich schlafe nachts im Wald und horche. Ich höre in die Natur. Sagenhaft, was du nachts im Wald hörst. Das ist unbeschreiblich schön.“

Der Schlagzeuger Christoph Schneider erläutert, dass Rammstein schon immer auch ein Rollenspiel war. Bei der aktuellen Show zelebriert die Band einen Einmarsch über die Köpfe ihrer Fans hinweg, mit Fackeln und Flaggen. Christoph Schneider fasst den übrigen Verlauf ihres Auftritts in wenigen Worten zusammen: „Als geprügelte Hunde kriechen wir in der Mitte der Show wieder über die Brücke zur Hallenmitte zurück. Schließlich, am Ende, verabschieden wir uns von dieser Brücke aus vom Publikum. Ein Dreischritt: Wahn – Verhöhnung des Wahns – Verabschiedung.“ In Mexiko zum Beispiel ist Rammstein beliebt wie keine zweite Band. Wenn Till Lindemann singt: „Wir bilden einen lieben Reigen, Die Freiheit spielt auf allen Geigen“, singen alle mit.

Von Hans Klumbies

 

 

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