Friedrich Nietzsche brachte den Sprengstoff in die Philosophie

Die neue Sonderausgabe des Philosophie Magazins ist dem großen deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche gewidmet, der von sich selbst in „Ecce homo“ schrieb: „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“ In dem Heft sind Auszüge seiner wichtigsten Texte versammelt, die von unter anderem von Sigmund Freud, Theodor W. Adorno, Michel Foucault und Rüdiger Safranski kommentiert werden. Rüdiger Safranski bezeichnet Friedrich Nietzsche als einen Künstler des Denkens. Das Denken, das soll nach seiner Vorstellung ein reiches, lebendiges Denken sein: „Nietzsche will gewissermaßen mit dem Denken selbst musizieren. Was dabei herauskommt, ist neben vielen blitzenden Gedanken ein unnachahmlicher Stil.“ Der Nietzsche-Sound ist bisweilen von einer überwältigenden Wucht und Schönheit. Friedrich Nietzsche übte furiose Kritik an der religiösen Sklavenmoral: „Der christliche Glaube ist von Anbeginn Opferung: Opferung aller Freiheit, alles Stolzes, aller Selbstgewissheit des Geistes; zugleich Verknechtung und Selbst-Verhöhnung, Selbst-Verstümmelung.“

Friedrich Nietzsche entwickelt die Idee vom Übermenschen

Friedrich Nietzsches elitäre, antidemokratische und antimoderne Haltung, seine Verherrlichung des Krieges und seine Idee des rücksichtslosen Willens zur Macht, befördern schon früh eine rechte und reaktionäre Rezeption seines Denkens. Friedrich Nietzsches Ideen eines Willens zur Macht, seine Polemik gegen die Gleichmacherei der Demokratie und sein Ideal einer von keiner Moral gebändigten Herrschaft der Starken waren alles Motive, die von faschistischen Interpreten seiner Texte dankbar aufgegriffen wurden.

Friedrich Nietzsches Faszination für das Starke, für den durch keine christliche Moral geschwächten Aristokraten, mündet in der Vorstellung eines neuen, besseren Menschen, des Übermenschen, der über die Begrenztheiten der Spezies Mensch hinauswachsten. Karl Jaspers schreibt: „Der Aufgabe, die Entstehung des Übermenschen zu fördern, will Friedrich Nietzsche dienen durch sein ganzes Denken.“ Friedrich Nietzsche selbst bezeichnet in „Also sprach Zarathustra“ den Menschen als ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch, ein Seil über einem Abgrunde.

Friedrich Nietzsche ist der Lehrer der ewigen Wiederkehr

Berühmt geworden ist auch folgender Satz Friedrich Nietzsches: „Es gibt keine Tatsachen, nur Interpretationen!“ Viele postmoderne Denker haben ihn aufgegriffen. Natürlich ist damit nicht gemeint, dass es überhaupt keine Tatsachen gibt, sondern eher, dass es keine bloßen oder nackten Tatsachen gibt. Der Leitgedanke des Spätwerkes von Friedrich Nietzsche ist der der ewigen Wiederkehr aller Dinge. Er überfällt ihn schlagartig auf einer Wanderung im schweizerischen Engadin und erschüttert ihn nachhaltig.

In der Vorstellung, dass nichts zu Ende geht, liegt Trost und eine Möglichkeit, den Nihilismus zu überwinden. Friedrich Nietzsche schreibt: „Meine Freunde, ich bin der Lehrer der ewigen Wiederkunft. Das ist: ich lehre, dass alle Dinge ewig wiederkehren und ihr selber mit.“ Für den Philosophen Karl Löwith ist der „erlösende Menschen der Zukunft“ nicht nur ein Besieger Gottes, sondern auch ein Besieger des Nichts. Der Gedanke der ewigen Wiederkehr des Gleichen kann auch als vollendeter Religionsersatz aufgefasst werden: ohne Gott, ohne jedes Ritual und ohne Begrenzung auf den Menschen.

Von Hans Klumbies


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