Es lohnt sich über Gott und die Welt nachzudenken

Das Thema der 20. Auflage des Philosophicum Lech hieß „Über Gott und die Welt“. Das Thema ist nicht so beliebig wie es auf den ersten Blick aussieht, denn dahinter verbergen sich die entscheidenden Fragen des Menschen, jene Fragen, mit denen sich auch die Philosophie seit gut 2.500 Jahren beschäftigt. Aber gerade in extrem unruhiger und unsicherer Zeit wie der heutigen lohnt es sich unbedingt über Gott und die Welt nachzudenken. Der österreichische Philosophieprofessor und wissenschaftliche Leiter des Philosophicum Lech Konrad Paul Liessmann schreibt: „Über Gott und die Welt zu reden könnte als anarchische Gesprächsform gewertet werden, die quer steht zu den Ansprüchen, die an eine zeitgemäße Kommunikationskompetenz gerichtet werden.“ Wer über Gott und die Welt spricht, nimmt sich zudem die Freiheit, auch einmal über jene großen Fragen zu sprechen, deren Erörterung entweder als wenig zielführend oder als unpassend empfunden wird.

Der Glauben bleibt allgegenwärtig

Carlos Fraenkel, James McGill Professor für Philosophie und Judaistik an der McGill University in Montreal, hat für seinen Beitrag den Titel „Vom Nutzen der Philosophie in einer zerrissenen Welt“ gewählt. Die Philosophie kann die Menschen zu einem gelingenden Leben anleiten und dass sie sogar trösten kann, wenn man über den Verlust einer Sache trauert. Doch Carlos Fraenkel befürchtet, dass die Philosophie dieser Aufgabe nicht mehr gerecht werden kann. Denn dieser Anspruch der Philosophen von Platon bis Spinoza war untrennbar mit einer Metaphysik verbunden, die heute nicht mehr glaubwürdig zu vertreten ist.

Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski stellt fest, dass der heutzutage der Glaube nicht mehr existiert, sondern nur noch der Wille zum Glauben übriggeblieben ist. Gleichwohl, in bestimmter Hinsicht bleibt der Glaube seiner Meinung nach allgegenwärtig: „Alltäglich nämlich leisten wir uns bekanntlich immerfort – den Glauben. Ohne Glauben können wir gar nicht leben.“ Denn in der modernen Wissens- und Informationsgesellschaft lebt jeder, was das Wissen betrifft, aus zweiter oder dritter Hand.

Die Erde befindet sich in einem prekären Zustand

Herfried Münkler, Professor der Politik an der Humboldt-Universität in Berlin, setzt sich in seinem Essay mit den Kriegen dieser Welt auseinander. Es ist nich die Anzahl der Kriege, die sich in jüngster Zeit signifikant geändert hat und auch nicht die Zahlen der Getöteten und Verstümmelten, die zu gesteigerter Sorge Anlass geben. Die neuen Kriege sind dadurch gekennzeichnet, dass die Staaten nicht länger die Monopolisten der Kriege sind, sondern substaatliche Akteure, Warlords, Netzwerkorganisationen und so weiter, die kriegsführungsfähig geworden sind und die Rhythmik des Kriegsgeschehens weithin bestimmen.

In seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Tractatus-Preises an den Soziologen Hartmut Rosa kritisiert der Verleger und Schriftsteller Michael Krüger das unverantwortliche Verhalten der meisten Menschen: „Ganz egal, wie schlecht es der Welt und uns auf der Welt geht, ihr prekärer Zustand hindert die meisten von uns nicht daran, etwas zu tun, was ihren Zustand noch verschlimmert.“ Obwohl wir Menschen täglich über die Medien erfahren, auf welche Weise der Planet Erde malträtiert und die Biosphäre zerstört wird und das Artensterben unausweichlich fortschreitet.

Über Gott und die Welt
Philosophieren in unruhiger Zeit
Konrad Paul Liessmann (Hg.)
Verlag: Zsolnay
Broschierte Ausgabe: 251 Seiten, Auflage: 2017
ISBN: 978-3-552-05825-5, 22,00 Euro

Von Hans Klumbies


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