Die Existenz der menschlichen Zivilisation steht auf dem Spiel

In seinem neuen Buch „Was auf dem Spiel steht“ beschreibt Philipp Blom die Gefahren, die Deutschland und der Menschheit heutzutage drohen. Wenn die Spezies Mensch den Klimawandel und die Automatisierung in allen Teilen der Gesellschaft nicht als globale Zäsuren versteht, die ihm Veränderungen in sämtlichen Lebensbereichen abfordern wird, entscheidet der Mensch nicht mehr selbst darüber, wie er leben will. Philipp Blom hält daher eine neue Aufklärung unter den Prämissen des 21. Jahrhunderts für absolut nötig. Denn der größte Teil der Menschheit lebt in Gesellschaften, in denen die Zukunft keine Verheißung mehr ist, sondern eine reale Bedrohung darstellt. Die globalen Auswirkungen des Klimawandels und der allumfassenden Digitalisierung begreifen vielen Menschen noch nicht und haben Angst vor der Zukunft. Philipp studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford und lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

Die Digitalisierung bietet enorme Chancen

Diese Zukunftsverweigerung ist laut Philipp Blom extrem gefährlich. Denn seiner Meinung steht nichts weniger auf dem Spiel als die Existenz eines demokratischen, liberalen Zusammenlebens – und vielleicht sogar der menschlichen Zivilisation. Wer über die Zukunft nachdenken will, muss einen Satz aus seinem Wortschatz streichen. Dieser Satz lautet: „Das kann nie passieren.“ Eines der wesentlichen Probleme ist heutzutage, dass die Digitalisierung wie auch der Klimawandel schneller voranschreitet, als Gesellschaften sinnvoll darauf reagieren können.

Philipp Blom schreibt: „Die Degradierung und Veränderung der natürlichen Umwelt und der menschlichen Arbeit sind die transformativen Energien, die die nächsten Jahrzehnte bestimmen werden.“ Während der Klimawandel aber für ihn eine Realität ist, die allenfalls eingedämmt werden kann, birgt die Digitalisierung auch enorme Chancen für die Entwicklung neuer Formen des Wirtschaftens und Zusammenlebens. Die Frage ist nur, ob die reichen Gesellschaften, die den meisten Einfluss und den größten Handlungsspielraum haben, willens und imstande sein werden, diese auch zu nutzen.

Der Erhalt der Demokratie ist harte Arbeit

Die Demokratie ist für Philipp Blom kein Naturzustand, keine historische Notwenigkeit, im Gegenteil, sie ist in höchsten Maße unnatürlich und zufällig. Sie zu erhalten ist harte Arbeit. Denn liberale Demokratien sind historisch gesehen relativ junge Erscheinungen, und es gibt nur sehr wenige von ihnen. In den letzten Jahren ist ihre Zahl sogar gesunken. Selbst in den reichen, hochentwickelten Ländern haben sie als Modell einer Gesellschaft bei den Menschen dramatisch an Glaubwürdigkeit verloren. Gleichzeitig wird die Zahl derer, die eine autoritäre Alternative unterstützen, immer größer.

Demokratie bedeutet die Entmachtung des Einzelnen und von Gruppen. Um sich darauf einzulassen, brauchen die Menschen Vertrauen, denn wer anderen wirklich misstraut, will kein Gleichgewicht der Kräfte, sondern die Macht. Nur wer daran glaubt, dass sich die anderen an die vereinbarten Spielregeln halten werden, wird bereit sein, Kontrolle aufzugeben. Vielleicht ist die liberale Demokratie nichts als ein Durchgangsstadium auf dem Weg zu einer anderen Gesellschaftsform. Wie diese aussehen könnte, weiß niemand. Philipp Blom gibt trotz aller Katastrophenszenarien die Hoffnung nicht auf: „Es gibt wenig Anzeichen dafür, dass rasche und radikale Veränderung möglich ist, aber in Ermangelung eines Planeten B bleibt nichts anderes, als dafür zu kämpfen, dass sich in einem Meer von Schwierigkeiten kleine Archipele der Hoffnung, der Menschlichkeit, der Rationalität bilden und halten können.“

Was auf dem Spiel steht
Philipp Blom
Verlag: Hanser
Gebundene Ausgabe: 222 Seiten, 3. Auflage: 2017
ISBN: 978-3-446-25664-4, 20,00 Euro

Von Hans Klumbies


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