Roboter erledigen immer mehr Aufgaben selbstständig

Zu jeder technologischen Neuerung gehörten auch immer diejenigen Menschen, die ein Ende der menschlichen Arbeit vorhersagten, aber tatsächlich ist das niemals eingetreten. Deshalb meinen viele Beobachter, dass auch bei der heutigen technologischen Revolution mehr und bessere Jobs geschaffen als vernichtet werden. Philipp Blom ist nicht dieser Ansicht: „Sie sehen ein Zukunft voller kreativer, interaktiver und interessanter Arbeit, während die monotonen und gefährlichen Arbeiten von Robotern ausgeführt werden. Sie irren gewaltig.“ Denn diesmal wird tatsächlich alles anders. Mit dem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts haben Computer gelernt, zu lernen, zu verstehen, zu sprechen, zu erkennen und ihre jeweiligen Fähigkeiten der jeweiligen Situation anzupassen. Zumindest theoretisch werden damit ihre Anwendungsmöglichkeiten unendlich. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford und lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

Immer weniger Beschäftigte sorgen trotzdem für immer mehr Produktivität

Technologischer Fortschritt ersetzt menschliche durch maschinelle Arbeit. Bis jetzt hat das immer neue Arbeitsplätze geschaffen. In der neuen industriellen Revolution machen Roboter, Programme und Algorithmen aber nicht mehr nur die Arbeit verlässlicher und schneller – sie erledigen auch immer mehr Aufgaben selbstständig. Die neue Entwicklung des digitalen Lernens und seiner flexiblen Anwendungen aber betrifft längst nicht mehr Beschäftigungen, die nur wenig Ausbildung erfordern. Tatsächlich ist kaum ein Beruf von dieser Entwicklung ausgenommen.

Die Technologiespezialisten Andrew McAfee und Eric Brynjolfsson kommen in ihrem Buch „The Second Machine Age“ zu folgenden Schlussfolgerungen. Der wirtschaftlicher Erfolg und die Produktivität eines Wirtschaftsraums lösen sich seit den späten 1990er Jahren zum ersten Mal in der Geschichte der industriellen Revolution von der Zahl und der Bezahlung der Beschäftigten. Während die Produktivität weiter und weiter steigt, reduziert sich die Zahl der Beschäftigten immer weiter, und auch die Einkommen der Angestellten in der Mitte der Einkommensskala brechen immer stärker weg.

Immer mehr Menschen müssen schlechter und schlechter bezahlte Jobs annehmen

Die menschliche Arbeit wird also zusehends weniger wichtig für die Produktivität einer Gesellschaft. Immer weniger Menschen, die auf manuelle oder repetitive Arbeit angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, finden auch tatsächlich ausreichend Arbeit, und für diese Arbeit werden sie immer schlechter bezahlt. Immer mehr gehen die Profite der technologischen Revolution an die Besitzer der Technologie und nicht an die Gesellschaft. Denn ein wesentliches Merkmal dieser Umwälzungen ist, dass ihre Produktivität mit einem Minimum an menschlicher Arbeit realisiert werden kann.

Der Ökonom und ehemalige amerikanische Arbeitsminister Robert B. Reich skizziert die sozialen Konsequenzen dieser technologischen Entwicklung: „Die Realität der technologischen Verdrängung bedeutet, dass mehr und mehr Menschen schlechtere und schlechter bezahlte Jobs annehmen müssen und sich kraft ihrer eigenen Arbeit nicht mehr aus dieser Situation befreien können.“ In seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ demonstrierte Thomas Piketty das mithilfe einer historischen Analyse. Das Einkommen aus Arbeit sinkt weiter, das aus Kapital steigt. Quelle: „Was auf dem Spiel steht“ von Philipp Blom

Von Hans Klumbies

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