Wissen und Kunst sind für die Menschen unverzichtbar

Zwei Dinge sind für den Menschen unverzichtbar und bilden doch gegenüber dem Alltag ein Gegenmodell: Wissen und Kunst. Beide sind integrale Bestandteile einer freien Gesellschaft und spielen doch eine Sonderrolle. Otfried Höffe ergänzt: „Ferner sind beide für die Moderne wesentlich, womit diese erneut ihr Interesse zeigt, anthropologische Grundinteressen zu realisieren, sogar zur Blüte zu bringen.“ Schließlich besteht hinsichtlich der Freiheit eine formale Ähnlichkeit: Beide erlauben dem Menschen ein hohes Maß an Kreativität und Kritik, die allerdings unterschiedliche Gestalten annimmt. Ebenso fällt die Ambivalenz von Freiheit bei ihnen unterschiedlich aus. Eine Antriebskraft seit der frühen Moderne, zugleich ein Kernelement eines aufgeklärten Liberalismus bildet die Freiheit der menschlichen Vernunft. Otfried Höffe ist Professor für Philosophie und lehrte in Fribourg, Zürich und Tübingen, wo er die Forschungsstelle Politische Philosophie leitet.

Der Liberalismus garantiert die Freiheit der Wissenschaft und Forschung

Otfried Höffe erläutert: „In der Gestalt des Wissens wiederum und dessen methodischer Steigerung zu Wissenschaft und Forschung finden beide, die Moderne und das Prinzip Freiheit, eine wesentliche Konkretisierung. Folgerichtig steht der Liberalismus im Geist der Aufklärung so gut wie immer auf Seiten von Wissen, Wissenschaft und Forschung.“ Die liberale Unterstützung beginnt mit dem kompromisslosen Einsatz für das einschlägige Freiheitsrecht, negativ gesprochen für das Verbot von Zensur, positiv gesagt für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung.

Zusammen entlasten sie die Wissenschaftler und Forscher vom Zwang, mit vorherrschenden gesellschaftlichen, politischen oder religiösen Vorstellungen übereinzustimmen. Stattdessen geben sie ihnen das Recht, sich der Wahrheit und nichts als der Wahrheit zu widmen. Die Folge ist segensreich: dass Wissenschaft und Forschung aufblühen, zumal dann, wenn hohe Reputation, außerdem ein positives Freiheitsrecht hinzukommen und eine reiche, teils private, teils öffentliche Förderung stattfindet.

Nutzenfreies Wissen ist die Höchstform allen Wissens

Unter den verschiedenen Weisen, in denen Wissen freiheitsrelevant sein kann, stechen grundverschiedene Arten hervor, die sich ihrerseits in verschiedene Unterarten gliedern lassen. Bei der ersten Art wird die Freiheit nur befördert, bei der zweiten macht sie frei und bei der dritten ist sie selbst eine freie Tätigkeit. Erstaunlicherweise finden in der Moderne nur die zwei ersten, lediglich subsidiär freiheitlichen Arten einen enormen Widerhall, während die dritte, in sich schon freiheitliche Art in den Hintergrund gedrängt wird.

Wissenstheoretisch und zugleich freiheitstheoretisch betrachtet liegt die Höchstform des Wissens in der dritten Art. Gerade sie droht aber der modernen Gesellschaft fremd zu werden, in der Philosophie erfährt sie jedoch seit einem ihrer ersten großen Vertreter, Aristoteles, hohe Wertschätzung. Sie besteht in einem nutzenfreien Wissen, das nach dem Einleitungssatz der „Metaphysik“ von Aristoteles sogar zur Natur, also dem Wesen des Menschen gehört. Der erfahrungsgesättigte Beleg des antiken Denkers besteht in einer nutzenunabhängigen Freude an Sinneswahrnehmungen. Quelle: „Kritik der Freiheit“ von Otfried Höffe

Von Hans Klumbies

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