Ohne das Magnetfeld könnte auf der Erde kein Leben existieren

Dass Zugvögel einen sechsten Sinn besitzen, wissen Forscher erst seit ein paar Jahren. Die Erkenntnis, dass auf der Erde eine unsichtbare Kraft waltet, die als Wegweiser dient, ist dagegen uralt. Inzwischen haben Wissenschaftler das Naturphänomen längst enträtselt. Zum Teil haftet seinen Wirkungen aber immer noch etwas Spukhaftes an. So ist das Erdmagnetfeld zum Beispiel daran beteiligt, wenn im ewigen Eis Polarlichter über den Nachthimmel flirren. Beim Magnetstürmen, also großen Feldschwankungen, entstehen starke Ströme in der Atmosphäre. Professorin Claudia Stolle, die am Helmholtz-Zentrum Potsdam die Sektion Erdmagnetfeld leitet, erklärt: „Sie können elektrische Oberleitungen und Satelliten lahmlegen.“ Doch ist das Magnetfeld keineswegs nur ein Störfaktor, der hin und wieder die Technik verwirrt. Ohne es könnte Leben, wie wir es kennen, gar nicht existieren.

„Ohne das Magnetfeld würde der Sonnenwind die Atmosphäre mit sich reißen“

Claudia Stolle ergänzt: „Uns würde buchstäblich die Luft zum Atmen fehlen.“ Denn das Magnetfeld schirmt die Erde ab wie ein Schutzschild – beispielsweise vor dem Sonnenwind. Die Sonne strahlt nicht nur Licht ab, sie bläst zugleich eine Flut aus geladenen Teilchen ins All. Im Magnetfeld wird der kosmische Hagel abgelenkt. Statt auf die Erde zu treffen, fliegen die Mikrometeoriten um die Erde herum. Würde sie niedergehen, wäre das für die Menschheit wohl tödlich. Claudia Stolle fügt hinzu: „Ohne das Magnetfeld würde der Sonnenwind die Atmosphäre mit sich reißen.“

Der Hauptgrund, warum Menschen und Tiere dennoch leben und atmen, liegt in den Strömungen des flüssigen Erdkerns. Dieser unterirdische Ozean besteht zu einem großen Teil aus Eisen. Bei dessen Umwälzungen entstehen elektrische Ströme. Und wo Strom fließt, bildet sich immer ein Magnetfeld. Dessen unsichtbare Kraft weist auch den tierischen Reisegruppen den Weg, die derzeit wieder aus dem Süden in nördlichere Gefilde zurückkehren. Dass Zugvögel einen sechsten Sinn besitzen, konnte der Zoologe Professor Wolfgang Wiltschko erstmals Mitte der 1960-Jahre am Rotkehlchen beweisen.

„Viele Tiere haben einen Magnetsinn“

Professor Hynek Burda, Zoologe an der Uni Duisburg-Essen, erklärt: „Viele Tiere haben einen Magnetsinn.“ Nachgewiesen wurde dieser etwa bei Honigbienen und Fruchtfliegen, Meeresschildkröten, Lachsen und Fledermäusen. Auf der Suche nach des Rätsels Lösung, nach dem Magnetsinn, verfolgen Wissenschaftler derzeit vor allem zwei heiße Spuren. So fand man bereits heraus, dass Bakterien winzige Kompassnadeln aus Magnetit in ihren Körper einbauen, um sich zu orientieren.

Auch in den Mäulern von Fischen und in den Schnäbeln von Vögeln haben Biologen Anhäufungen des Metalls entdeckt. Fündig wurden Forscher zudem in den Augen von Tieren: Bestimmte Pigmente, sogenannte Cryptochrome, reagieren nicht nur auf Licht, sondern zugleich auf das Magnetfeld. Möglich also, dass ein Star oder eine Brieftaube dieses tatsächlich sehen kann. Dem Menschen fehlt dagegen ein bewusster Magnetsinn. Wirkungen löst das unsichtbare Feld aber auch in seinem Körper aus – und diese können durchaus heilsam sein. Quelle: Apotheken Umschau

Von Hans Klumbies

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