Nigel Warburton verfasst die kürzeste Geschichte der Philosophie

Der Philosoph Nigel Warburton umreißt die Kerngedanken der Philosophie aus 2.400 Jahren Philosophiegeschichte in vierzig Kapiteln. Dabei widmet er in seinem neuen Buch „Die kürzeste Geschichte der Philosophie“ jeder Geistesgröße der abendländischen Philosophie einen Abschnitt. Der Leser lernt zum Beispiel, dass Augustinus an den freien Willen des Menschen glaubte, Während Baruch de Spinoza dies für eine Illusion hielt. Außerdem lernt man, dass Rationalisten wie René Descartes glaubten, des gebe Wissen apriori, während Empiristen wie John Locke dies jedoch bestreiten; dass Thomas Hobbes den Menschen grundsätzlich für missraten hielt, während Jean-Jacques Rousseau das Gute in ihm sah. Das Buch „Die kürzeste Geschichte der Philosophie“ ist ein idealer Türöffner zu den Ideen der großen philosophischen Denker. Der Philosoph Nigel Warburton ist Dozent an der Open University. Er gibt außerdem Kurse über Kunst und Philosophie am Tate Modern Museum.

Thomas Hobbes zählt zu den größten politischen Denkern Englands

Nigel Warburton stellt im ersten Kapitel die antiken Denker Sokrates und Platon vor und widmet das Schlusskapitel dem Philosophen Peter Singer. Mit Sokrates, dem Mann der viele Fragen stellte und einen messerscharfen Verstand besaß, nahm die Philosophie laut Nigel Warburton ihren eigentlichen Anfang: „Sokrates liebte es, die Menschen an die Grenzen dessen zu führen, was sie zu verstehen glaubten, und die Ansichten, auf denen sie ihr Leben aufbauten, infrage zu stellen. Eine Unterhaltung, die damit endete, dass alle erkannten, wie wenig sie wussten, wertete er als Erfolg.

Das 10. Kapitel ist Thomas Hobbes, einem der größten politischen Denker Englands, gewidmet. Thomas Hobbes hatte keine hohe Meinung von den Menschen, von denen er glaubte, sie seien alle von Grund auf selbstsüchtig, beherrscht von Todesfurcht und immer bemüht, andere zu übervorteilen. Er war zudem davon überzeugt, dass die Menschen im Grunde ihres Herzens alle egoistisch sind und dass sie lediglich die Gesetze mit ihren Androhungen von Strafen daran hindern, ihren Trieben freien Lauf zu lassen.

Der Geist von Sokrates wird auch künftig die Philosophie prägen

Der berühmteste Satz des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche lautet: „Gott ist tot.“ Eigentlich wollte er damit ausdrücken, dass der Glaube an Gott nicht mehr vernünftig ist. In seinem Werk „Also sprach Zarathustra“ schrieb Friedrich Nietzsche über den Übermenschen. Nigel Warburton erklärt: „Darunter versteht er einen fiktiven Menschen der Zukunft, der nicht an konventionelle Moralvorstellungen gebunden ist, sondern sie überwindet und neue Wertvorstellungen schafft.“ Im Übermenschen sah er den nächsten Schritt für die Entwicklung der Menschheit.

Peter Singer, dem das Schlusskapitel gewidmet ist, zählt zu den bekanntesten lebenden Philosophen, obwohl, oder vielleicht gerade deshalb, weil einige seiner Ansichten extrem umstritten sind. Nigel Warburton nennt ein Beispiel: „Wenn jemand in einem Wachkoma liegt, aus dem er nicht mehr erweckt werden kann und nur als Körper am Leben erhalten wird, kein Bewusstsein mehr hat oder keine Chance auf Genesung oder Hoffnung für die Zukunft vorhanden ist, dann findet Singer Sterbehilfe angebracht.“ Nigel Warburton hat auch einen sehr schönen Schlusssatz für sein Buch gefunden: „Mit unangepassten Philosophen wie Peter Singer wird der Geist von Sokrates auch künftig die Philosophie prägen.“

Die kürzeste Geschichte der Philosophie
Nigel Warburton
Verlag: Atlantik
Gebundene Ausgabe: 268 Seiten, Auflage: 2014
ISBN: 978-3-455-70007-7, 20,00 Euro

Von Hans Klumbies

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