Jean-Paul Sartre: „Alle Menschen sind frei“

Jean-Paul Sartre (1905 – 1980) ist der berühmteste Philosoph des Existenzialismus. Er war auch Romanautor, Theaterdichter und Biograph. Häufig befand er sich in der Gesellschaft einer schönen, hochintelligenten Frau – Simone de Beauvoir (1908 – 1986). Sie war seine langjährige Lebensgefährtin. Genau wie Jean-Paul Sartre war Simone de Beauvoir Philosophin und schrieb Romane. Die verfasste das wichtigste feministische Werk „Das andere Geschlecht“ (1949). Jean-Paul Sartre hatte ein langes, schwieriges Buch mit dem Titel „Das Sein und das Nichts“ (1943) geschrieben, das während des Kriegs veröffentlicht wurde. Nigel Warburton erklärt: „Das zentrale Thema des Werks war die Freiheit. Die Menschen sind frei.“ Der Philosoph Nigel Warburton ist Dozent an der Open University. Er gibt außerdem Kurse über Kunst und Philosophie am Tate Modern Museum.

Jean-Paul Sartre glaubt nicht an einen Gott

Jean-Paul Sartre glaubte nicht, dass es einen Gott gibt, der den Menschen erschaffen hat, also verwarf er den Gedanken, dass ein Gott mit der Erschaffung des Menschen irgendeine Absicht verfolgte. Jean-Paul Sartre vertritt die Ansicht, dass die Menschen nicht für einen bestimmten Zweck hier auf der Erde sind. Es gibt keine spezielle Vorgabe, die man erfüllen muss, um Mensch zu sein. Ein menschliches Wesen kann wählen, was es tut und was es werden will. Alle Menschen sind frei. Nur man selbst kann entscheiden, was man aus seinem Leben macht.

Wenn eine Person andere Menschen über sein Leben entscheiden lässt, dann trifft er damit wieder eine Entscheidung. Es wäre auch eine Entscheidung, wenn wir jener Mensch werden würden, den zu werden andere von uns erwarten. Nigel Warburton erläutert: „Wenn wir die Wahl treffen und uns für eine Sache entscheiden, haben wir keine Garantie, dass es uns auch gelingt, diese Sache zu erreichen. Und die Gründe, weshalb wir scheitern, liegen eventuell völlig außerhalb unserer Kontrolle.“

Menschen sind für ihre Taten voll und ganz verantwortlich

Aber ein Mensch ist zumindest dafür verantwortlich, überhaupt etwas zu wollen, zu versuchen, etwas zu erreichen, und auch dafür, wie er auf sein Versagen reagiert, wenn es ihm nicht gelingt. Da die Sache mit der Freiheit nicht einfach ist, denken viele Menschen erst gar nicht darüber nach. Viele versuchen sich aus der Affäre zu ziehen, indem sie sagen, der Mensch sei keineswegs frei. Aber wenn Jean-Paul Sartre Recht hat, ist das nur eine Ausrede. Menschen sind für ihre Taten voll und ganz verantwortlich, und auch dafür, wie sie diesbezüglich empfinden.

Menschen sind auch für ihre Gefühle verantwortlich. Laut Jean-Paul Sartre ist es die eigene Entscheidung, wenn man in einem bestimmten Augenblick niedergeschlagen ist. Man braucht es nicht zu sein. Aber wenn man es ist, ist man auch dafür verantwortlich. Für manche Menschen ist das beängstigend. Jean-Paul Sartre sagt dann auch, die Menschen seien dazu verdammt, frei zu sein. Sie stecken in dieser Freiheit fest, ob sie wollen oder nicht. In einem Vortrag über das Thema „Existenzialismus ist ein Humanismus“ beschrieb er das Leben des Menschen vor allem als angsterfüllt. Quelle: „Die kürzeste Geschichte der Philosophie“ von Nigel Warburton

Von Hans Klumbies


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