Deutschlands Geschichte ist gleichermaßen bereichernd wie verwirrend

In seinem Buch „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ nimmt Neil McGregor begleitet Neil MacGregor seine Leser durch die Geschichte. Unterwegs lernen sie Objekte aus rund 500 Jahren kennen, die von den sehr unterschiedlichen Erinnerungen Deutschlands erzählen. Zu den Objekten Neil MacGregors zählen unter anderem die Gutenberg-Bibel, Grimms Märchen, das Bauhaus-Design, Albrecht Dürers Rhinozeros, der VW-Käfer, die Krone Karls des Großen und die Kuppel des Reichstags. Dabei betont der Autor, dass Deutschlands Denkmale anders seien als die anderer Länder. Neil MacGregor erklärt: „Wenn deutsche Monument sich von denen anderer Länder unterscheiden, dann tun sie dies, weil auch die deutsche Geschichte eine andere ist.“ Neil MacGregor ist seit Oktober 2015 Gründungsintendant des Humboldt-Forums. Er war von 2002 bis 2015 Direktor des Britischen Museums und zuvor von 1987 bis 2002 Direktor der National Gallery in London.

Die deutsche Geschichte ist kein einheitliche nationale Erzählung

Deutschlands lange Zersplitterung in autonome Staaten macht eine Art der Geschichtspräsentation unmöglich wie sie zum Beispiel in Großbritannien und Frankreich dargestellt wird. Über ihre längsten Zeitabschnitte hinweg kann deutsche Geschichte keine einheitliche nationale Erzählung sein. Deutschlands Geschichte ist deshalb unvermeidlich fragmentierend, gleichermaßen bereichernd wie verwirrend. Bis zur Reichsgründung von 1871 gab es nur ein unstetes Gefühl gemeinsamer Interessen. Gleichwohl gibt es eine große Zahl von kollektiven Erinnerungen dazu, was Deutsche getan und erlebt haben.

Einige dieser Erinnerungen aufzurufen und sich mit ihnen zu beschäftigen, ist die Absicht Neil MacGregors. Er versucht nicht in irgendeinem Sinn deutsche Geschichte zu schreiben, sondern geht einigen prägenden Zügen von Deutschlands heutiger nationaler Identität nach – und dies anhand von Objekten und Bauwerken, von Menschen und Orten. Neil MacGregor hat versucht, solche Erinnerungen auszuwählen, die wahrscheinlich von den meisten Deutschen geteilt werden, aber auch solche, die nicht jedermann gleich in den Sinn kommen.

Das Brandenburger Tor ist das nationale Monument Deutschlands

Seinen Streifzug durch die deutsche Geschichte beginnt Neil MacGregor mit einem Blick auf das Brandenburger Tor in Berlin und zitiert dabei Monika Grütters, Staatsministern für Kultur und Medien: „Das ist das nationale Monument. Es gibt kein anderes, das eine Konkurrenz dazu wäre.“ Es ist das große Symbol der Wiedervereinigung und der wiedergewonnenen Freiheit Deutschlands. Heute ist das Brandenburger Tor Mittelpunkt eines Fußgängern vorbehaltenen Platzes und bevorzugter Versammlungsort für Feiern aller Art.

Seine Reise durch Deutschlands Vergangenheit beendet Neil MacGregor im Reichstagsgebäude, dem Sitz des deutschen Bundestags und Ort nationaler Beratungen. Auch der Reichstag war wie das Brandenburger Tor Zeuge großer historischer Ereignisse. Beide sind sie beladen mit bleibenden symbolischen Bedeutungen. Neil MacGregor schreibt: „Diese beiden außergewöhnlichen Bauwerke tragen die politische Geschichte des Landes gleichsam in ihren Steinen.“ Für eine fundamentale Erneuerung des Reichstags sorgte die lichtdurchflutete, leichte Glaskuppel des britischen Stararchitekten Norman Forster.

Deutschland
Erinnerungen einer Nation
Neil MacGregor
Verlag: C. H. Beck
Gebundene Ausgabe: 621 Seiten, Auflage 2: 2016
ISBN: 978-3-406-71232-0, 25,00 Euro

Von Hans Klumbies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.