Nassim Nicholas Taleb kennt das Risiko und seinen Preis

Bestsellerautor Nassim Nicholas Taleb zeigt in seinem neuen Buch „Das Risiko und sein Preis“ aus vielen Beispielen aus dem Alltag, wo Fairness, Verantwortungsgefühl, Anstand fehlen und stattdessen billiges Geschwätz, Verantwortungslosigkeit, Egoismus und Blenderei die Oberhand behalten. Es ist auch eine Kombination aus praktischen Erörterungen, philosophischen Geschichten sowie wissenschaftlichen und analytischen Kommentaren zu den Problemen der Zufälligkeit. Und es dreht sich um die Frage wie Menschen unter dem Vorzeichen der Ungewissheit leben, essen, schlafen, diskutieren, kämpfen, Freundschaften schließen, arbeiten, sich amüsieren und Entscheidungen treffen sollen. „Das Risiko und sein Preis“ handelt von vier Themen: a) Ungewissheit und die Zuverlässigkeit von Wissen; b) Symmetrie in zwischenmenschlichen Angelegenheiten: Fairness, Gerechtigkeit, Verantwortung und Gegenseitigkeit; c) Informationsaustausch bei Transaktionen und d) Rationalität in komplexen Systemen und in der Realität. Nassim Nicholas Taleb ist Finanzmathematiker, philosophischer Essayist, Forscher in den Bereichen Risiko und Zufall sowie einer der unkonventionellsten Denker der Gegenwart.

Gerechtigkeit und Ehre sind für den Menschen existentiell

Außerdem geht es in seinem Buch auch darum, dass es in der realen Welt schwierig ist, Moral einerseits und Wissen und Kompetenz andererseits voneinander zu trennen. Wer von etwas profitieren möchte, muss auch etwas aufs Spiel setzen; er darf nicht andere für die Fehler bezahlen lassen, die er begeht. Nassim Nicholas Taleb fordert: „Wenn Sie Risiken auf andere übertragen und diese werden dadurch geschädigt, müssen Sie dafür einen Preis bezahlen. Sie sollten andere so behandeln, wie Sie selbst behandelt werden wollen, und genauso sollten Sie die Verantwortlichkeit für Ereignisse ohne Ungerechtigkeit und Ungleichheit teilen.“

Wer einer anderen Person einen Rat gibt, die diesen befolgt, ist moralisch verpflichtet, sich den Konsequenzen zu stellen. Es geht im Leben nicht darum, einfach an gewissen Vorteilen zu partizipieren, sondern es geht vielmehr um Symmetrie, also eher darum, den Schaden zu teilen, eine Strafe zu zahlen, wenn etwas misslingt. Für Nassim Nicholas Taleb geht es in „Das Risiko und sein Preis“ vor allem um Gerechtigkeit, Ehre und Opfer, um das also, was für den Menschen existentiell ist.

Jedes Risiko reduziert die Lebenserwartung

Im Kapitel „Wölfe unter Hunden“ beschreibt Nassim Nicholas Taleb eine bestimmte Kategorie von Angestellten, die keine Sklaven sind. Allerdings ist deren Anteil am Ganzen recht gering. Sie sind daran zu erkennen, dass ihnen ihr Ansehen – jedenfalls das innerhalb der Firma – am Allerwertesten vorbeigeht. Nassim Nicholas Taleb erinnert sich, wie man ihn früher fragte, warum er keine Krawatte trage, was damals ungefähr so skandalös war wie nackt die Fifth Avenue herunterzuspazieren: „Teils aus Arroganz, teils aus ästhetischen Überlegungen, teils aus Bequemlichkeit.“

Am Ende seines Buchs zieht Nassim Nicholas Taleb folgendes Resümee: „Es ist möglich, gleichzeitig risikofreundlich und absolut ruinfeindlich zu sein.“ Die entscheidende Asymmetrie des Lebens liegt für ihn in einer Strategie, die einen Ruin impliziert, kompensieren die Vorteile nie die Ruinrisiken. Außerdem gilt: Ruin unterscheidet sich fundamental von jeglichen anderen Zustandsveränderungen. Jedes einzelne Risiko, das ein Mensch auf sich nimmt, trägt zur Reduzierung seiner Lebenserwartung bei. Und schließlich steht fest: Rationalität ist die Vermeidung eines systemischen Ruins.

Das Risiko und sein Preis
Nassim Nicholas Taleb
Verlag: Penguin
Gebundene Ausgabe: 381 Seiten, Auflage: 2018
ISBN: 978-3-328-60026-8, 26,00 Euro

Von Hans Klumbies

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