Max Beckmann war besessen von seiner Malerei

Max Beckmann wurde am 12. Februar 1884 geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters siedelte sich die Familie in Braunschweig an. Im Jahr 1900 wurde er in die Großherzogliche Kunstschule von Weimar aufgenommen. Seine später unverkennbare Maltechnik erwarb er in der Antikenklasse und in der Naturklasse bei Fritjof Smith. Sechs Jahre später konnte er ein halbes Jahr lang in Florenz Malstudien betreiben, da er mit dem Villa-Romana-Preis ausgezeichnet worden war. Nach seiner Rückkehr wählte er als neue Heimat Hermsdorf bei Berlin. An Berlin liebte er die Nüchternheit und Großzügigkeit. Die Stadt blieb jahrzehntelang bestimmend für seine Gestaltung der menschlichen Komödie. Er trat der Berliner Sezession bei, die vom Impressionisten Max Liebermann geprägt wurde. Max Beckmann malte damals zahlreiche hochdramatische Bilder in großem Format.

Max Beckmann beginnt im Stil des Expressionismus zu malen

Die schrecklichen Kriegserlebnisse im 1. Weltkrieg als Sanitätsfreiwilliger in Ostpreußen und Flandern führten auf der einen Seite bei Max Beckmann fast zu einem totalen Zusammenbruch seiner Gesundheit, bedeuteten aber auf der anderen Seite auch eine völlige Neugeburt seiner Kunst. Nach seiner Militärzeit zog Max Beckmann nach Frankfurt am Main um. Viele Kunstkritiker halten seine Graphiken, die in den Jahren von 1915 bis 1924 entstanden zu den scharfsichtigsten Werken eines sozialkritischen Künstlers in Deutschland.

Aus innerer Not, aus dem brennenden Wunsch nach mehr Ausdruckskraft malt Max Beckmann seine Ölgemälde von nun an im expressionistischen Stil. Das Jahr 1925 brachte mehrere entscheidende Wandlungen im Leben des Malers. Er heiratet seine zweite Ehefrau Mathilde von Kaulbach und wurde Professor am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt. Durch seine Teilnahme an der Gruppenausstellung „Neue Sachlichkeit“ in Mannheim, auf der unter anderem Kunstwerke von George Grosz und Otto Dix gezeigt wurden, wurde seinen Bildern auch das Etikett der neuen Sachlichkeit aufgeklebt, obwohl es auf seine Kunst nie ganz zutraf.

Fünf großformatige Triptychen entstehen in Amsterdam

Es kam eine Zeit, in der er beträchtliche Erfolge als Maler verbuchen konnte. Seine Ausstellungen in Frankfurt, Basel, Paris, New York, Berlin und München machten Sammler und Museumsdirektoren auf Max Beckmann aufmerksam. Die Nationalgalerie im Berliner Kronprinzenpalais widmete ihm sogar einen ganzen Ausstellungssaal. Es erschienen Aufsätze und Bücher über Max Beckmann – der Künstler schien arriviert. Doch das änderte sich alles im Jahr 1933, als die Nationalsozialisten begannen, die deutsche Kunst gleichzuschalten. Max Beckmann verlor auch sein Lehramt.

Seine Gemälde wurden von den Nazis aus allen deutschen Museen entfernt. Im Jahr 1937 wurde zehn seiner Werke auf der Spotausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt. Eine Woche vor der Eröffnung ging Max Beckmann ins Exil – zuerst nach Paris und anschließend nach Amsterdam. Dort richtete er sich ein großes Atelier in einem ehemaligen Tabakspeicher ein, wo er trotz widriger Umstände eine erstaunliche Produktivität entwickelte. Hier malte er fünf von seinen insgesamt neun großformatigen Triptychen.

Max Beckmann war von seiner Kunst besessen – die Malerei war für ihn gleichbedeutend mit dem Leben. Schon im Jahr 1915, als er als Sanitäter in Flandern die Schrecken des 1. Weltkriegs erlebte, schrieb er an seine erste Frau Minna: „Ich habe niemals mich gebückt, um Erfolg zu haben, aber ich würde mich durch sämtliche Kloaken der Welt, durch sämtliche Erniederungen und Schändungen hindurchwinden, um zu malen. Ich muss das. Bis auf den letzten Tropfen muss alles, was an Formvorstellung in mir lebt, raus aus mir, dann wird es mir ein Genuss sein, diese verfluchte Quälerei loszuwerden.“

Max Beckmann erhält den Großen Preis der Biennale von Venedig

Da seine Pläne, nach Amerika auszuwandern scheiterten, verbrachte Max Beckmann den Zweiten Weltkrieg in Amsterdam. Deutsche Kunstfreude wie beispielsweise Günther Franke sicherten ihm die Existenz. Max Beckmann zeichnete damals Illustrationen zur Apokalypse und zu Faust II. Im Jahr 1947 übersiedelte der Künstler nach Amerika, wo er in St. Louis seine Lehrtätigkeit wieder aufnehmen konnte. In den folgenden Jahren erhielt er zahlreiche Ehrungen. Seine Bilder wurden von Sammlern verstärkt gekauft.

Im Jahr 1949 zog er noch einmal um, und zwar diesmal nach New York, wo er an der Kunstschule des Brooklyn Museums unterrichtete. Er erhielt den Ersten Preis der Carnegie-Ausstellung und 1950 auch den Großen Preis der Biennale von Venedig. Kurz vor seinem Tod vollendete Max Beckmann sein letztes Triptichon „Argonauten“, das viele Kunstkenner als sein abgeklärtestes Werk betrachten. Am 27. Dezember 1950 starb Max Beckmann in New York.  

Von Hans Klumbies

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