Matthias Horx stellt die die Zukunft von Liebe vor

Matthias Horx hat mit „Future Love“ das erste Buch vor, dass sich aus Sicht der Trend- und Zukunftsforschung dem Thema Liebe widmet. Er untersucht die Prozesse der Wandlung in Liebe, Partnerschaft und Familie und entwickelt ein Panorama der kommenden Liebeskultur, das von der totalen Digitalisierung der Leidenschaft bis zur „Liquid Love“ reicht. Zuvor erklärt Matthias Horx auf der Basis neuer Erkenntnisse von Psychologen, Neurologen und Sozialwissenschaftlern, welche Macht die Liebe über einen Menschen ausübt und was genau geschieht, wenn zwei Menschen ineinander verliebt sind. Der Zukunftsforscher hat sein Buch in drei große Abschnitte gegliedert. Teil 1: Vergangenheit: Wie die Liebe in die Welt kam. Teil 2: Gegenwart: Liebe in Zeiten der radikalen Individualisierung. Teil 3: Zukunft: Drei Szenarien der futuristischen Liebe. Matthias Horx ist der profilierteste Zukunftsdenker im deutschsprachigen Raum.

Die Liebe verändert Menschen tiefer als alle Technologien

Die einigen Medien wird die Liebe als das eigentliche Desaster der Gegenwart beschrieben – und gleichzeitig als der einzig verbleibende Hafen der Utopie. Je weniger man eine konkrete Vorstellung von der Zukunft hat, umso mehr glaubt man daran, dass der eine oder die eine einen von allen Ängsten und Lebenszweifeln erlösen wird. Die Liebe ist für Matthias Horx eine der fundamentalsten Techniken der Menschheit. Sie verändert Menschen tiefer als alle Technologien. Sie kann unberechenbar, archaisch, gewalttätig sein.

Matthias Horx vertritt die These, dass die Menschen in den modernen westlichen Staaten auch weiterhin im Bann der prekären Monogamie bleiben werden: „Die Treue ist ständig bedroht – und gerade deshalb bleibt man sich meistens treu. In den Übergängen des Lebens jedoch, den Phasen der Orientierung, wird Polyamorie ein anerkanntes Modell bilden. Aber eben nur auf Zeit.“ Polyamorie ist letztendlich der Versuch, das Archaische, Gefährliche, Grenzüberschreitende und das Besitzergreifende an der Liebe zu befriedigen.

Die Verflüssigung der Liebeskultur heißt „Liquid Love“

„Nein, wir werden nicht beziehungsunfähig – wir können uns heute nur mehr Beziehungsängstlichkeit leisten“, lautet eine weitere These von Matthias Horx. Gegen Ende seines Buches „Future Love“ stellt Matthias Horx die Idee der „Liquid Love“ vor. So nannte der Soziologe und Philosoph Zygmunt Baumann die Verflüssigung der Liebeskultur. Er meinte damit eher kritisch die oberflächliche Netzwerkliebe, bei der man jederzeit den An-Aus-Schalter drücken kann. Doch in der Realität drehte sich dieser Begriff irgendwann in eine andere Richtung. Er wurde positiv besetzt.

Die Liebe wird „flüssig“, weil sie aus dem Flussbett der Abhängigkeiten und Konventionen tritt, in dem sie Jahrtausende steckte. Die Verträge der Partnerschaftskultur stammen dagegen aus einer Welt der Knappheit und Abhängigkeit. Eines wird die Liebe hoffentlich auch in Zukunft bleiben: ein Abenteuer, ein Kunstwerk, ein gemeinsamer Wachstums- und Lernprozess – ein Tanz in die Zukunft. Matthias Horx nennt dies die coevolutionäre Beziehung, die Selbstverwirklichung beider Partner in Richtung Bindung.

Future Love
Die Zukunft von Liebe, Sex und Familie
Matthias Horx
Verlag: DVA
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten, Auflage: 2017
ISBN: 978-3-421-04732-8, 19,99 Euro

Von Hans Klumbies


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