Für Matt Ridley ist die Erde noch ein Tal der Tränen

Der Bestsellerautor und Doktor der Zoologie Matt Ridley erklärt, dass der Begriff Optimismus, als er zum ersten Mal auf französisch im Jahr 1750 auftauchte, spezifisch auf die Leibniz`sche „Theodizee“ bezogen war. Er sagt: „Ein Optimist in dem Sinne war einer, der glaubte, dass diese die beste aller möglichen Welten sei.“ Matt Ridley dagegen vertritt die These, dass in dieser unseren Welt noch viel im Argen liegt. Für ihn ist die Erde ein Tal der Tränen, verglichen mit dem Zustand, den die Menschheit erreichen könnte, wenn sie keine Riesenfehler begeht und sich selbst auslöscht. Matt Ridley hat folgende Bestseller geschrieben: „Eros und Evolution“ (1994), „Die Biologie der Tugend“ (1997), Alphabet des Lebens (1999) sowie „Wenn Ideen Sex haben (2011).

Die Kindersterblichkeit ist in 50 Jahren um zwei Drittel gesunken

In seinem neuen Buch „Wenn Ideen Sex haben“ will Matt Ridley auf keinen Fall den Optimismus predigen. Natürlich sieht er auch, dass die Fettleibigkeit, das Chaos auf den Straßen oder Erkrankungen der Seele stark zunehmen, wobei da vieles seiner Meinung nach von der Diagnose abhängt. Aber es gibt auch sehr viele Dinge auf dieser Welt, die Matt Ridley optimistisch stimmen. Er sagt: „Allein zu meinen Lebzeiten – er ist 53 Jahre alt – ist der Durchschnittserdenbürger, inflationsbereinigt, dreimal reicher geworden, dabei hat sich die Bevölkerung verdoppelt.“

Eine phantastische Bilanz sieht Matt Ridley auch darin, dass der Durchschnittsmensch heute ein Drittel länger lebt als je zuvor und die Kindersterblichkeit im Vergleich zu den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts um zwei Dritten gesunken ist. Matt Ridley behauptet: „Es geht uns nicht nur besser, wir sind gesünder, glücklicher, klüger, freundlicher, freier, gleicher und friedfertiger als je zuvor.“ Sogar die Kluft zwischen Arm und Reich wird global betrachtet nicht immer größer, sondern verringert sich.

Die Erde wird beim Klimawandel mit einer milden Erwärmung davonkommen

China und Indien werden laut Matt Ridley schneller reich als Deutschland und Amerika. Mit der Ausnahme Afrikas, nähern sich die Lebensstandards weltweit an. Doch selbst Afrika hat mit durchschnittlich fünf Prozent ein höheres Wachstum als die Industrienationen der westlichen Welt. Matt Ridley erklärt: „Seit der Rezession 2008 sinkt die globale Ungleichheit, weil die armen Länder die Rezession weniger spüren als die reichen.“

Was den Klimawandel betrifft, ist Matt Ridley auch optimistisch, da er glaubt, dass die Erde nicht mehr als eine milde Erwärmung abbekommt. Weniger gut zu sprechen ist er auf einige der Maßnahmen, die im Kampf gegen diese milde Erwärmung ergriffen werden, da sie vielen Menschen mehr schaden als nutzen. Matt Ridley erklärt: „Ich denke an Biosprit, der vermutlich 200.000 Menschen pro Jahr das Leben kostet, weil die Lebensmittelpreise steigen und zu Unterernährung führen. Fünf Prozent der weltweiten Getreideproduktion werden jetzt zu Treibstoff für die Motoren wohlhabender Leute.“

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

 

 

 

 


Diese Artikel könnten Sie interessieren:


Die Verfassung der Weimarer Republik hatte große Schwächen


Der Jurist und Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel vertritt die These, dass die fundamental wichtigen Entscheidungen schon gefallen waren, als die Nationalversammlung im Januar 1919 in Weimar zusammentrat. Denn es stand fest, dass Deutschland in Zukunft weder eine Monarchie noch eine Rätediktatur, sondern eine rechtsstaatliche Republik sein werde. Ernst Fraenkel fügt hinzu: „Unentschieden war hingegen, ob in [...]


Die Hersteller von Konsumgütern erzeugen Abhängigkeiten


Eines der großen Anliegen von Wolfgang Schmidbauer ist es, Gefühle von Selbstverantwortung und Eigenmacht der Menschen gegen den erodierenden Einfluss des Konsumismus zu stärken. Er weist darauf hin, dass die Propheten des Konsums ihre Ware neutral nennen, wobei es lediglich darauf ankomme, was der verantwortliche Mensch mit ihr mache. Aber das ausgewogene Verhältnis zur Umwelt [...]


Brustkrebs ist immer noch die häufigste Krebsart bei Frauen


Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass der Brustkrebs mit rund 72.000 Neuerkrankungen im Jahr, die häufigste Krebsart bei Frauen ist. Die Hälfte der Frauen ist jünger als 65 Jahre alt, wenn bei ihnen die Diagnose Brustkrebs gestellt wird. Jede zehnte Frau ist sogar jünger als 45 Jahre. Obwohl die Erkrankungsraten steigen, gibt es neuerdings noch Hoffnung. Innovative [...]


Myriam Bechtoldt gibt deutschen Führungskräften schlechte Noten


Die Diplom-Psychologin Myriam Bechtoldt, die seit August 2012 als Professorin für Organisational Behaviour an der Frankfurt School of Finance und Management lehrt, hat das Nachwort zu dem Buch „Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus“ von Martin Wehrle geschrieben. Darin sind unzählige Beispiele zu finden, wie schlecht deutsche Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern umgehen. Myriam Bechtoldt [...]


Rudolf Eucken philosophiert über die Macht des Schicksals


Das Schicksal der Menschen ist so unterschiedlich, dass daraus unvermeidlich viel Verstimmung, Missmut und Zweifel entspringt. Das menschliche Handeln und Ergehen hat laut Rudolf Eucken bestimmte Voraussetzungen, da es durch seine Umgebung bedingt und in festen Zusammenhängen steht. Versucht ein Mensch solche Bindungen abzuschütteln und sich lediglich auf sich selbst zu konzentrieren, führt sein Leben [...]




Hinterlassen Sie eine Nachricht