Markus Gabriel erklärt den Epiphänomenalismus

Der Epiphänomenalismus ist die These, dass geistige Zustände und Vorgänge insgesamt keine Auswirkungen auf Vorgänge im Universum haben. Markus Gabriel ergänzt: „Ein Epiphänomenalist hält geistige Zustände für reine Begleiterscheinungen.“ Der US-amerikanische Philosoph John Searle, der den Epiphänomenalismus offensichtlich ablehnt, spitzt ihn durch den Vergleich zu, dass man sich vorstellen solle, „das Gehirn wäre nichts weiter als ein völlig mechanischer Haufen Schrott, wie ein Automotor, nur feuchter, und es würde durch absolut eindeutige mechanische Verbindungen funktionieren.“ Im Grunde führt die Denkweise des Epiphänomenalismus dazu, dass im ganzen Universum eine Ereigniskette abläuft, die alternativlos und zwingend von einer Ursache zu einer Wirkung führen soll, die wiederum eine Ursache einer Wirkung ist und so weiter. Markus Gabriel hat seit 2009 den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne und ist dort Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie.

Ein allumfassendes Weltganzes gibt es nicht

Im Hintergrund der ganzen Debatte um den Epiphänomenalismus steht die Überzeugung, dass das Universum kausal und nomologisch geschlossen ist. Markus Gabriel erläutert: „Was man sich darunter vorstellt, ist die Idee, dass alles, was in der Natur geschieht, durch Naturgesetzte bestimmt ist.“ Jedes Ereignis in der Raumzeit folgt auf ein anderes Ereignis in der Raumzeit nach Naturgesetzen, zu denen es keine Ausnahme gibt. Diese These ist als Determinismus bekannt. Die Annahme, dass es ein allumfassendes Weltganzes gibt, zu dem wirklich alles gehört, was es gibt, ist für Markus Gabriel einfach nur Unsinn.

Das Weltbild vom naturgesetzlich völlig geschlossenen Universum, das man auch häufig als Determinismus bezeichnet, ist eine in jeder Hinsicht unbewiesene Hypothese. Spekuliert der Mensch, neigt er besonders schnell dazu, sich zu verlieren. Angesichts des Unendlichen scheinen die Vorgänge in der alltäglichen Lebenswelt in der Tat erdrückend nebensächlich. Doch dieser Eindruck ist nur ein Effekt der Perspektive, und er berichtet nicht etwa die Wahrheit darüber, dass die menschliche Freiheit oder gar das menschliche Bewusstsein eine Illusion ist.

Der menschliche Geist macht sich ein Bild von sich selbst

Die Frage nach dem Verhältnis von Natur und Geist nimmt für gewöhnlich viel zu viele Voraussetzungen in Anspruch. Sie geht meist von einem Weltbild und einem Menschenbild aus, die sich leicht als Entlastungsphantasien enttarnen lassen. Markus Gabriel erklärt: „Auf der einen Seite stellt man sich in der Moderne ein Universum ohne Geist vor, das man dann auf der anderen Seite durch den Geist ergänzt und sozusagen etwas aufhellt.“ So hat man sich dann eine „kalte Heimat“ geschaffen.

Das heißt, man beschreibt immer noch seinen Aufenthaltsort, seine Heimat, raubt diesem Ort aber all jene Magie, die einem den Eindruck gibt, die Dinge hätten eine feste, verwurzelte Bedeutung. Die Heimat bleibt bestehen, sie ist nun aber so kalt wie der uns schwarz und düster erscheinende Raum außerhalb unserer Atmosphäre. Der menschliche Geist macht sich ein Bild von sich selbst. Dabei stellt er von der Innenperspektive des alltäglichen Erlebens auf die Vogelperspektive um. Quelle: „Ich ist nicht Gehirn“ von Markus Gabriel

Von Hans Klumbies

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