Der Nationalismus ist das schlimmste Gesicht des Populismus

In seinem neuen Roman „Die Enthüllung“, der im Suhrkamp Verlag erschienen ist, geht es um den Missbrauch der Macht und um Korruption. Doch nicht nur in seinen Büchern prangert der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa (80) Missstände an. In den sozialen Netzwerken wurde viel über den Literaturnobelpreis für Bob Dylan diskutiert. Mario Vargas Llosa hat diese Entscheidung sehr überrascht: „Ich glaube, das ist Ausdruck der zunehmenden Frivolität der Kultur in unserer Zeit. Bob Dylan ist ein guter Sänger, aber er ist längst kein großer Schriftsteller.“ Für Mario Vargas Llosa gibt es viele Schriftsteller, die den Nobelpreis verdient hätten und beiseitegelassen worden sind. Aber dies ist seiner Meinung nach die Zivilisation des Spektakels, und sie reicht inzwischen bis zur Schwedischen Akademie.

Kein Land ist vollständig vor Demagogie geschützt

Vor dem Brexit-Referendum hat Mario Vargas Llosa gesagt, ein EU-Austritt wäre eine Katastrophe für Großbritannien und auch für Europa. Allerdings hätte der Literaturnobelpreisträger nie gedacht, dass das Land in die Hände von Demagogen und Populisten fallen könnte: „Ich war in den Tagen vor dem Referendum in London – ich habe viele Jahre in England gelebt – und als ich im Fernsehen die widerlichste Demagogie und die unglaublichsten Lügen sah, erkannte ich das Land, in dem ich gelebt habe, nicht wieder.“

Mario Vargas Llosa würde in einem England außerhalb Europas, in einem nationalistischen Land nicht leben. Er glaubt aber nicht, dass es geschehen wird. Es gibt in der Tat bereits eine sehr kritische Reflexion darüber, was passiert ist. Und irgendwie, mit dieser praktischen Seite, die die Engländer haben, werden sie auf diskrete Weise zurückrudern. Mario Vargas Llosa erklärt: „Aber es ist ein interessanter Fall: Es bedeutet, dass kein Land vollständig geimpft ist gegen Demagogie, gegen Populismus und gegen das schlimmste Gesicht des Populismus, den Nationalismus.“

Donald Trump ist gefährlich und verantwortungslos

Brexit, das Wiederaufkommen einer fremdenfeindlichen Rechten, Donald Trump – kein Land ist scheinbar frei von Populismus. Donald Trump ist für Mario Vargas Llosa ein Phänomen, das in gewisser Weise mit dem Brexit zu tun hat. Es ist ein Populismus, der die Frustration, das sinkende Lebensniveau und die Unsicherheit über den Arbeitsplatz benutzt, um Scheinlösungen zu präsentieren. Mario Vargas Llosa hält Donald Trump für sehr gefährlich, denn er ist ganz klar verantwortungslos.

Aber der Schriftsteller glaubt, dass die Gefahr gebannt ist. Es hat zum Glück heftige Reaktionen gegeben, und alle Umfragen sagen, dass er keine Chance hat, die Wahlen in den USA zu gewinnen. Marion Vargas Llosa fügt hinzu: „Aber dennoch: Die Gefahr dadurch, dass er so viele Menschen für seine Kandidatur gewinnen konnte, ist ein Zeichen dafür, dass der Populismus die gebildetsten Länder erreichen kann.“ Die AfD in Deutschland ist seiner Meinung nach ein weiteres Indiz dafür, dass es in einem Land, das so starke demokratische Wurzeln geschlagen zu haben schien, plötzlich einen solchen Rückgang geben kann. Quelle: Welt Kompakt

Von Hans Klumbies


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