
August 31, 2010 | Geschrieben von admin-w57 - Kategorie
Philosophie
Es gibt Sehnsüchte, die von der Patina des Alterns verschont werden. Zu diesen ewig Jungen zählt laut Ludwig Marcuse das Glück. Babylonier, Juden, Inder, Griechen, Römer, Chinesen, Unglückliche und Glückliche haben seit Jahrtausenden über das Glücklichsein nachgedacht. So wie es heute Menschen gibt, die sich über das Glück ihre Gedanken machen, wird es auch morgen und übermorgen einen Menschen geben, der sich die Frage stellt: Was ist Glück? Schon 3.000 Jahre bevor „das Streben nach dem Glück“ als ein Grundrecht in die amerikanische Verfassung aufgenommen wurde, stritt Hiob für das Recht auf Glück.
Der Klassiker des Glücks ist Epikur
Selbst Immanuel Kant, der große Aufklärer glaubte, dass jemand existieren muss, der dem Tugendhaften sein Glück verbürgt. Der Klassiker des Glücks ist für Ludwig Marcuse der Grieche Epikur. Dieser war in Leidenschaft für das Glücklichsein entflammt und lehrte, was für ein großes Glück dieses Glück ist und aus wie viel Quellen der Mensch es schöpfen kann. Seit jener Zeit gibt es die Epikuräer, die einen unbändigen Enthusiasmus für das Glück haben und sich außerdem gegen alle Gefahren wappnen, die dem Glück drohen.
Für den größten Epikuräer hält Ludwig Marcuse jenen mysteriösen Mann, den seine Zeitgenossen Ecclesiastes nannten. Dieser war erfüllt vom Gedanken an die Nichtigkeit des Daseins und pries dennoch das unermessliche Glück, auf der Welt zu sein. Er pries es umso leidenschaftlicher, je trostloser er in die Abgründe starrte, an deren Hängen das Glück blühte. Die leidenschaftlichsten Epikuräer waren für Ludwig Marcuse die glückseligen Tragiker, zu denen er auch Friedrich Nietzsche zählt, der sein Buch „Ecce Homo“ mit den herrlichen Worten „Das Glück meines Lebens …“ beginnt.
Die großen Straßen des Glücks sind kerzengerade
Da das epikureische Glück sehr anfällig war, versuchten sich die Denker dadurch zu helfen, dass sie aus dem unglücklichen Alltag ausbrachen. Angestrebt wurde ein Reich der Freiheit, in dem man so frei war, keine Wünsche mehr zu haben. Der Stoiker Seneca riet den Menschen sich von allem unabhängig zu machen, was ihn feindlich treffen kann. Sein Motto „mir kann nichts geschehen“ umgab Seneca und die Seinen mit dem Glücksgefühl der Stoiker.
Auch Augustinus versuchte auf die Art der Stoiker glücklich zu werden, was ihm allerdings misslang. Er fand sein Glück erst im Glauben an den Erlöser. Das Leben des glücklichen Mönchs Psellus lehrt laut Ludwig Marcuse, dass es einen Plural von Glück gibt und dass diese Mehrzahl, die oft den Gesetzen der Logik widerspricht, in Wirklichkeit ausgezeichnet zusammenpasst. Die großen Straßen des Glücks sind allerdings kerzengerade. Zu ihnen zählen die Bahnen der glücklichen Stoiker und der glücklichen Heiligen.
Ebenso schnurgerade ist der Weg des glücklichen Denkers. So hat beispielsweise Baruch Spinoza gesagt, dass er nachdenkt, um glücklich zu werden. Er fand sein Glück im Erkennen und Lieben des Erkannten. Hier handelt es sich um eine Metamorphose der Weisheit „Denken hilft“ in „Denken ist Glück“. Schöner als Baruch Spinoza kann man nicht ausdrücken, was der Mensch tun muss, um glücklich zu sein.
Von Hans Klumbies
Kategorien: Philosophie |
Tags: Abgründe, Alltag, Amerika, Aufklärung, Augustinus, Baruch Spinoza, Dasein, Denken, Denken hilft, Denken ist Glück, Denker, Ecce Homo, Ecclesiastes, Enthusiasmus, Epikur, Epikuräer, Erkennen, Erlöser, Existenz, Freiheit, Friedrich Nietzsche, Gedanken, Gefahren, Gesetze, Glaube, Glücklichsein, Glücksgefühl, Grundrecht, Heilige, Hiob, Immanuel Kant, Leidenschaft, Liebe, Logik, Ludwig Marcuse, Menschen, Nichtigkeit, Psellus, Sehnsucht, Seneca, Streben nach Glück, Tragik, Trostlosigkeit, Tugend, Unabhängigkeit, Verfassung, Was ist Glück?, Weisheit, Welt, Wirklichkeit |
Keine Kommentare »
Hinterlassen Sie eine Nachricht
Diese Artikel könnten Sie interessieren:
Mörderische Abgründe gibt es in allen MenschenWie krank ist Anders Behring Breivik, der in Norwegen mutmaßlich 76 Menschen ermordet hat? Führende Gerichtspsychiater halten ihn nach gründlichem Studium des Tathergangs nicht für einen pathologisch gestörten, im krankhaften Wahn handelnden Irren. Ganz im Gegenteil sehen sie in ihm einen Überzeugungstäter, der aus einer wirren, teils selbst gebastelten Ideologie möglichst viel Gewalt ausüben wollte. [...]
Erich Fromm benennt drei Formen der DestruktivitätErich Fromm kritisiert den Behaviorismus, der in der Aggression lediglich ein erlerntes Verhalten sieht. Gewiss spielt das Lernen bei der Feindseligkeit des Menschen eine bedeutende Rolle, aber man darf laut Erich Fromm die biologische Ausstattung des Menschen nicht überspringen, wenn man die Abgründe der Destruktivität erforschen will. Er hält es allerdings nicht für nötig, einen natürlichen Aggressionstrieb anzunehmen. Es genügt ihm die Aggression zu den Möglichkeiten des Menschen zu zählen und die Bedingungen herauszufinden, unter denen sie Exzesse oder Katastrophen auslöst. Erich Fromm unterscheidet drei Arten der Aggressivität. Die erste ist die defensive Aggression, die er nicht als böse bezeichnet, da sie in der Abwehr von Angriffen besteht und eine Form von Selbstbehauptung ist.
Rebekka Reinhard zeigt die Vielfalt des FremdenÜberall wo der Mensch die Erfahrung macht, sich nicht auszukennen, begegnet er laut Rebekka Reinhard dem Fremden. Doch es gibt Unterschiede zwischen fremd und fremd. Zuerst is fremd einmal alles, was neu ist. Dann ist fremd auch, was sich der unmittelbaren Wahrnehmung und dem Erfahrungshorizont des Menschen entzieht. Es gibt noch weitere Varianten des Fremden. Die Philosophin schreibt: „Fremd ist, was nicht normal ist: Ausnahmezustände wie Krieg, Naturkatastrophen oder Krankheit. Fremd ist schließlich auch die absolut andere menschliche Existenz und Identität, das ewig Unbegreifliche Unerklärliche: der Tod, der Kosmos, das Göttliche.“
Ludwig Marcuse denkt über das Glück nachEs gibt Sehnsüchte, die von der Patina des Alterns verschont werden. Zu diesen ewig Jungen zählt laut Ludwig Marcuse das Glück. Babylonien, Juden, Inder, Griechen, Römer, Chinesen, Unglückliche und Glückliche haben seit Jahrtausenden über das Glücklichsein nachgedacht. So wie es heute Menschen gibt, die sich über das Glück ihre Gedanken machen, wird es auch morgen und übermorgen einen Menschen geben, der sich die Frage stellt: Was ist Glück? Schon 3.000 Jahre bevor „das Streben nach dem Glück“ als ein Grundrecht in die amerikanische Verfassung aufgenommen wurde, stritt Hiob für das Recht auf Glück.
Die Schonzeit für Chefs und Mitarbeiter ist vorbeiRoland Jäger schreibt in seinem Buch „Ausgekuschelt. Unbequeme Wahrheiten für den Chef“, dass einen Führungskraft seinen Mitarbeitern Verantwortung delegieren muss, wenn er nicht als führungsschwach gelten möchte. Er plädiert dafür, führungsbedürftige Mitarbeiter nicht zu loben, sondern zu kontrollieren. Wer bei Fehlern seiner Untergebenen Nachsicht zeigt, zeigt keine menschliche Größe, sondern geht zu sorglos mit dem Geld des Unternehmens um. Roland Jäger fordert; „Inkonsequente Chefs verdienen kein Vertrauen, sondern Entmachtung.“ Der Autor ist Coach, Trainer und Unternehmensberater. Seit 2002 ist er Inhaber der rj management in Wiesbaden.