Der Mensch sollte das Leben als gut auffassen

Beim französischen Philosophen Alain (eigentlich Émile-Auguste Chartier, 1868 – 1951) war ein Glücksfinder bodenständiger Prägung. Für ihn steht am Beginn einer positiven Welterfahrung zunächst einmal der Wille, sein Wollen selbst zu bestimmen und sich zu entschließen, das Leben als gut aufzufassen. Ludger Pfeil erklärt: „Solche Eigenmächtigkeit verlangt, dass man seinen Geist umfangreiche Freiheits- und Gestaltbarkeitsgrade zugesteht und ihm Einfluss auf unser körperliches Wohlbefinden einräumt.“ Dem, der diese Voraussetzung mitträgt, präsentiert Alain eine reichhaltige Palette praktisch orientierter Ratschläge: „ Mimikry der guten Laune“ bedeutet, einfach mal so zu tun, als ob man fröhlich wäre – diese Idee hatte Alain lange vor der Verbreitung des Lach-Yoga. Der Philosoph Dr. Ludger Pfeil machte nach seinem Studium Karriere in der Wirtschaft als Projektleiter und Führungskraft und ist als Managementberater tätig.

Vertrauen wird durch Anständigkeit belohnt

Dazu fügen sich Entspannungstechniken und die gute alte Höflichkeit und Freundlichkeit im Umgang miteinander. Immer findet Alain philosophische Begründungen für diese auf den ersten Blick trivial erscheinenden Tipps. Am Beispiel des Vertrauens klärt er die Menschen darüber auf, wie sich zwischenmenschlich ein Vorschuss als lohnende Investition erweist, denn Alain glaubt an sich selbst erfüllende Prophezeiungen und nutzt sie bewusst: „Insbesondere im Bereich menschlicher Verhältnisse, in dem das Vertrauen mit zu den Tatsachen gehört, verrechne ich mich, wenn ich nicht mein eigenes Vertrauen einrechne.“

Alain fährt fort: „Habe ich Vertrauen zu jemand, benimmt er sich anständig; wenn ich ihn von vornherein verdächtige, bestiehlt er mich. Jeder gibt mir genau in der eigenen Münze heraus.“ Nicht nur Vertrauen funktioniert als komplexes Zusammenspiel, bei dem man die Wirkung seiner eigenen Spielzüge nicht unterschätzen darf. Folgerichtig propagiert Alain eine nachsichtige Vorgabe an Wohlwollen und macht damit beste Erfahrungen. Allzu oft hegen Menschen die blauäugige Erwartung, dass die anderen ihre vornehmste Aufgabe darin sehen, einen möglichst angenehm zu unterhalten, oder dass sie einem zumindest seelisch aufgeräumt begegnen.

Das Potential zu einem freudvollen Leben steckt in jedem Menschen

Weitaus realistischer ist die Annahme, dass der Gegenüber gerade nicht bester Laune ist, Sorgen, Ärger oder einen Kater hat. Alain erläutert: „Aus diesem Durcheinander muss ich dann, einem Goldwäscher gleich, das geringste Körnchen heraussuchen; und zwar muss ich selber diese Arbeit tun, da kein Mensch die eigenen Äußerungen der gleichen Kritik unterwirft, wie die der anderen.“ Ein weiterer wichtiger und selbst steuerbarer Glücksfaktor sind für Alain schnell und abschließend getroffene Entscheidungen ohne späteres Nachsinnen.

Nicht gewählte Alternativen, denen man nachzutrauern versucht sein könnte, hätten andere Unwägbarkeiten enthalten und lassen sich ohnehin nicht mehr leben. Das Entscheidende ist und bleibt jedoch für Alain die Entschlossenheit zum eigenen Glück, denn es liegt auf der Hand, „dass man unmöglich glücklich sein kann, wenn man es nicht sein will; man muss sein Glück wollen und es machen.“ Aufgrund der Formbarkeit des menschlichen Bewusstseins steckt das Potential zu einem freudvollen Leben in allen Menschen. Aus diesem prinzipiellen Glücklich-sein-Können leitet Alain ein „Pflicht, glücklich zu sein“ ab, denn die Unzufriedenen verderben nicht nur sich selbst die Laune, sondern könnten auch für einiges Unglück in der Welt verantwortlich sein. Quelle: „Du lebst, was du denkst“ von Ludger Pfeil

Von Hans Klumbies


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