Zum Glücklichsein braucht ein Mensch nicht viel

Durch seine Analyse verschiedener Kategorien von Bedürfnissen festigt Epikur seine Ansicht vom wahren Vergnügen als Freiheit von Schmerz und Sorge. Ludger Pfeil erläutert: „Wenn man die leibliche Unversehrtheit und den Seelenfrieden zum Maßstab nimmt, lassen sich die Begierden leicht sortieren. Weniges ist lebensnotwendig oder zur Erhaltung der Gesundheit erforderlich, zum Glücklichsein brauchen wir nicht viel mehr und schon gar keine unnatürlich erzeugten Genüsse.“ Wenn der Schmerz gestillt ist und die Wogen der inneren Unruhe geglättet sind, hat man das Entscheidende bereits erreicht. Die Freude kommt dann von selbst. Mehr sollte man laut Epikur nicht vom Leben erwarten. Der Philosoph Dr. Ludger Pfeil machte nach seinem Studium Karriere in der Wirtschaft als Projektleiter und Führungskraft und ist als Managementberater tätig.

Epikur ermahnt zum klugen Umgang mit den Wünschen

Wenn man seine Ratschläge beherzigt, verspricht Epikur die Aussicht auf eine nie endenden Wellness-Tag – wenn auch nicht mit der kostenintensiven dienstbeflissenen Umsorgtheit durch gute Geister, die viele Menschen damit verbinden. Wie in der Saunalandschaft spielen im Epikurs philosophischen Garten Freundschaften eine nicht unerhebliche Rolle – gemeinsam genießt es sich einfach besser, und gerade unter schwierigen Lebensbedingungen sind Freunde ein wahrhaftes Bedürfnis.

Der beständige Austausch unter Gleichgesinnten, die sich gegenseitig in ihrer Haltung des kontrollierten Konsumverzichts bestärken, ist dabei noch wichtiger als die sprichwörtlichen „Freunde in der Not“, die man ohnehin am leichtesten findet, Wenn man sechs Richtige im Lotto hat. Ludger Pfeil erklärt: „Epikur ermahnt uns zum klugen Umgang mit unseren Wünschen und die Abwägung der zu erwartenden Folgen. Nicht jeder Spaß hält auf Dauer, was er auf den ersten Blick verspricht. Das eine oder andere Vergnügen sollte man lieber auslassen, wenn ein dickes Ende nachkäme.“ Selbst Schmerzen sind aber nicht immer zu vermeiden.

Epikur hat immer die dauerhafte Maximierung der Lust fest im Blick

Doch Verzicht und unliebsamer Zwang werden von Epikur niemals übertrieben oder gar zum abhärtenden Selbstzweck erhöht. Die Zielrichtung der dauerhaften Lustmaximierung bleibt fest im Blick. Eine an den natürlichen Notwendigkeiten ausgerichtete Ernährung ist nicht nur der Gesundheit zuträglich. Sie erhöht gleichzeitig den Genuss von Leckereien nach längerer Abstinenz. Nicht zuletzt mildert die Gewöhnung an ein einfaches Leben die Furch vor einem finanziellen Abstieg, der den Verlust eines hohen Lebensstandards für manchen zum unerträglich scheinenden Schicksalsschlag macht.

Epikurs Lustorientierung ist verbunden mit intensivem Training und einem abgeklärten Einschätzungsvermögen. Anhänger des Epikurs reduzieren ihren Konsum auf den Anteil, der leicht erreichbar ist, und gewinnen damit ein hohes Maß an Unabhängigkeit. Bedürfnisorientierte Lebenskünstler pflegen einen reflektierten Umgang mit ihren Freunden. Sie legen Wert auf geistige Werte wie Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, bleiben sich aber der Bedeutung der körperlichen Grundlage aus Schmerz und Lust äußerst bewusst. Quelle: „Du lebst, was du denkst“ von Ludger Pfeil

Von Hans Klumbies


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