Die ausufernde Produktion von Unsinn muss aufhören

Mathias Binswanger hält nichts von dem Motto „Je mehr Wettbewerb – umso besser!“ Denn es führt seiner Meinung nach dazu, dass künstliche Märkte ins Leben gerufen werden, wo es eigentlich keine Nachfrage gäbe, wodurch nicht mehr Qualität, sondern immer mehr Unsinn produziert wird. In seinem Buch „Sinnlose Wettbewerbe“ gibt Mathias Binswanger zwar zu, dass die Produktion von Dingen, die niemand braucht, zwar kurzfristig Arbeitsplätze schafft, langfristig sind aber die Folgen für die Wirtschaft und die Gesellschaft fatal. Laut Mathias Binswanger geht ein neues Gespenst in Europa um, der Geist des künstlichen Wettbewerbs, der sich zu einer Ideologie entwickelt hat, in die sich die Menschen verrannt haben. Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre der Fachhochschule Solothurn.

Die Illusionen des künstlichen Wettbewerbs ohne Markt

Der Autor hat das Buch wie folgt gegliedert: Im ersten Teil beschreibt er das Verhältnis zwischen Markt und Wettbewerb und die mit künstlichen Wettbewerben ohne Markt verbundenen Illusionen. Im zweiten Kapitel stellt er den Idealfall des Marktwettbewerbs dar. Im dritten Abschnitt erklärt Mathias Binswanger die Wettbewerbsillusion, die davon ausgeht, dass sich die Effizienz eines Marktwettbewerbs auch ohne Markt durch künstlich inszenierte Wettbewerbe erreichen lässt.

In Kapitel vier setzt sich der Autor mit der Messbarkeitsillusion auseinander, die davon ausgeht, qualitative Leistungen mit Kennzahlen messen zu können. Im fünften Abschnitt beschreibt Mathias Binswanger die Motivationsillusion, hinter der die Idee steckt, den Menschen mit Zuckerbrot und Peitsche zu Höchstleistungen anspornen zu können. Im zweiten Teil seines Buchs zeigt Mathias Binswanger, wo es überall zu Unsinnsproduktionen kommt und welche Folgen dadurch entstehen.

Echte Qualität und Leistung müssen wieder mehr im Vordergrund stehen

Für Mathias Binswanger sind die wichtigsten Bereiche für künstlich inszenierte Wettbewerbe, der Wissenschaftssektor, der Bildungsbereich sowie das Gesundheitswesen. Auch innerhalb privater Unternehmen werden durch künstliche Wettbewerbe perverse Anreize gesetzt. Am offensichtlichsten ist dies gemäß Mathias Binswanger bei vielen Banken zu sehen. Entscheidend für die Bonuszahlungen war nicht die intern gemessene Leistung der Investmentbanker, sondern nur die Schaffung neuer Wertpapiere, die kurzfristige Gewinnmöglichkeiten garantierten.

Mathias Binswanger fordert die Produktion von Unsinn einzustellen. Er schreibt: „Im Grunde lassen sich die künstlich inszenierten Wettbewerbe ganz einfach stoppen, indem den mit ihnen verbundenen Aktivitäten der Geldhahn zugedreht wird.“ Zudem spricht sich der Autor dafür aus, Gelder möglichst direkt und ohne Umwege an entsprechende Institutionen und Personen zu vergeben, was zu mehr Effizienz und Bürokratieabbau führen würde. In Zukunft müssen wieder echte Qualität und Leistung im Vordergrund stehen.

Sinnlose Wettbewerbe
Warum wir immer mehr Unsinn produzieren
Mathias Binswanger
Verlag: Herder
Gebundene Ausgabe: 239 Seiten, Auflage: 2010
ISBN: 978-3-451-30348-7, 19,95 Euro

Von Hans Klumbies

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