Klaus von Beyme prüft die Verflechtung von Politik und Medien

Neben den direkten Einflüssen durch die Politik der Parteien entwickeln sich Verflechtungen zwischen Politik und Medien durch die ständige Ausweitung ihrer Kommunikation. Gefälligkeitsjournalismus ist bei weitem keine Seltenheit. Die Eliten sitzen sozusagen in einem Boot. Klaus von Beyme weist darauf hin, dass in Europa schon darüber diskutiert wird, ob die Medienvertreter nicht schon ein Teil der politischen Klasse sind. Der Politikwissenschaftler schreibt: „Je mehr die entideologisierte Politik über Ereignisse und Personen vermittelt wird, umso mehr wächst die Tendenz in den Medien, Kooperation statt Kontrolle zu suchen.“ Dazu kommt ein weiterer Punkt. Je professioneller die Medienarbeit der Regierung und der Parteien wurde, desto stärker wurde die Tendenz der Journalisten, angesichts der Überflutung mit Informationen schlicht die offizielle Verlautbarung in großen Teilen zu übernehmen. Der deutsche Politikwissenschaftler Klaus von Beyme war von 1974 bis 1999 Professor am Institut für Politische Wissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Siegfried Weischenberg klassifiziert drei Gruppen von Teilnehmern am Kommunikationsprozess

In der Gesetzgebung gab es laut Klaus von Beyme schon lange das eingespielte Dreieck von Regierung/Bürokratie, Parlamentsauschüssen und Interessengruppen. Auch die Verwaltung unterhält immer professionellere Informationsdienste für die Medien. Analog dazu hat sich ein medienpolitisches Dreieck von Politikern, Journalisten und Publikum etabliert. Klaus von Beyme fügt hinzu: „Die am Dreieck der Politikfindung Beteiligten können zur politischen Klasse gezählt werden. Das Publikum im Mediendreieck wird niemand dazu rechnen wollen.“

Siegfried Weischenberg, Leiter des Lehrstuhls für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg, klassifiziert drei Gruppen von Teilnehmern am Prozess der Kommunikation in der Politik. Erstens die Politiker, die er in Gladiatoren, Informanten und Argumentierer untereilt. Zweitens die Journalisten, die sich aus Anwälten und Unterhalter zusammensetzen und drittens das Publikum, dass sich entweder engagiert beziehungsweise skeptisch ist oder nur zu den Konsumenten zählt.

Politiker und Medieneliten inszenieren zunehmend nur noch Schaupolitik

Das Selbstbild eines Teils der Medien schließt für Klaus von Beyme die Macht nicht aus. Der Einfluss der Medien wird allerdings von Politikern eher hochgespielt als von den Journalisten. Allerdings gibt es auch keinen Zweifel daran, dass die Politiker auf Kontakte zu den Medien angewiesen sind. Bei einer Befragung stellte sich heraus, dass für rund 80 Prozent der Abgeordneten die Journalisten die wichtigsten Beratungspersonen sind. Sie nehmen damit den zweiten Rang ein. Wichtiger sind nur noch Parteikollegen.

Klaus von Beyme vertritt die These, dass Politiker und Medieneliten zunehmend in der Inszenierung von Schaupolitik verbunden sind. Journalisten verstärken seiner Meinung nach die Tendenzen zur Verselbstständigung in der politischen Klasse. Klaus von Beyme erklärt: „Der symbolische Gebrauch von Politik nimmt zu, je weniger ideologisch verfestigte Grabenkämpfe die politische Arena beherrschen.“ Zudem kommt es bei längerer Amtsdauer bei Politikern immer häufiger vor, dass sie Entscheidungspolitik mit ritueller Politik verwechseln.

Von Hans Klumbies


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