Problem und Lösung stehen in keinem Zusammenhang

Anstatt Probleme zu lösen, ist es besser Lösungen zu (er)finden. Die lösungsfokussierte Methode der Psychotherapeuten Steve de Shazer (1940 – 2005) und seiner Frau Insoo Kim Berg wurde von ihnen 1982 erstmals vorgestellt und als Schule von Milwaukee bekannt. Klaus Biedermann erläutert: „Sie ist keine Psychotherapie im eigentlichen Sinne, denn sie verändert Menschen nicht, sondern unterstützt sie zur Selbsthilfe, damit sie ihre Ziele aus eigener Kraft erreichen. Steve de Shazer war von der Philosophie Ludwig Wittgensteins sehr beeinflusst, der im „Tractatus“ bereits schrieb, Problem und Lösung stünden in keinem Zusammenhang. Zu wissen, wie der Karren in den Dreck gelangt ist, heißt noch lange nicht, dass man dann auch weiß, wie man ihn wieder herausziehen kann. Dr. phil. Klaus Biedermann leitet seit mehr als 30 Jahren Selbsterfahrungskurse und Burn-In-Seminare in seiner Sommerakademie auf der Insel Korfu.

Verstehen allein nützt bei einem Problem nicht viel

Die Lösungsfokussierung baut auf Milton Ericksons Technik „Pseudo-Orientierung in der Zeit“ auf und befasst sich mit der Entdeckung und Konstruktion von Lösungen. Sie geht davon aus, dass es wenig bringt, ein Problem zu analysieren und zu verstehen. Verstehen allein nützt nicht viel. Jeder Raucher weiß, dass es ungesund ist zu rauchen, und durch das Wissen allein, dass die eigene Angst vor Menschen auf einer schlimmen Kindheit beruht, ist man sie auch nicht los.

Klaus Biedermann erklärt: „Eine Veränderung kann also wenig mit Verstehen zu tun haben. Das Problem zu fokussieren, sich aufzuregen oder gegen es anzukämpfen, löst es ebenfalls nicht. Probleme können problematisch sein, was nicht bedeutet, dass man die Herausforderungen, die sie beinhalten nicht lösen könnte.“ Problematisch sind die Dinge nur, insoweit man selbst problemorientiert denkt. Je komplizierter ein Mensch denkt, desto komplizierter wird das Ganze.

Es gibt immer eine Lösung

Je einfacher der Mensch denkt, desto einfacher wird es. Für solche Menschen wird es nicht kompliziert, sondern höchstens komplex und somit auch lösbar. Ob ein Problem bewältigt und somit gelöst werden kann oder nicht, bestimmt einzig das Bewusstsein desjenigen, der das Problem hat. Als die Verkörperung eines Schöpfers wird er derjenige sein, der das Zepter führt. Als Fleisch gewordenes Opferbewusstsein allerdings wird die Suche nach einer Lösung nur zu weiteren Problemen führen.

Dies führt im Extremfall dazu, dass man ein Leben lang keinen Ausweg mehr findet. Diese Haltung entscheidet wahrhaft über Sein oder Nichtsein. Wer ein Schöpfer ist, kann sich als Konstrukteur seines Problems erkennen und wertschätzen – so merkwürdig das auch klingen mag. Denn dann weiß derjenige: Es gibt immer eine Lösung und er wird gestärkt aus dieser Situation herausgehen. Und genau dies ist die wohl hilfreichste Haltung überhaupt. Wer dagegen tief davon überzeugt ist, dass ein Problem nur schwer oder gar nicht lösbar ist, wird recht behalten. Warum? Weil der Verstand immer recht haben will. Dafür geht er buchstäblich über Leichen. Quelle: „Burn-In statt Burn-Out“ von Klaus Biedermann

Von Hans Klumbies

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