Bei Burn-out gibt es mehr als 130 Symptome

Weltweit wird an Verfahren gearbeitet, um Burn-out präzise diagnostizieren zu können. Doch die Wissenschaftler sind sich untereinander nicht einig. Mehr als 130 Symptome wurden bislang festgestellt – eine klare medizinische Definition des Begriffes fehlt bis heute. Klaus Biedermann erklärt: „Burn-out wird im ICD-10, der internationalen Klassifikation der Erkrankungen, nach wie vor nicht als eigenständiges Krankheitsbild geführt. Dr. Manfred Lütz spricht da eher von einer Befindlichkeitsstörung.“ Wie immer man dieses Phänomen auch nennen mag – inzwischen leiden Millionen Menschen daran. Allein in Deutschland schätzt man die Zahl der Betroffenen auf neun Millionen. Mehreren Untersuchungen zufolge gehört fast ein Drittel aller Ärzte dazu. Dr. phil. Klaus Biedermann leitet seit mehr als 30 Jahren Selbsterfahrungskurse und Burn-In-Seminare in seiner Sommerakademie auf der Insel Korfu.

Die Schulmedizin betrachtet den menschlichen Körper vornehmlich als Maschine

Falsch behandelt oder lange ignoriert kann Burn-out zu permanenter Berufsunfähigkeit und Invalidisierung mit all ihren zerstörenden Konsequenzen für das soziale wie berufliche Leben führen, in manchen Fällen auch zum Suizid. Bei fast allen traditionellen Behandlungsmethoden versucht der Arzt, das Problem einzukreisen, indem er seinem Patienten Fragen zu den Symptomen stellt. Was folgt, ist eine Diagnose, die ungefähr so ausfallen kann: „Nach allem, was ich gehört habe, handelt es sich hier um eine Depression.“

Und schon ist der Patient mit einem Etikett versehen, das er nur sehr schwer wieder loswird. War er bis dahin nicht depressiv, so wird er es jetzt vielleicht aufgrund der Diagnose. Klaus Biedermann weiß: „Die suggestive Macht von Menschen in weißen Kitteln ist nicht zu unterschätzen – im positiven wie im negativen Sinne.“ In der klassischen Schulmedizin gibt es eine klare Trennung: „Ich bin hier der Doktor, beobachte dich dort und beschreibe, wie ich dich beobachte. Dann gebe ich dir mein Rezept.“ Dieser Ansatz schaut sich den menschlichen Körper vornehmlich als Maschine an.

Geist und Körper sind untrennbar miteinander verbunden

Der Mensch ist aber kein lineares System und als solches nicht vorhersagbar. Klaus Biedermann erläutert: „Mit dem Ursache-Wirkung-Prinzip kommt man hier nicht weit.“ Noch nie ist nur der Körper in eine Arztpraxis gekommen – Geist und Seele waren immer dabei, und mehr noch, die Systeme in denen dieser Mensch lebt und von denen er ein Teil ist, ebenfalls. Alles ist untrennbar miteinander verbunden. Das bedeutet: Alle Phänomene, die sich im Geist abspielen, finden ebenfalls auf der körperlichen Ebene statt und sind dort sogar unmittelbar beobachtbar, spürbar und messbar.

Man braucht dabei nur an das Erröten zu denken, wenn man sich schämt, oder das Zittern vor Angst. Klaus Biedermann stellt fest: „Der Arzt stellt also seine Diagnose aus seinem eigenen Modell der Wirklichkeit heraus. Das Dumme ist nur, dass auch der Patient ein Modell hat, nämlich seines.“ Er hat Gewohnheiten verinnerlicht, die er auch dann beibehält, wenn sie zu gesundheitlichen Problemen führen. Das heißt, Arzt und Patient können nur gemeinsam an der Heilung einer Krankheit arbeiten. Quelle: „Burn-In statt Burn-Out“ von Klaus Biedermann

Von Hans Klumbies


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.