Das Gedächtnis ist ein Wunder der Evolution

Das menschliche Gedächtnis ist hoffnungslos störanfällig und unfassbar ungenau. Alle Menschen haben ein bedenklich fehlerhaftes Erinnerungsvermögen. Das Gedächtnis leidet unter biologischen Schwächen, Wahrnehmungsfehlern, Kontaminierung, Aufmerksamkeitsverzerrungen, Selbstüberschätzung und Konfabulation. Beim Metagedächtnis dagegen handelt es sich um das Wissen über das Gedächtnis und seine Funktionsweise. Julia Shaw fügt hinzu: „Es ist eine Art Metakognition, ein Nachdenken über das Denken. Dass wir diese Fähigkeit besitzen, bedeutet, dass wir uns Gedanken darüber machen können, warum wir uns erinnern, wie wir uns erinnern und wie gut wir darin sind, uns an einzelne Informationen zu erinnern.“ Eine der ersten Studien über das Metagedächtnis wurde 1965 von Joseph Hart entwickelt. Er wollte ein ganz bestimmtes Merkmal des Metagedächtnisses verstehen, ein Konstrukt, das er das „Gefühl des Wissens“ nannte. Die Rechtspsychologin Julia Shaw lehrt und forscht an der London South Bank University.

Die physische Struktur des Gehirns verändert sich ständig

Joseph Hart beschrieb das „Gefühl des Wissens“ als das Gefühl, das ein Mensch hat, wenn er glaubt, er hätte etwas im Gedächtnis gespeichert, aber nicht abrufen kann. Wenn man beginnt, das Wissen des Metagedächtnisses in Zweifel zu ziehen, und sich etwa fragt, wo das Gefühl des Wissens herkommt, beginnen Psychologen von einer metakognitiven Überwachung des Metagedächtnisses zu sprechen. Und obwohl das Gedächtnis fehleranfällig ist und Menschen in die Irre führen kann, betont Julia Shaw doch, wie unglaublich gut es ist.

Julia Shaw erläutert: „Ein biologisches System zu haben, das assoziativ solche gewaltigen Mengen an Informationen speichert, ist ein Wunder der Evolution, und wir sollten uns alle außerordentlich glücklich schätzen.“ Manche Menschen streben danach, alles zu wissen – oder zumindest immer mehr zu wissen. Und aus dem Bestreben heraus, klüger zu werden, entschließen sich zu einem Gedächtnistraining. Theoretisch verändert alles, was ein Mensch tut, die physische Struktur seines Gehirns, wenn auch vielleicht nur ein kleines bisschen, folglich geschieht das auch, wenn man Spiele spielt, die das Gehirn trainieren.

Eine beliebte Mnemotechnik ist der Gedächtnispalast

Die Forschung zeigt eindeutig, dass sich unter der Perspektive des Gedächtnisses Bizarrheit lohnt, weil sie hängen bleibt; anders gesagt ist es so, dass unerwartete Komponenten im Allgmeinen für die Beispiele und Informationen sorgen, die man sich am besten merken kann. Aber warum funktioniert die Bizarrheit überhaupt? Das hat mit der assoziativen Natur des menschlichen Gedächtnisses zu tun. Die Mnemotechnik der Bizarrheit hilft einem Menschen, mehr Assoziationen zu bilden, als er das sonst tun würde.

Je mehr potentiale Pfade es zu einer Erinnerung gibt – je mehr assoziative Verbindungen – desto schneller und wahrscheinlicher kommt ein Mensch dorthin, wo er hinwill, wenn er versucht, sie abzurufen. Julia Shaw erklärt: „Das ist im Grunde das Kernprinzip hinter den meisten Merkhilfen, wir sollten die Dinge lebhaft, bizarr und als Teil einer Situation gestalten.“ Eine weitere beliebte Mnemotechnik ist der „Gedächtnispalast“. Ein Gedächtnispalast, den man auch Loci-Methode nennt, besteht darin, dass man einen Ort, an den man bereits Erinnerungen hat, dazu nutzt, weitere Assoziationen aufzubauen. Quelle: „Das trügerische Gedächtnis“ von Julia Shaw

Von Hans Klumbies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.