John Law erfindet die Volksaktie

1720 war der Schotte John Law der reichste Mann der Welt, leitete die größte Bank Frankreichs und bestimmte die Finanzpolitik des damals mächtigsten Landes in Europa. Er liebt exklusive Kleidung und das schöne Geschlecht. Am Anfang seiner Karriere finanzierte er seinen Luxus durch Gewinne beim Glücksspiel, bei dem er fast immer gewann, da er die Gabe besaß, blitzschnell im Kopf die Gewinnchancen zu berechnen. Das Geld, das er im Spiel gewann, sparte er nicht, sondern gab es gleich wieder aus. Seinen Umgang mit dem Geld erklärt er in einem 1705 veröffentlichten Buch. Darin schreibt er, dass das Geld verwendet werden und zirkulieren muss, wenn es von Nutzen sein soll.

John Law erfindet das Papiergeld

Fehlen Goldmünzen bei der Zirkulation des Geldes, müssen Geldscheine ausgegeben werden. Die Menschen könnten für ihre Arbeit und Dienste mit diesen Noten bezahlt werden. Diese Überzeugung macht John Law zu einem der Erfinder des Papiergeldes. 1715 sind die Staatskassen Frankreichs leer. Da schlägt John Law dem Regenten von Frankreich dem Herzog von Orléans vor, eine Bank zu gründen.

Er verweist auf das schon existierende Bankwesen der Briten und Holländer. Die bäuerliche Wirtschaft in Frankreich war gegenüber diesen Ländern sehr rückständig. John Law bekommt die Erlaubnis und gründet die erste Bank in Frankreich, die Papiergeld ausgeben darf. Das neue Geld wird von der Bevölkerung mit Begeisterung angenommen.

Die Aktionäre konnten ihr Kapital an einem Tag verzehnfachen

Bald darauf führt John Law wieder etwas Neues in der Finanzwelt ein, die Volksaktie. Er nennt die Aktiengesellschaft d´Occident, deren Geschäft die Ausbeutung der französischen Kolonien in Amerika ist. John Law vermutete große Goldvorkommen in Louisiana. Menschen aus allen Schichten des Volkes strömen aus ganz Frankreich nach Paris, um Volksaktien zu kaufen.

Wer eine Aktie kaufte, die nach heutiger Währung etwa 500 Euro kostete, konnte damit zeitweise noch am gleichen Tag beim Verkauf den zehnfachen Preis erzielen. Einzelne Aktionäre wurden mit einem Schlag sehr reich. Als John Law erfährt, dass es in Louisiana kaum Goldvorkommen gibt, versucht er die nervös werdenden Aktionäre mit einem Trick zu beruhigen. Er schickt Bettler mit Hacken und Schaufeln los, die sich zu den Schiffen begeben sollten, die nach Amerika auslaufen sollten.

Gewagte Spekualtionen können zu Reichtum führen

Zuerst kommt er mit diesem Trick durch. Die Aktie von einem Nennwert von 500 Euro erreichte einen Verkaufswert von 12.000 Euro. Als John Law den Wert der Aktie auf die Hälfte herabsetzt, fühlen sich die Aktionäre beraubt und es kommt zu tumultartigen Ausschreitungen, bei denen 15 Menschen den Tod finden. John Law flieht nach Venedig, wo er sein Leben bis zu seinem Tod durch das Glückspiel finanziert.

Dem Schotten John Law gelang es, im Bewusstsein der Menschen eine neue Idee zu verankern. Er lehrte sie, dass man nicht nur durch mühsame Arbeit zu Reichtum kommen kann, sondern auch durch gewagte Spekulationen, bei denen aber ein Totalverlust niemals ausgeschlossen ist.

Kurzbiographie: John Law

John Law wird 1671 in Edinburgh geboren, zieht mit Anfang 20 nach London und sucht Anschluss an die oberen Zehntausend. Als er im Duell einen Nebenbuhler um eine schöne Frau tötet, wird er zum Tode verurteilt. Er bricht aus dem Gefängnis aus und flieht in die Niederlande. 10 Jahre reiste er als Spieler durch Europa.

In Frankreich gründete er die erste Bank, die Geldscheine herausgeben durfte und erfand die Volksaktie. Nachdem eine von ihm angefachte Aktienblase platzt, muss er vor den aufgebrachten Aktionären nach Venedig fliehen. Dort stirbt er 1729 an einer Lungenentzündung.

Von Hans Klumbies

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