Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller wurden Freunde

Die Ablehnung der Französischen Revolution war die gemeinsame Basis, auf der sich die Annäherung zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller in den 1790er Jahren vollziehen konnte; sie führte schließlich zu dem viel beschworenen „Freundschaftsbund“, der das Bild nachfolgender Generationen von der Klassik geprägt hat. Bereits im Jahr 1787 war Friedrich Schiller – angezogen von dem kulturellen Zentrum und in der Hoffnung auf materielle Sicherheit – nach unruhigen Wanderjahren nach Weimar gekommen, ohne dass sich die beiden Schriftsteller in den ersten Jahren näher kamen. Der langsame Annäherungsprozess, der nicht widerspruchsfrei verlief, führte zu einer engen und intensiven Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten. Es kam zu einem regen Austausch der literarischen und philosophischen Arbeiten, wobei insbesondere Friedrich Schiller durch seine produktive Kritik Johann Wolfgang von Goethe in seiner Arbeit an den „Lehrjahren“ entscheidend förderte.

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller gaben die Zeitschrift „Die Horen“ heraus

Darüber hinaus schlug sich die neue Freundschaft in der gemeinsamen Herausgeberschaft der Zeitschrift „Die Horen“ nieder, deren ehrgeiziges Ziel es war, zum wichtigsten Organ des literarischen Lebens in Deutschland zu werden. „Die Horen“ waren als eine Plattform für all diejenigen Autoren gedacht, die sich dem „Ideal veredelter Menschheit“ verpflichtet fühlten, das Friedrich Schiller in seinen „Ästhetischen Briefen“ theoretisch formuliert und welche Johann Wolfgang von Goethe in seiner „Iphigenie“ in die Praxis umgesetzt hatte.

Wohlanständigkeit, Ordnung, Gerechtigkeit und Friede waren die Werte, unter denen sich die Autoren versammeln sollten. Zu den Mitarbeitern gehörten neben den beiden Herausgebern vor allem Wilhelm von Humboldt, Johann Gottfried Herder und August Wilhelm Schlegel. Friedrich Schiller veröffentlichte eine Liste von 25 Autoren, die regelmäßig Beiträge zu liefern versprochen hatten. Andere – wie zum Beispiel Friedrich Hölderlin und Sophie Mereau – kamen später hinzu, ohne dass die Zeitschrift von ihren Mitarbeitern her repräsentativ war.

Im ersten Jahr abonnieren 1.800 Leser „Die Horen“

Das Ansehen der Zeitschrift „Die Horen“ war anfangs sehr groß, der Verkaufserfolg beträchtlich. Im ersten Jahr gewann man 1.800 Abonnenten. In den folgenden Jahren nahm die Zahl jedoch kontinuierlich ab, obwohl Friedrich Schiller, Wilhelm von Humboldt und Johann Gottlieb Fichte mit zentralen Schriften in den „Horen“ vertreten waren, Johann Wolfgang von Goethe seine „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter“ beisteuerte und zahlreiche Gedichte Friedrich Schillers hier erstmals publiziert wurden. Die „Horen“ konnten sich am Markt nicht durchsetzen.

Eine zweite Form der Gemeinsamkeit fanden Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller in der Arbeit an dem „Xenien-Almanach“. In wenigen Monaten schrieben beide nach dem Vorbild des römischen Autors Martial weit über sechshundert Epigramme, in denen sie sich satirisch und polemisch mit konkurrierenden Zeitschriften und gegnerischen Autoren auseinander setzen. In den Almanach wurde nur ein kleiner Teil der Epigramme aufgenommen, ein Teil von ihnen sogar anonym, da Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller ihr Denken und Schreiben so weit einander angenähert hatten, dass ihnen die namentliche Zeichnung nicht in allen Fällen notwendig erschien. Quelle: „Deutsche Literaturgeschichte“ aus dem Verlag J. B. Metzler

Von Hans Klumbies

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