Ohne Selbststeuerung lässt sich im Leben nichts erreichen

Joachim Bauer vertritt in seinem neuen Buch „Selbststeuerung“ die These, dass sich durch Selbststeuerung im Leben vieles erreichen lässt, ohne sie nichts. Allen Menschen ist die Fähigkeit angeboren, Selbststeuerung zu erlernen. Sie sorgt für eine ausgeglichene Balance zwischen der unmittelbaren Befriedigung von Bedürfnissen und dem Erreichen längerfristiger, höherstufiger Ziele. Die Selbststeuerung kann sogar niedergeschlagenen Menschen einen Weg aus Stress, innerer Leere und dem Gefühl der Sinnlosigkeit weisen. Der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer, der an der Universität Freiburg lehrt, beschreibt Selbststeuerung als Funktionen des menschlichen Stirnhirns. Die Philosophie nennt sie schlicht den freien Willen. Der tiefere Sinn der Selbststeuerung liegt darin, sein ganz eigenes, wahres Leben zu leben und zu sich selbst, zu seiner ureigenen Identität zu finden. Zum Selbst gehört es, einen Plan zu haben und auf dieser Basis etwas besonders Beglückendes zu tun, nämlich für sich eine eigene, ganz individuelle Zukunft zu entwerfen.

Der Mensch verfügt über einen freien Willen

Joachim Bauer schreibt: „Ich werde nicht nur zeigen, dass wir Menschen – entgegen dem, was uns immer wieder weisgemacht werden soll – einen freien Willen haben, mit dem wir uns steuern und unser individuelles Selbst leben können.“ Außerdem möchte er auch den heilsamen Einfluss deutlich machen, der von einer intakten Selbststeuerung auf die Gesundheit eines Menschen ausgeht. Wo kein Selbst ist, kann es auch keine Selbststeuerung geben. Das Glück, sein Selbst zu fühlen, ist fast jedem Menschen widerfahren, auch wenn sich mancher gar nicht mehr erinnert.

Die Möglichkeiten zur Selbstbestimmung werden vielen Menschen nicht nur genommen, sie nehmen sie sich auch selbst. Weit mehr als erforderlich, unterwerfen sie sich dem Druck des Konformismus und der Anpassung an die vermuteten Erwartungen anderer. Es sollte eine Ziel dieser Menschen sein, ihre Freiheitsgrade zu erhöhen und ihre Selbstbestimmung zu stärken. Joachim Bauer weist darauf hin, dass Selbststeuerung nicht genussfeindliche Selbstkontrolle oder menschenverachtende Disziplin bedeutet. Ebenso wenig hat sie eine ungebremste Herrschaft von Affekten und Impulsen im Sinn.

Momente gelungener Selbststeuerung haben einen hohen Lustfaktor

Joachim Bauer beschreibt Selbststeuerung als ganzheitliche Selbstfürsorge und als Kunst, Impulse und deren Kontrolle miteinander zu verbinden. Menschen mit funktionierender Selbststeuerung erleben signifikant mehr Glück und weniger Leid, Angst und Depressivität als jene, denen sie fehlt. Dazu kommt, dass Momente gelungener Selbststeuerung einen hohen Lustfaktor haben. Dessen zentrale Aspekte sind die Vorwärtsentwicklung der eigenen Person, die Erschließung neuer Möglichkeitsräume und das Entstehen von Zukunft und Lebenssinn.

Das menschliche Bewusstsein verfügt über die Fähigkeit, in einer gegebenen Situation unterschiedliche Verhaltensoptionen zu entwerfen, ihre jeweiligen Folgen zu antizipieren und sie gegeneinander abzuwägen. Die Aufgabe guter Selbststeuerung besteht darin, spontane Wünschen und Impulse gegen längerfristige Eigeninteressen abzuwägen. Die dadurch entstehenden Freiheitsgrade des Verhaltens sind das, was als freier Wille bezeichnet wird. Der Ort des freien Willens ist die reale Welt.

Selbststeuerung
Die Wiederentdeckung des freien Willens
Joachim Bauer
Verlag: Blessing
Gebundene Ausgabe: 238 Seiten, 6. Auflage: 2015
ISBN: 978-3-89667-539-2, 19,99 Euro

Von Hans Klumbies

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