Jean-Paul Sartre: "Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein"

Jean-Paul Sartre lebte im intellektuellen, politischen Klima in Paris, um zu schreiben und durch seine Schriften Wirkung zu erzielen. Seine schriftstellerischen Aktivitäten waren vielfältig. Er wirkte nicht nur als philosophischer Autor, sondern ebenso als Romanautor und durch seine Theaterstücke. Großen Einfluss auf die Intellektuellen seiner Zeit gewann er auch als Journalist und Herausgeber der bedeutenden philosophischen Zeitschrift „Les temps modernes“. Seine freie Beziehung mit seiner Gefährtin Simone de Beauvoir diente vielen Studenten als Vorbild. Außerdem sorgte er als Literaturkritiker, Essayist und durch seine spektakulären politischen Aktionen für Aufsehen.

Die Freiheit ist die erste Bedingung der Tätigkeit

Der Existenzialismus, wie er von Jean-Paul Sartre vertreten wurde, entwickelte sich zu einem europäischen Ereignis, in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sogar zur angesagten Lebensform und Mode. Jean-Paul Sartres philosophisches Hauptwerk ist das Buch „Das Sein und das Nichts“, es ist die Grundlage der französischen Ausprägung des Existenzialismus. Haben, Machen und Sein sind für Jean-Paul Sartre die Grundkategorien der menschlichen Wirklichkeit.

Von ebenso ausschlaggebender Bedeutung für den Existenzialismus sind Begriffe wie Freiheit, Entwurf, Situation und Verantwortung. Die erste Bedingung der Tätigkeit ist für Jean-Paul Sartre die Freiheit. Die Freiheit ist für den Philosophen nicht nur die Voraussetzung des Handelns, sondern auch des eigenen Seins. Person sein heißt bei ihm, ständig eigene Grenzen zu überschreiten, sich auf der Basis eines grundlegenden Entwurfs, ständig neu weiterzuentwickeln.

Der Mensch muss sich seiner Freiheit bewusst sein

Das heißt aber nicht, dass jeder tun und lassen kann, was er will. Überall tauchen Umstände und Hindernisse auf, die den Menschen einschränken. Jean-Paul Sartre bezeichnet diese Konfrontation als „die Situation“. Jede Situation ist ein Konflikt zwischen Mensch und Hindernis. Der Einzelne muss selbst entscheiden, ob er das Hindernis überwinden will oder vor der Aufgabe kapituliert.

Jean-Paul Sartre vertritt die These, dass es Freiheit nur in der Situation und die Situation nur in der Freiheit gibt. Der Mensch muss sich seiner Freiheit bewusst sein, um ganz die Verantwortung für sein Tun übernehmen zu können. Ein berühmter Satz von Sartre lautet: „Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein.“

Die Grundthese des Existenzialismus

Freiheit bedeutet für viele Menschen zugleich eine ungeheure Last, mit der sie nicht fertig werden und sich in Abhängigkeiten flüchten. Wer sich mit Jean-Paul Sartres Denken näher beschäftigen möchte, findet dazu einen guten Einstieg in seinem Vortrag „Ist der Existenzialismus ein Humanismus?“, der aus dem Jahr 1946 stammt.

Darin findet sich die Grundthese seines Existenzialismus, dass die Existenz der Essenz vorangeht. Das heißt: zuerst existiert der Mensch, begegnet sich, taucht in der Welt auf und definiert sich danach. Für Jean-Paul Sartre gibt es keinen Gott, der irgendwie eine menschliche Natur determiniert hätte. Der Mensch allein ist für seine Entwicklung verantwortlich, er ist nichts anderes als das, wozu er sich macht.

Von Hans Klumbies

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