Alle Menschen wollen eigentlich irgendwie glücklich sein

Die Philosophin Ina Schmidt bringt ihre Leser auf den Weg, um das Glück in der Suche danach auch zu finden. In ihrem neuen Buch „Das Ziel ist im Weg“ stellt die Autorin eine Alltagsphilosophie der Suche vor und beantwortet die Frage, was Menschen überhaupt finden können. Das zweite Kapitel beschreibt den Weg vom Suchen zum Aussuchen und die Kraft, die in jeder Entscheidung liegt. Im nächsten Abschnitt geht es um die Energie, die ein besonnener Mensch ausstrahlt und um das leise Glück der kleinen Dinge. Zudem macht Ina Schmidt plausibel, warum jeder nach dem sogenannten Guten streben sollte. Ina Schmidt gründete 2005 die „denkraeume“, eine Initiative, in der sie in Vorträgen, Workshops und Seminaren philosophische Themen und Begriffe für die heutige Lebenswelt verständlich macht.

Der Mensch kann nur mit anderen er selbst sein

Im vorletzten Kapitel beantwortet Ina Schmidt eine essentielle Frage: „Wie suche ich mein Selbst, und woher weiß ich, dass ich mich gefunden habe?“ Außerdem singt sie das hohe Lied der Empathie, das heißt, der Mensch kann nur mit anderen er selbst sein. Das Schlusskapitel bildet einen philosophischen Leitfaden für Suchende. Heutzutage scheint die innere Mitte zu finden, zu wissen und zu bleiben wer man ist, und endlich einmal in Ruhe Zeit zu genießen, die höchste Form eines geglückten Lebens zu sein.

Alle Menschen wollen eigentlich irgendwie glücklich sein. Aber ebendieses Ziel scheint eher der Anfang von neuen Fragen zu sein als ihr Ende. Wo versteckt sich das Glück und warum suchen es alle Menschen so sehr? Aber die ewige Sucherei ist es doch, die einen Menschen vom Ankommen abhält. Denn man tut kaum noch etwas anderes, als auf der Suche nach dem zu sein, was das Leben scheinbar ausmacht: nach dem Sinn, der großen Liebe oder den eigenen Möglichkeiten. Aber könnte es nicht sein, dass das, was man vor sich herträgt, wirklich ein Ziel oder in Wirklichkeit nicht eher so etwas wie eine Sehnsucht oder ein Ideal ist?

Ein Suchender steckt den Rahmen des „Möglichen“ für sich ab

Ein Suchender ist für Ina Schmidt kein Spielball der Unberechenbarkeiten, sondern jemand, der versucht, dieser Unberechenbarkeit etwas entgegenzusetzen, indem er den Rahmen des „Möglichen“ für sich absteckt. Ina Schmidt empfiehlt, dass die Menschen weniger ihr Handeln verändern sollten, sondern vielmehr ihren Blick, ihre Art, hinzuschauen und zuzuhören, um zu lernen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Und in der Hetze und Unaufmerksamkeit liegt das Gegenteil jeder gelingenden Suche.

Vor diesem Hintergrund will das Buch „Das Ziel ist im Weg“ eine vielleicht ungewohnte Frage stellen und beantworten: nicht die, wie man das vermeintlich leidige Suchen beenden kann – um endlich ans Ziel oder auch mal wieder zur Ruhe zu kommen –, sondern die, wie man lernen kann, auf eine andere Weise zu suchen: nämlich in Ruhe, damit man da ankommen kann, wo man auch wirklich hinwill, auch wenn man es vorher noch nicht wusste, um von dort aufs Neue aufzubrechen. Denn wer weiß schon, welche Ziele sich auf dem persönlichen Lebensweg in der Zukunft noch ergeben werden?

Das Ziel ist im Weg
Eine philosophische Suche dem Glück
Ina Schmidt
Verlag: Lübbe
Gebundene Ausgabe: 236 Seiten, Auflage: 2017
ISBN: 978-3-7857-2583-2, 20,00 Euro

Von Hans Klumbies


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