Ina Schmidt begibt sich auf die Spur des Guten

Laut Platon liegt es jeder menschlichen Handlung zugrunde, nach dem Guten zu streben, aber nicht in einem ökonomischen Sinne, sondern in einem moralisch-sittlichen Verständnis. Ina Schmidt erläutert: „Der platonischen Philosophie zufolge ist die Idee des Guten das, was als dem, das wir als wahr, als schön oder wertvoll erkennen, zugrunde liegt.“ Im Sonnengleichnis, das Platon in seiner Staatslehre, der „politeia“, anführt, vergleicht er das Gute mit dem Licht der Sonne, das notwendig ist, damit die Menschen die Dinge sehen können, wie sie sind. Wenn das Gute nicht auf das strahlt, was ein Mensch erkennen oder verstehen will, dann bleibt es für ihn dunkel und unverständlich. Ina Schmidt gründete 2005 die „denkraeume“, eine Initiative, in der sie in Vorträgen, Workshops und Seminaren philosophische Themen und Begriffe für die heutige Lebenswelt verständlich macht.

Das Gute hat etwas mit dem Glück zu tun

Hinter dieser Vorstellung steht die Überzeugung, dass ein Mensch die Welt mithilfe seiner Erkenntnis für sich erschließen kann, dass es also letztlich keine „bleibenden Dunkelheiten“ geben muss, mit denen er leben lernen muss, sondern er die Dinge mithilfe von Geist und Sprache erhellen und abbilden kann. Alle Menschen machen irgendwann die Erfahrung, dass es möglich ist, glücklich zu sein. Für einen kleine Moment, einen Nachmittag oder einen Urlaub am Mittelmeer.

Ist ein gutes Leben wenigstens eines, das glücklich machen kann? Auch Sokrates blieb angesichts der Frage, ob man das Gute lehren beziehungsweise lernen könne, wieder einmal ratlos. Auf die Frage des jungen Menon antwortet er: „Mir selbst geht es ganz genauso: Ich leide mit meinen Mitbürgern in dieser Sache auch unter diesem Mangel und mache mir Vorwürfe, überhaupt nichts über das Gutsein zu wissen.“ Und trotz aller Ratlosigkeit, so erlebt man das Gute doch als etwas, was einem guttut und das etwas mit dem Glück zu tun hat.

Das Glück bescher einen Augenblick voller Freude

Arthur Schopenhauer mag zwar recht haben, dass ein Mensch dieses Erleben nicht zwingend erwarten kann, dass es möglicherweise ein lebenslanges Streben bleibt, und doch muss es etwas geben, worüber man denken, sprechen, woran man eben dieses Streben ausrichten kann. Allerdings wandelt sich offenbar aber genau das nicht auch zuletzt mit dem Wandel der Traditionen und Lebensmodelle. Insbesondere die Überzeugung, dass man selbst einen enormen Einfluss auf das eigene Glücklichsein habe, hat sich in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr durchgesetzt.

Wenn ein Mensch etwas Gutes tut, dann tut er das vermeintlich Richtige, und zumindest im Rahmen bestimmter Kulturkreise oder Gemeinschaften lässt sich das Gute auch wenn nicht definieren, so doch von seinem Gegenteil abgrenzen: dem Schlechten, Falschen oder Bösen. Bei der Vorstellung vom Glück geht es bei den meisten Menschen um Phasen oder Momente, die über sie hereinbrechen, ihnen einen Augenblick voller Freude und Unbeschwertheit bescheren, ohne dass sie dabei moralischen Setzungen folgen. Quelle: „Das Ziel ist im Weg“ von Ina Schmidt

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