In vielen Teilen der Welt sterben immer mehr Bienen

Noch immer rätseln Wissenschaftler, welche Faktoren für den weltweiten Massentod von Honigbienen verantwortlich sind. Im Verdacht stehen eingeschleppte Parasiten, der Klimawandel und die voranschreitende Zerstörung der Natur. Allein in den europäischen Ländern ist in der vergangenen Dekade die Bienepopulation zwischen zehn und 30 Prozent zurückgegangen. In Amerika ist sie um 30 Prozent und im Nahen Osten sogar um 85 Prozent geschrumpft. Das sind die Ergebnisse eines Berichts, den Wissenschaftler der Unep, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen vor kurzem in Genf vorstellten. Auch in Ägypten, Japan und China sterben immer mehr Honigbienen.

Die Honigbiene ist das drittwichtigste Nutztier der Welt

Die Biologin Melanie von Orlow vom Naturschutzbund erläutert: „Das Problem ist, dass das Bienensterben als Bedrohung kaum wahrgenommen wird, nicht alle Katastrophen stellen sich uns so deutlich dar wie jetzt die in Japan.“ Biologen und Ökologen bezeichnen das geheimnisvolle Massensterben der Bienen als „Colony Collapse Disorder“ (CCD). Die Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass das Bienensterben nicht nur eine Ursache hat, sondern dass ein Mix aus mehreren Faktoren dafür verantwortlich ist. Da allerdings noch immer handfeste Beweise fehlen, bewegen sich viele Vermutungen immer noch im Reich der Spekulation.

Die wenigsten Menschen wissen, dass die Honigbiene nach dem Rind und dem Schwein das drittwichtigste Nutztier ist. Zudem ist die Biene der bedeutendste Bestäuber. Laut Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), bestäuben von 100 Nutzpflanzen 71 hauptsächlich die Honigbienen. Um lebenswichtige Aufgabe erfüllen zu können, muss die Biene gesund sein. Ist ein Bienenvolk geschwächt, hat es wenige Chancen einen harten Winter zu überstehen.

Die große Verantwortung der Imker für die Honigbienen

Bienenforscher Dietmar Wittmann von der Universität Bonn erklärt: „Die zunehmenden Monokulturen sind nicht als Bienenweiden geeignet, einseitige Ernährung schwächt die Bienen und vor allem ihre Larven.“ Die Biene benötigt eine gesunde Mischkost, um sich gegen Schädlinge und Angreifer durchsetzen zu können. Die Anzahl ihrer Feinde ist groß. Dietmar Wittmann klagt: „Bienen sind geplagte Tiere. Wir kennen allein zehn verschiedene Viren, die sich gern in Völkern festsetzen, dazu kommen mehrere Bakterien und natürlich die Varroamilbe.“

Laut Dietmar Wittmann liegt heute ein großer Teil der Verantwortung bei den Imkern, die einen großen Anteil daran haben, ob ihre Bienen überleben oder nicht. Denn ein Imker, der seine Bienen fachgerecht einwintert, und Krankheiten mit den richtigen Medikamenten behandelt, zum Beispiel Ameisensäure gegen die Varroamilbe einsetzt, hat gute Chancen, seine Honigbienen gut durch den Winter zu bringen. Die Autoren des UN-Berichts fordern einen bewussteren Umgang mit den Honigbienen: Deren Bestäubung der Nutzpflanzen ist für die Forscher keine kostenlose Dienstleistung, sondern eine, in die der Mensch ein wenig investieren muss, um sie zu schützen und zu erhalten.

Von Hans Klumbies

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