Elternhilfe bei Hausarbeiten bringt nicht den erwünschten Erfolg

Nahezu zwei Drittel aller Eltern erarbeiten den Lehrstoff für die Schule grundsätzlich gemeinsam mit ihren Kindern. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Umfrage der Universität Bielefeld. Und über 75 Prozent der Eltern helfen ihrem Nachwuchs bei der Vorbereitung auf Klassenarbeiten und Referate. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Ganztagsschüler oder Halbtagsschüler handelt. Inzwischen glauben viele gestresste Eltern, dass das eigentliche Lernen fast ausschließlich nur noch zu Hause stattfindet. Ulrich Trautwein, Professor für empirische Bildungsforschung and der Universität Tübingen kennt diese Probleme und erklärt: „Eltern sind sehr emotional – wenn das Kind was nicht kann, verzweifeln sie und empfinden Schulprobleme als Kränkung und eigenes Versagen, vor allem, wenn das Kind ihr einziges und wichtigstes Projekt ist.“

Permanente Hilfe führt längerfristig oft sogar zu einer Verschlechterung der Leistung

Ulrich Trautwein vertritt die These, dass Eltern, die ihr Kind systematisch beim Lernen unterstützen, ihrem Nachwuchs in der Regel keinen Gefallen damit tun. Systematische Untersuchungen an Schülern allen Schulformen zwischen der fünften und neunten Klasse haben ergeben, dass elterliche Zwangsbetreuung am Nachmittag nichts bringt und sogar schaden kann, wenn sie nicht auf Wunsch des Kindes zustande kommt. Ulrich Trautwein sagt: „Insgesamt gesehen führt permanente Hilfe längerfristig oft zu einer Leistungsverschlechterung.“

Ulrich Trautwein weiß allerdings auch, dass viele Menschen Fälle kennen, in denen Kinder durch elterliche Hilfe besser in der Schule geworden sind. Er fügt hinzu: „Im statistischen Mittel ist aber öfter das Gegenteil der Fall.“ Die negativen Auswirkungen gewinnen vor allem dann die Oberhand, wenn es beim gemeinsamen Lernen häufig zu Auseinandersetzungen und Tränen kommt oder wenn die Eltern das Kind verunsichern, indem sie behaupten, dass sie gar nicht verstehen könnten, was einer solchen Aufgabe so schwer wäre.

Hausarbeiten sollen die Kinder zur Selbstständigkeit erziehen

Bei einem solchen Verhalten der Eltern leidet das Selbstbewusstsein des Kindes. Zudem schwindet seine Motivation. Die Erziehungswissenschaftlerin Britta Kohler erläutert: „Ich mache seit zwanzig Jahren Elternabende – was da an Beziehungen zerstört werden kann über die Hausaufgabenhilfe, und bringen tun sie oft gar nichts.“ Dagegen ist ihrer Meinung nach aufrichtiges Interesse der Eltern an ihren Kindern gut, indem sie zum Bespiel Fragen stellen wie: „Was macht ihr denn in der Schule? oder „Kannst Du mir doch mal erklären, was du gelernt hast?“

Vor allem bleibt die Eigenverantwortlichkeit auf der Strecke, wenn das Kind Hausaufgaben und Vorbereitungen auf Klassenarbeiten nur mit Hilfe der Eltern macht. Laut Britta Kohler nehmen die Eltern dem Kind damit die Möglichkeit, Eigenständigkeit und Selbstvertrauen zu lernen und die Konsequenzen seines Handelns zu spüren. Sie fügt hinzu: „Damit nehmen sie ihm eine wichtige Chance der Entwicklung auf dem Weg zum Erwachsenwerden.“ Für Ulrich Trautwein haben die Hausaufgaben den Zweck, dass die Kinder selbstregulativ mit ihren schulischen Aufgaben und Zumutungen umgehen und die Phasen der Arbeit selbstständig planen.

Von Hans Klumbies

 

 

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