Herbert Schnädelbach erklärt das Begriffspaar Subjekt und Objekt

Im Alltagsgespräch bedeuten die Ausdrücke Subjekt und Objekt bei weitem nicht das, was Philosophen unter diesen Begriffen verstehen. In philosophischen Büchern und Seminaren wird laut Herbert Schnädelbach immer wieder behauptet, die Erkenntnis sei eine zweistellige Relation zwischen Subjekt und Objekt. Er schreibt: „Da ist dann vom Problem dieser Beziehung die Rede, denn das beruhe auf der „Subjekt-Objekt-Spaltung“ (Jaspers), und so haben sich ganze Generationen von Philosophen den Kopf darüber zerbrochen, wie es möglich sei, dass das Subjekt sich überhaupt auf ein Objekt bezieht und dabei zu Erkenntnissen gelangt.“ Diese Fragestellung kam erst im späten 18. Jahrhundert auf, und zwar durch eine Substantivierung des Begriffspaares „subjektiv-objektiv“, das in der Scholastik wohlvertraut war. Vor seiner Emeritierung war Herbert Schnädelbach Professor für Philosophie an den Universitäten Frankfurt am Main, Hamburg und and der Humboldt-Universität in Berlin.

Das Subjekt erkennt Alles und wird von Keinem erkannt

Für Herbert Schnädelbach ist es bemerkenswert, wie vorsichtig Immanuel Kant beim Gebrauch des Subjektbegriffs ist. Wenn er damit nicht das empirische Ich meint, ist ihm zufolge über das Ich nichts anderes zu sagen, als dass es dazu dient, mich logisch als Subjekt meiner Gedanken zu präsentieren, die dessen Prädikate sind. Wenn man dem Ich etwas zuerkennen will, muss man es als „Ich denke“ immer schon voraussetzen. Herbert Schnädelbach schreibt: „Kant vertritt somit, wenn man seine Lehre außer Acht lässt, der zufolge das Wort „Ich“ eine leere Vorstellung repräsentiere, in Wahrheit bereits eine Theorie der Selbstreferenz mithilfe indexikalischer Ausdrücke.“

So ist bei Immanuel Kant kaum vom Subjekt oder Objekt die Rede, sondern umso mehr vom Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Gegenstand. Arthur Schopenhauer, der von 1788 bis 1860 lebte, griff den Ansatz von Immanuel Kant das Subjekt und das Objekt betreffend wieder auf und schreibt: „Dasjenige, was Alles erkennt und von Keinem erkannt wird, ist das Subjekt.“ Und weiter: „Als dieses Subjekt findet Jeder sich selbst, jedoch nur sofern er erkennt, nicht sofern er Objekt der Erkenntnis ist.“

Nur der Erkenntnisbereich der Wortsprache ist unhintergehbar

Für Arthur Schopenhauer sind alle Objekte der Erkenntnis nur Vorstellungen des Subjekts, also vorgestellte Objekte, die zwar vorgestellt durch ein erkennendes Individuum, das der Mensch selbst ist und als das sich jeder Erkennende wiederfindet, sofern er über sein Erkennen nachdenkt und reflektiert. Herbert Schädelbach stellt in diesem Zusammenhang allerdings die Frage, woher die Menschen wissen, dass es sich bei ihren Erkenntnissen um eine solche Beziehung handelt. Da es sich bei der Beziehung zwischen Subjekt und Objekt nicht um etwas direkt Feststellbares handeln kann, ist deren Herkunft auch nicht in der Beobachtung des eigenen Selbst zu suchen.

Am nachhaltigsten hat für Herbert Schnädelbach dann Martin Heidegger, der von 1889 bis 1976 lebte, den Mythos von der Erkenntnis als einer Subjekt-Objekt-Beziehung zerstört. Zusammenfassend behauptet Herbert Schnädelbach, dass der Ort wirklicher Erkenntnis nicht die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt beziehungsweise Bewusstsein und Gegenstand ist, sondern das Verhältnis von Satz und Tatsache. Herbert Schnädelbach schreibt: „Tatsächlich ist im Erkenntnisbereich die Wortsprache unhintergehbar, denn nur sie sichert die Verständlichkeit und Überprüfbarkeit von Erkenntnisansprüchen.“

Von Hans Klumbies

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