Herbert Schnädelbach stellt den Naturalistischen Fehlschluss vor

Ein Grundgesetz in der Philosophie lautet: Man darf nicht von dem, was ist, einfach ableiten, was sein soll. Denn Tatsachenbehauptungen allein rechtfertigen keine normativen Forderungen. Laut Herbert Schnädelbach ist ein unvermittelter Übergang vom Beschreiben zum Vorschreiben, vom Deskriptiven zum Präskriptiven weder in grammatischer noch in sachlicher Form erlaubt. Herbert Schnädelbach fügt hinzu: „Warum dieses Verbot, das man allgemein David Hume als das „Hume`sche Gesetz“ zuschreibt, etwas betrifft, was angeblich naturalistisch und zudem ein Fehlschluss sein soll, liegt freilich nicht auf der Hand.“ Mit dem Sein ist für Herbert Schnädelbach, aus dem man David Hume zufolge kein Sollen ableiten kann, ja nicht nur bloß die Natur gemeint, sondern der Inbegriff aller Seinsbereiche. Die Redeweise „Naturalistischer Fehlschluss“ ist seiner Meinung nach nur historisch zu erklären.  Vor seiner Emeritierung war Herbert Schnädelbach Professor für Philosophie an den Universitäten Frankfurt am Main, Hamburg und an der Humboldt-Universität in Berlin.

Die Grundfrage der Ethik ist die nach dem Prädikat „gut“

Den entsprechenden englischen Ausdruck „naturalistic fallacy“ prägte George Edward Moore in seinem Hauptwerk „Principia Ethica“ aus dem Jahr 1903. „Fallacy“ meint in diesem Zusammenhang etwas Trügerisches, Irreführendes, mit dem man glaubt korrekt argumentieren zu können, also eine begriffliche Verwirrung durch Verwechslung, eine Denkfalle, vor der selbst Philosophen nicht sicher sind. Der Ausgangspunkt von George Edward Moore ist die Überzeugung, die Grundfrage der Ethik sei die nach der Bedeutung des Prädikats „gut“.

Wie Sokrates ist George Edward Moore davon überzeugt, dass diese Grundfrage nicht durch die Aufzählung guter Dinge und erst recht nicht auf den Bezug auf irgendein angeblich Gutes beantwortet werden kann. Denn man kann stets zurückfragen, um welche Eigenschaft es sich bei den guten Dingen oder dem Guten handelt, die sie gut sein lässt. Die zentrale These von George Edward Moore lautet also, das „gut“ undefinierbar ist. Mit Definition ist dabei die Angabe der Eigenschaft gemeint, die Menschen einem Ding zuschreiben, das sie mit gut bezeichnen.

Handlungen lassen sich nur nach ihren Folgen ethisch beurteilen

Eine Definition kann für George Edward Moore im Unterschied zu einer bloßen Worterklärung nur die Angabe der Teile oder Elemente sein, die das zu Definierende das sein lassen, was es ist. Die nichtnatürliche Eigenschaft „gut“ einer Sache oder einer Handlung lässt sich demnach nur intuitiv erfassen. Herbert Schnädelbach erklärt: „Bezogen auf eine historisch spätere Klassifikation ethischer Positionen erweist sich die Lehre von Moore als eine intuitionistische Wertethik.“

Laut George Edward Moore folgt aus der Einsicht, dass etwas gut im Sinne von „intrinsisch wertvoll“ ist, keineswegs automatisch die Verpflichtung, es auch handelnd zu realisieren. Diese Annahme unterscheidet ihn von fast allen intuitionistischen Ethikern. Herbert Schnädelbach ergänzt: „Handlungen sind Moore zufolge nur richtig, wenn sie gut als Mittel zur Verwirklichung des als intrinsisch gut Erkannten sind; sie lassen sich nur von ihren Folgen her ethisch beurteilen.“

Von Hans Klumbies

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