Die „Goethezeit“ stellt den deutschen Beitrag zur Weltkultur dar

Was zur Menschwerdung gehört, ist nicht so sehr die dauernde Rückversicherung bei sich selbst, sondern das sich offen halten für das andere, Fremde. Gerade die Deutschen sind von alters her geradezu Herolde der Entwurzelung. Ein anderes Volk hat so sehr die Erlösung von sich selbst, von seinen nationalen, geografischen, mentalen Prägungen immer wieder zum Thema seiner großen Kunstwerke und kulturellen Hervorbringungen gemacht. In der größten kulturellen Blütezeit in Deutschland, während jener paar Jahrzehnte vor und nach 1800, die gemeinhin als „Goethezeit“ bezeichnet werden und die bis heute das Paradigma für den deutschen Beitrag zur Weltkultur darstellen, ist die Sehnsucht nach Entgrenzung das Thema schlechthin. Deutsche Klassik und Romantik, sie bringen mit unterschiedlicher Akzentuierung die Verherrlichung des antiken Griechenlands und des klassischen Italien mit sich.

Es gilt die Devise: „Wo ich nicht bin, da ist das Glück.“ So musste Erwachsenwerden beginnen. Man lässt das Zuhause hinter sich und stürzt sich in des Meeres und der Liebe Wellen. Die großen revolutionären Bewegungen in Frankreich von 1789, 1830 und 1848 laden das Fernweh auch politisch auf. Heinrich Heine hat immer wieder betont, wie viel er gerade bei diesem Zuwachs an Urbanität dem Leben in Paris verdankt. Auch im 20. Jahrhundert ist zumindest bei jenen Schriftstellern und Künstlern, die dem Geist des deutschen Idealismus verbunden blieben, ein polyglotter Kosmopolitismus das große anzustrebende Ziel.

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